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AusstellungZeitRaum 3 NationalsozialismusThemenwand Das Regime Arbeitserlaubnis von Jacob Jacobs

Arbeitserlaubnis von Jacob Jacobs

Foto auf Karton, gestempelt und unterschrieben | 1935
Stadtarchiv Halle (Westf.)

Ein Leben über die deutsch-niederländische Grenze hinweg führten der gelernte Viehhändler Jacob Jacobs und seine Frau, die Hutmacherin  Julie Lazarus. Das Jahr 1935 war keine gute Zeit, um als Jude in Halle beruflich Fuß zu fassen. Von der Erteilung oder dem Entzug der Arbeitserlaubnis hing die Existenz ab.

Wie die NSDAP versuchte, belastendes Material gegen den unbescholtenen Jacobs zu finden und wie dieser schließlich gemeinsam mit der Familie seiner Schwester Emma Sachs in die Niederlande flüchtete, erfahren Sie hier unter

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Kontoristin Klara Isenber und ihr Vater Schlachter Moritz Isenberg um 1932 jüdische Familie Halle Westfalen

Familie Isenberg

Moritz Isenberg führte eine Schlachterei an der Langen Straße 61 in Halle. Seine Tochter Klärchen arbeitete als Kontoristin im Büro der Fleischwarenfabrik Rolff. Die Familie lebete in der dritten Generation an Halle, hatte Landbesitz, einen Garten mit Laube und führte bis 1933 ein gutes Leben in Halle. Die Geschichte der Familie erfahren Sie hier…

Ida Herzberg Damenmoden. Foto und Inserat um 1928. Boykott jüdischer Geschäfte im April 1933.

Damenmode Herzberg

Die Ehefrau von Jacob Jacobs, Julie Lazarus, war Hutmacherin. Eine solche gab es zu ihrer Zeit bereits in Halle: Ida Herzberg führte einen Hutsalon an der Langen Straße 63. Auch Pelze gab es dort zu kaufen. Lesen Sie mehr…

 

Lederindustrie Treibriemen Lederfabrik Bergenthal um 1920

Lederindustrie

Für Jacob Jacobs‘ Viehhandel war Halle ein guter Standort. Hier gab es nicht nur Landwirtschaft, sondern auch Fleischwaren- und Lederfabriken. Hier können Sie Fotos von der dortigen „Knochenarbeit“ ansehen und zuhören, was der ehemalige Fabrikbesitzer Werner Imsande erzählt…

Details und Hintergründe

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Exponat: Arbeitserlaubnis von Jacob Jacobs

Die Geschichte der Familien Jacob Jacobs und Albert Sachs

Das Schicksal zweier jüdischer Familien zwischen Deutschland und den Niederlanden in der Zeit des Nationalsozialismus

Ein Leben über die Grenze hinweg führten der gelernte Viehhändler Jacob Jacobs und seine Frau Julie. Das Jahr 1935 war keine gute Zeit, um als Jude in Halle/Westfalen beruflich Fuß zu fassen. Wie die NSDAP versuchte, belastendes Material gegen den unbescholtenen Jacobs zu finden und wie dieser schließlich gemeinsam mit der Familie seiner Schwester Emma Sachs in die Niederlande flüchtete, recherchierte Frauke Keßner.

Familie und Ausbildung

Jacob Jacobs  wird am 11. März 1895 in Borne bei Enschede (Niederlande) geboren. Er ist das dritte von fünf Kindern einer jüdischen Familie. Seine Mutter stammt aus Laer (Deutschland).

Wie sein Großvater und sein Vater wird Jacob Viehhändler. Ab 1910 arbeitet er in Deutschland. Als 17-Jähriger bekommt er in Bakum-Melle eine Legitimationskarte, die ihn berechtigt, auf Rechnung der Firma Mildenberg Vieh zu kaufen. Anfang 1913 meldet er sich beim Einwohnermeldeamt in Ahlen/Westf. „für dauernden Aufenthalt“ an. Im Laufe der folgenden 20 Jahre zieht er innerhalb der Stadt zweimal um, erwirbt zwei Grundstücke und Hausbesitz.

