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Feldpostbriefe

Die quälende Ungewissheit über das Schicksal der Liebsten teilten Menschen auf allen Seiten des Krieges. Durch Briefe versuchten sie, einander nicht zu verlieren. Das NS-Regime gab Richtlinien für den Inhalt heraus und instrumentalisierte die Briefe, um den Kriegswillen zu stärken. Die Deutsche Feldpost beförderte im Zweiten Weltkrieg schätzungsweise 30 bis 40 Milliarden Sendungen.

Der junge Soldat Erwin Ellerbrake erhielt Post von seiner Familie und den Nachbarn. Sie schreiben von Fliegeralarm, Vermisstmeldungen und Kriegsalltag.

Lesen Sie einige der Briefe unter…

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Details und Hintergründe

Feldpost aus Halle/Westfalen

Allgemeines

Die Deutsche Feldpost beförderte im Zweiten Weltkrieg schätzungsweise 30 bis 40 Milliarden Sendungen.[1] Der Brief war das wichtigste, und meist das einzige Kommunikationsmittel. Man versuchte, den Kontakt nicht abreißen zu lassen, um sich nah zu bleiben und einander nicht zu verlieren. Nicht jeder Brief erreichte seinen Adressaten. Das Durchnummerieren ermöglichte eine gewisse Kontrolle.

Für das NS-Regime war die Feldpost ein wesentliches Instrument, um die Moral, sprich den Kriegswillen zu stärken. Für den Inhalt gab es entsprechende Richtlinien: So wurde durch Propaganda-Kampagnen klargestellt, dass negative und beunruhigende Inhalte für den Feldpostbrief nicht geeignet seien.[2] Positive Feldpostsendungen wurden dagegen begrüßt und gefördert.

Auch das Fotografieren und das Verschicken von Fotos, die einen noch stärkeren Eindruck von der Lebenswelt des anderen vermitteln, waren erwünscht.

Alle Sendungen unterlagen der Zensur, die stichprobenartig durchgeführt wurde. Um die Beförderung ihres Briefes nicht zu gefährden, übten daher viele bereits im Vorhinein eine Selbstzensur.

Feldpost aus Halle

Die folgenden Feldpostbriefe schrieben Eltern, Freunde und Nachbarn Anfang 1945 an Erwin Ellerbrake (*1928), der in dieser Zeit vor seinem Kriegseinsatz den obligatorischen Arbeitsdienst leisten musste.

Mutter und Vater schreiben am 24. Januar 1945:

„Lieber Erwin!

Da Elli Dir gestern schon das Meiste geschrieben hat, will ich noch paar Zeilen dazu schreiben. Haben uns gestern sehr gefreut, Post von Dir zu bekommen, die Karte und den Brief und auch der Brief an Anton kamen zusammen hier an. Anton freute sich auch, daß Du Wort gehalten hast. Geht auch uns allen gut und hoffen das Du den Brief bei bester Gesundheit erhältst. Bist Du noch in der Küche? Wie ist der Dienst sonst? Sind nun schon bald 14 Tage um. Sind noch mehrere hier aus der Nähe nach dort gekommen? Hast unterwegs wohl noch welche getroffen. Wenn Du mal Zeit hast, schreibe mal näheres. Onkel Hugo schrieb auch heute, [er] wäre am 22. wieder bei der Truppe angelangt.

Heute war Frau Speckmann hier, hatten von Walter noch nichts erhalten, aber die Post ist gar auch lange unterwegs. Wesselmann hat jetzt die Dreschmaschine. Wir werden am Freitag wohl dreschen, hoffentlich werden wir mit dem Aufzug fertig. Vater hat Horstel schon gesagt, [er] sollte etwas mit helfen, sonst mußt Du noch per Flieger kommen. Wollen hoffen, daß es klappt. Hier haben wir allerhand Schnee ist das dort auch der Fall? Gestern hatte die Lore gleich einen Brief geschrieben, hast ihn sicher auch erhalten. [Sie] ist jetzt immer am Rodeln und Ski fahren. Erna ist in Bethel im Krankenhaus wurde plötzlich krank. Anita war Montag hier. War ganz munter gewesen.