Am 8. April 1921 erteilt ihm das Kollegium der Fleischüberwachungsstelle beim Oberpräsidenten in Münster die Erlaubnis für Handel „nur mit Rindvieh“.

Um das Jahr 1922 heiratet Jacob Jacobs die aus einer jüdischen Familie in Trier stammende Hutmacherin Julie Lazarus. Die Ehe bleibt kinderlos. Jacobs Mutter Friederike, die seit 1908 Witwe ist, zieht zu ihnen nach Ahlen. Im September 1933 geht die Familie Jacobs zurück nach Borne.

1934 beschließt Jacob Jacobs, nach Halle zu ziehen. Seine jüngere Schwester Emma, die mit dem jüdischen Viehhändler Albert Sachs aus Werther verheiratet ist, wohnt hier schon seit 1925. Sie haben eine neunjährige Tochter, Friedel, geboren 1925. Jacob Jacobs meldet sich in Halle unter der Adresse der Familie Albert Sachs „Lange Straße 25“ an. Seine Frau Julie bleibt vorläufig noch in Borne wohnen.

Haus Lange Straße 25 in Halle/Westfalen

Das Haus Lange Straße 25 in Halle/Westfalen. Hier wohnten die Familien Sachs und Jacobs. Foto: Frauke Keßner

Die Arbeitserlaubnis - Grundlage der Existenz

Schwager Albert Sachs beantragt im Februar 1935 für Jacob eine Legitimationskarte für den Handel mit Rindvieh auf seine Rechnung.

Die Haller Polizei leitet den Antrag an die Staatspolizei in Bielefeld weiter, wo festgestellt wird, dass Jacob Jacobs bisher nicht vorbestraft ist. Obwohl angemerkt wird, dass er Niederländischer Jude ist, gibt es erst mal keine politischen Einwände gegen eine Arbeitserlaubnis. Die Legitimationskarte für das Jahr 1935 wird ihm am 22. Februar 1935 gegen eine Gebühr von drei Mark ausgehändigt. Kurz danach, im März 1935, zieht seine Frau Julie nach Halle.

Am 5. April 1935 bekommt Jacob vom Haller Bürgermeister Eduard Meyer zu Hoberge – ohne Angabe von Gründen – die Nachricht, dass die Arbeitserlaubnis eingezogen sei und er sie „Sofort!“ abzugeben habe. Die NSDAP hat Einwände geltend gemacht und kein Verständnis dafür, dass ein Jude so einfach die Erlaubnis zur Gründung eines Gewerbes bekommt.

Jacob Jacobs beauftragt sofort einen Rechtsanwalt in Osnabrück damit, seine Interessen zu vertreten. Schon am 6. April 1935 fragt dieser schriftlich an, welche gesetzlichen Bestimmungen der Entscheidung zu Grunde liegen.

Von Seiten der Haller Behörden beginnen intensive Bemühungen, Argumente zur Rechtfertigung des Entzugs der Legitimationskarte zu finden. In Ahlen fragt man an, „ob und eventuell in welcher Beziehung Nachteiliges … bekannt geworden ist“ und warum er dort zwar für das Jahr 1933 eine Arbeitsgenehmigung bekommen hatte, nicht aber für 1934. Aber aus Ahlen gibt es nichts Negatives über Jacobs zu berichten. Eine zweite Arbeitsgenehmigung wurde nicht erteilt, weil keine beantragt worden war.

Der Haller Bürgermeister lässt sich vom Justizministerium in Berlin einen Auszug aus dem Strafregister schicken. Auch in Berlin sind keine Strafsachen über Jacobs bekannt. So sehr sich die Behörden auch bemühen, nirgendwo lässt sich etwas Negatives über Jacob Jacobs finden.

NSDAP sucht nach belastendem Material gegen Jacob Jacobs

Daraufhin wendet sich der Haller Landrat an die Staatspolizeistelle in Bielefeld. Der ganze Fall wird im Brief wie folgt zusammengefasst: Die Arbeitserlaubnis wurde vorsorglich eingezogen, weil Jacobs ein Haus kaufen wollte. Das hätte für Unruhe in der Bevölkerung sorgen können. Immerhin sei er ein ausländischer Jude. Da keine gesetzlichen Einwände gegen ihn zu finden seien, schlägt der Landrat die spezielle Regelung „Missbrauch des Gewerbes zu staatsfeindlichen Zwecken“ als Rechtfertigung vor. In diesem Brief wird auch angeführt, dass sowohl Jacobs‘ Rechtsanwalt als auch das Niederländische Konsulat gegen die Einziehung der Arbeitserlaubnis Einspruch erhoben haben. Das Konsulat beruft sich darauf, dass zwischen den beiden Ländern ein Gleichbehandlungsvertrag bestünde.

Gleichzeitig bemühen sich die NSDAP und die SS in Ahlen, belastendes Material gegen Jacobs zu sammeln. In einem Brief an ihre Kollegen in Halle diffamieren sie Jacobs als „einen der widerlichsten Juden“, der, wie alle Juden, politisch total unzuverlässig und außerdem ein Bauernfänger sei. Nach der bekannten  jüdischen Methode mache er Geschäfte mit Bauern aus der Umgebung, die der „Rassenfrage noch hintenan marschieren“. Obwohl der mit leeren Händen nach Deutschland gekommen sei, hätte er in Ahlen schon schnell zwei Stück Land kaufen können. Er soll sich außerdem „eifrig“ der Rassenschande schuldig gemacht haben – „dem ureigensten Gebiet der Juden“ –  indem er ein arisches Mädchen „entrasst“ haben soll. Ferner wird Jacobs eine staatsfeindliche Einstellung vorgeworfen, „die ja sowieso bei keinem Juden angezweifelt werden kann“. Beweise werden für all diese Anschuldigungen nicht geliefert. Der Brief, der dem Haller Bürgermeister zugeschickt wird, ist, wie alle anderen Briefe, mit „Heil Hitler“ unterzeichnet.

Im Mai drängt der Landrat die Bielefelder Behörden schriftlich, man möge die schon früher vorgeschlagene Regelung (wegen Missbrauchs des Gewerbes zu staatsfeindlichen Zwecken) anwenden, da weiterhin keine gesetzlichen Einwände gegen Jacobs zu finden seien.

Das Hauptamt der Polizei in Bielefeld teilt sowohl dem Haller Bürgermeister als auch dem Landrat mit, dass es Verzögerungen gibt, weil die Angelegenheit der Staatspolizei in Dortmund vorgelegt worden sei. „Geheim“ steht in roter Schrift oben auf dem Brief. In einem Antwortbrief – auf dem wiederum oben und unten „Geheim“ steht, wird mitgeteilt, dass auf keinen Fall weder Jacobs noch sein Rechtsanwalt erfahren dürfen, dass sich die Staatspolizei mit diesem Fall beschäftigt. Offenkundig müssen die Aktivitäten der Briefeschreiber verborgen bleiben.

Amtshaus Halle/Westfalen mit Hakenkreuzfahnen zur Wahl 1938

Das Amtshaus in Halle/Westfalen - Sitz des Bürgermeisters - ist fest in nationalsozialistischer Hand, hier geschmückt für den Anschluss Österreichs 1938. Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.)

Entzug der Arbeitserlaubnis

Im Juli 1935 trifft in Halle die Entscheidung der Staatspolizei ein: Die Arbeitserlaubnis des Juden Jacobs muss eingezogen bleiben, weil er

  1. sich öffentlich gegen die Nationalsozialistische Bewegung gewendet hat.
  2. eine Gefahr für die öffentliche Ordnung ist.

Auf der Rückseite des Briefes steht, dass Jacobs‘ Ehefrau vor einiger Zeit in die Niederlande gegangen sei. (Julie hatte sich nach nur sechs Wochen in Halle am 8. Mai wieder in Borne angemeldet.) Jacobs sei ihr inzwischen gefolgt und ihre Wohnung in Halle bereits von anderen bewohnt. Damit ist die Angelegenheit für die Haller Behörden erledigt.