Nun sei herzlich gegrüßt von Deiner Mutter und Vater, Elli und die andern alle.

 

Der zwölfjährige Nachbarsohn Wilhelm Weßling schreibt am 16. Februar 1945:

„Lieber Erwin!

Deinen Brief vom 11.2. haben wir dankend erhalten. Wie geht es Dir denn. Uns geht es gut was ich auch wohl von Dir hoffen kann. Heute war das Wetter hier einmal prima darum hat uns der Tommi auch wieder besucht. Er muß in Osnabrück wohl wieder anständig gehaust haben. Die verdammten Tieflieger besuchen uns jeden Tag. Am Mittwoch haben sie den 7 Uhrzug schon in Ösede beast. Dieser Zug lief Abends um 6 Uhr in Halle ein. An demselben Tage haben sie den Rothenfelder Bahnhof plattgelegt. Hier erzählen sie der Tommi hätte das Lazarett auch getroffen. Das ihr aber noch keinen Ausgang gehabt habt das ist sehr traurig. Ihr müßt Euch selbständig machen und denn übern Zappen hauen. Mein Vater und Friedrich sind am Milchgeld zählen. Wir warten jetzt nur noch darauf das Alarm kommt und dann gehen wir zum Federball, ziehen und die Decke übern Kopf und dann ade! Hier gibt es jetzt schon Luft-Lande-Alarm dieses Signal ist wie Vollalarm aber nur 5 Minuten lang. Und wenn kein Strom da ist läuten die Kirchenglocken. Nun will ich schließen.

Sei vielmals gegrüßt von Deinem Wilhelm!

Viele Grüße von Gisela

 

Die Schwester Elly fragt etwa zur gleichen Zeit:

„Mein lieber Erwin!

[…] Hast Du schon etwas von Walter gehört, der ist ganz unglücklich verfrachtet. Denn im Osten sind doch jetzt sehr harte Kämpfe.“

 

Der Nachbarjunge Horst Modersohn schreibt am 7. Februar 1945:

„Lieber Erwin!

Eben habe ich an Wolfgang geschrieben. Darum mußt Du auch einen Brief bekommen. Wolfgang kommt nun an die Front. Georg Pahmeyer muß nun Mittwoch auch Soldat werden. Wie ist das denn so bei Euch? Habt Ihr strengen Dienst? Sind Deine schönen Filzsohlen schon in Gebrauch? Gestern war ich bei Deinem Onkel in Künsebeck. Das war eine Höllenfahrt. Erst bekam ich einen Platten. Da mußte ich mir ein anderes Fahrrad holen. Aber ich kam abends doch endlich hier an. Vorgestern war ich beim abgestürzten Tommy in Hesseln. Da lag noch viel Zeug herum. Italiener haben es weggeschafft als der Schnee lag. Das meiste haben sie liegengelassen. Eine ganze Trommel voll Munition lag da. Auch viel Draht war zu finden.

Nun viele Grüße Dein Horst.

In bin soooo müde.

 

Seine Eltern schließen sich mit Grüßen an:

Lieber Erwin!

Wie geht es Dir? Hoffentlich recht gut. Heute schrieb und der Wolfgang, daß er jetzt ausrückt ins Feld. Fritz Stockhecke ist in Rußland auch vermißt. Uns geht es gut. Herzliche Grüße Deine G. Modersohn.

Viele Grüße, Dein O. Modersohn.

 

 

Feldpost aus Eggeberg bei Halle Westfalen

[1] Museumsstiftung Post und Telekommunikation: Sammlung Feldpost/Feldpost im II. Weltkrieg/Feldpost als Quelle, URL: http://www.museumsstiftung.de/feldpost/quelle.html [online am 14. Oktober 2011].

[2] Vgl. „Abends wenn wir essen, fehlt uns immer einer…“ Kinder schreiben an ihre Väter 1939-1945. Hrsg. von Benedikt Burkard und Friederike Valet. Heidelberg 2000.