Im November 1935 fragt das Niederländische Konsulat schriftlich in Halle an, ob Jacobs mit einer schnellen Erteilung der Arbeitserlaubnis rechnen kann. Als die Antwort negativ ist,  reagiert das Konsulat mit der Mitteilung, dass der Umzug im Mai in die Niederlande nur vorübergehend sei und verweist nochmals auf die Handelsfreiheit zwischen beiden Ländern. Aber der Haller Bürgermeister bleibt bei seinem Entschluss: Jacob Jacobs hat Halle vor mehr als sechs Wochen verlassen (inzwischen ist es Dezember 1935). Der Fall ist abgeschlossen.

Zurück in den Niederlanden

Die Unterlagen des Archivs in Borne belegen, dass sowohl Jacob als auch seine Frau Julie und seine Mutter Friederike im Zeitraum von 1933 bis 1935 mehrmals zwischen den Niederlanden und Deutschland umgezogen sind. Bei diesem Hin und Her zwischen den beiden Ländern, auf der Suche nach Möglichkeiten, zu wohnen und zu arbeiten, wird Jacob  mal von seiner Frau, mal von seiner Mutter begleitet. Es hat den Anschein, als ob immer jemand in Borne geblieben wäre, um den Standort zu sichern.

Julie und ihre Schwiegermutter ziehen 1933 von Ahlen zurück nach Borne, gemeinsam mit Emma Sachs und deren Tochter Friedel. Julie arbeitet dort als Hutmacherin. Jacob Jacobs und Albert Sachs bleiben in Deutschland. Nach vier Monaten zieht Jacob nach Borne und 1934 dann zu Albert nach Halle.

Nachdem Julie ab März 1935 nur sechs Wochen in Halle gewohnt hatte, geht sie im Mai 1935 zurück nach Borne. Jacob und seine Mutter folgen ihr ein paar Wochen später. Sie wohnen in Borne in der Lantmanstraat, rechts vom Durchgang.

Jacobs Schwester Emma und ihre Tochter Friedel sind schon im Februar 1934 nach Deutschland zurückgegangen, erst nach Werther und später nach Halle.

Zugang zur Lantmanstraat in Borne. Foto: Gemeentearchief Borne.

Zugang zur Lantmanstraat in Borne. Foto: Gemeentearchief Borne.

Zuflucht in Borne?

Im August 1938 zieht die ganze Familie Sachs von von Halle aus in die Niederlande und sucht Zuflucht in Borne. Die niederländischen Behörden erteilen ihnen eine Aufenthaltsgenehmigung „vorausgesetzt, dass sie der öffentlichen Kasse nicht zur Last fallen (…) indes keine weiteren Familienmitglieder der Familie Albert Sachs mit fremder Nationalität versuchen werden, sich in unserm Land niederzulassen.“ Die Familie zieht auch in die Lantmanstraat und Emma nimmt ihren Beruf als Lehrerin wieder auf. Ab Oktober 1941 unterrichtet sie an der jüdischen Schule in Almelo.

Inzwischen ist die politische Situation für Juden in Deutschland immer schwieriger geworden. Die Familien Sachs und Jacobs bemühen sich deshalb um Aufenthaltsgenehmigungen für Familienmitglieder aus Deutschland. Das gelingt ihnen nur für Alberts Mutter. Sie bekommt die Erlaubnis, wovon aber, soweit bekannt ist, kein Gebrauch gemacht wird.

Albert versucht, für seinen Bruder Philipp eine Genehmigung zu bekommen, der zu der Zeit schon im Konzentrationslager ist. Er ist in Lebensgefahr, auch weil er an „leichten“ Nervenzusammenbrüchen leidet (bitter, wie sie versuchen, ehrlich zu bleiben und die Krankheit zwar angeben, sie aber als „leicht“ bezeichnen). Der Antrag wird abgelehnt.

Emma versucht, einige Neffen, die emigrieren wollen, nach Borne zu holen. Das misslingt ebenfalls. Der Polizist aus Borne hat Zweifel: „Angesichts der Tatsache, dass ich nicht ganz überzeugt davon bin, dass die beiden genannten Personen […] wirklich den Versuch machen, zu emigrieren, muss ich empfehlen, ihnen keine Aufenthaltsgenehmigung zu erteilen.“

Julie versucht vergeblich, ihre beiden Schwestern in die Niederlande zu holen. Diese wollen ihrem Bruder Max folgen, der in die Vereinigten Staaten emigriert war.

Gruppenfoto - Die jüdische Lehrerin Emma Sachs mit ihren Schülern in Borne/Niederlande

Emma Sachs-Jacobs und ihre Schüler aus Borne. Foto: Gemeentearchief Borne

Verhaftung und Deportation durch deutsche Besatzer

Mutter Friederike Jacobs stirbt im August 1942. Sie ist auf dem Jüdischen Friedhof in Borne begraben. Im selben Monat wird ihr Schwiegersohn Albert Sachs ins niederländische  Arbeitslager Overbroek eingeliefert.

Fünf Wochen später, am 2. September 1942, werden Emma und Friedel in Borne von den deutschen Besatzern verhaftet und treffen im Zentralen Durchgangslager KZ Westerbork (Niederlande) wieder mit Albert zusammen. Emma, Albert und Friedel bekommen in Westerbork eine Anstellung. Albert lässt sich in die Liste der Frontkämpfer eintragen. Dadurch gelingt es ihm, zu denen zu gehören, die nach Theresienstadt weitergeschickt werden. Dort sollen die Lebensbedingungen weniger hart sein, als in anderen Konzentrationslagern. Im April 1943 werden Albert und Emma nach Theresienstadt deportiert, im Oktober 1944 nach Auschwitz. Emma wird dort wahrscheinlich sofort vergast, Albert überlebt in Arbeitslagern bis Februar 1945.

 

Stolpersteine für Jacob Jacobs und Julie Lazarus in Borne/Niederlande

Stolpersteine für Jacob Jacobs und Julie Lazarus im niederländischen Borne.

Tod und Erinnerung

Tochter Friedel arbeitet bis Januar 1944 in Westerbork und wird dann nach Theresienstadt deportiert. Danach kommt sie noch nach Auschwitz, Freiberg/Sachsen und nach Mauthausen. Unter anderem leistet sie Zwangsarbeit in einer Munitionsfabrik. Bei der Deportation war sie 15 Jahre alt. Es gelingt ihr, all das Grauen zu überleben.

Nach der Befreiung kehrt Friedel in die Niederlande zurück und  heiratet 1959 Herrn Theodore Frank in Antwerpen. Die Ehe bleibt kinderlos. Ihr Mann berichtet, dass sie die letzten Jahre vor ihrem Tod (vor 1984) vollständig gelähmt im Bett verbringen musste – Folgen der unmenschlichen Bedingungen in den Konzentrationslagern.

Jacob und Julie werden 1943 über das Durchgangslager Vught nach Westerbork gebracht und von dort aus direkt nach Sobibor deportiert, wo sie im selben Jahr ermordet werden.

Für Jacob und Julie, Emma und Albert sind in Borne in der Lantmanstraat (Nr. 19 und 34) Stolpersteine verlegt worden. An Julie wird auch in Trier erinnert, wo ihr Stolperstein zwischen denen ihrer Schwestern liegt.

Frauke Keßner

Sommer 2015

Mit Dank an Annette Evertzen für die Fotos von Emma und Friedel Sachs, das Bild der Lantmanstraat in Borne und für ihre Nachforschungen im Archiv der Gemeinde Borne.

 

 

Friedel Sachs nach dem Krieg. Foto: Gemeendearchiv Borne.

Friedel Sachs nach dem Krieg. Foto: Gemeentearchief Borne.

Quellen:

Stadtarchiv Halle/Westfalen – Akte CS 9 (i); Wandergewerbeschein, Politische Polizei etc. 1930-1938.

Gemeentearchief Borne

stolpersteine-borne.nl

Noordhuis, H., G.P. ter Braak en M.F.S. Kienhuis

„In verdrukking, verzet en vrijheid. Borne-Bornerbroek-Hertme-Zenderen 1940-1945“, Hengelo: Twentsche Courant, 1990.