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AusstellungZeitRaum 4 Erster Weltkrieg & Weimarer RepublikThemenwand Krieg! Postkarte „Halle als Garnison“

Postkarte „Halle als Garnison“

Postkarte | 1915
Leihgabe von Familie Reich

Auf Tuchfühlung mit den Soldaten lebte man 1915-1917 in der „Garnisonsstadt“ Halle. Die Zeit zwischen Stellungsbefehl und Fronteinsatz verbrachten die Männer des 2. Ersatz-Bataillon Infanterie-Regiment Nr. 131 in der Lindenstadt.

Die Offiziere bezogen „Bürgerquartiere“, die Mannschaften nutzen Sammelunterkünfte wie Gastwirtschaften oder Firmenräume. Im Haller Bahnhof wurde, neben dem Wartesaal, ein Wachlokal eingerichtet. Die Bevölkerung pflegte ein gutes Verhältnis zu ihren „131ern“, die Konzerte auf dem Lindenplatz gaben und deren Freibad man mitgenutzen durfte…

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Exponat: Postkarte „Halle als Garnison“

Zwischen Stellungsbefehl und Fronteinsatz

Halle als Garnisonsstadt 1915-1918

Was bedeutet „Garnisonsstadt“?

Eine Garnison ist ein Truppenstandort. Mit der „Mobilmachung“ des Militärs zu Beginn des Ersten Weltkrieges (ab 2. August 1914) erhielten Millionen deutscher Männer ihren „Stellungsbefehl“. Für deren Unterbringung reichten die bestehenden Kasernen jedoch bei weitem nicht aus. Daher wurden vorübergehend „Garnisonsstädte“ festgelegt, in denen Soldaten zusammengezogen und Truppenteile zusammengestellt werden konnten.

Die Soldaten verbrachten hier – teilweise in privaten Quartieren – die Wochen bis zu ihrem Fronteinsatz. So gehörten sie zum Stadtbild und zum Alltagsleben in den Garnisonsstädten. Die Zivilbevölkerung verehrte und identifizierte sich meist mit „ihrem“ Bataillon. Man pflegte ein gutes Verhältnis miteinander. Halle war für insgesamt drei Jahre das Quartier der „131er“.

 

Quartiernahme

Am 22. April 1915 – mittags – begann in Halle die Einquartierung von Soldaten.[1] Es handelte sich um das 2. Ersatz-Bataillon Infanterie-Regiment Nr. 131 mit ihrem Kommandeur Major Freiherr von Rheinbaben. Die Soldaten wurden in größeren Gebäuden wie dem Schützenhaus, dem Gemeindehaus (altes Martin-Luther-Haus an der Bielefelder Straße) oder der früheren Feldmann`schen Wurstfabrik (Bielefelder Straße, Höhe Grüner Weg), die Offiziere in privaten, so genannten Bürgerquartieren untergebracht.

Von hier aus marschierten die Abteilungen der 131er an beflaggten, mit Blumen geschmückten Häusern und mit Musik zum Bahnhof, um von dort per Bahn „ins Feld“ zu ziehen. Ein Wachtlokal war im früheren Nichtraucherraum des Bahnhofsgebäudes eingerichtet.

Halle als Garnison. Truppen lagern auf dem Exerzierplatz südlich der katholischen Kirche. Leihgabe: Martin Wiegand.

Alle vier Wochen fand neben dem Zivilgottesdienst ein Militär-Gottesdienst statt. Pastor Rathert hielt diesen ab.

Für das Bataillon wurde seitens der Militärbehörde am Laibach bei Schloss Steinhausen ein Freibad (Badeteich) angelegt. Am 10. August 1915 wurde es in Betrieb genommen. Die Badeanstalt durfte auch von Zivilpersonen zu festgelegten Badezeiten genutzt werden.

Wie das Freibad wurden auch zu dem Bau eines Schießstandes Gefangene herangezogen. Der Schießstand unterhalb des Hesseler Berges (früher Barry`scher Steinbruch) wurde am 22. Juni 1915 fertig. Exerzierplatz war ein freier Platz südlich der katholischen Kirche, wo heute ein Schulgebäude steht. Ein weiterer Platz war in Künsebeck.

Die Bataillons-Kapelle gab sonntags ab August mittags auf dem Lindenplatz für die Bevölkerung Konzerte. Auch in Nachbarorten wie Quelle, Werther, Steinhagen, Ravensburg und Tatenhausen wurden so genannte Militär-Konzerte für ein Eintrittsgeld abgehalten.

Im Jahr 1915 starb der Kommandeur von Rheinbaben. Ersetzt wurde er durch Kommandeur Major Noack.

Gaststätte Schmedtmann in Halle Westfalen als Garnisonsquartier 1915. Stadtarchiv Halle (Westf.).

Erinnerung an Gastwirtschaft Schmedtmann „Hier liegen wir mit 40 Mann.“. Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.).

 

Anlässlich des 70. Geburtstages des Generaloberst von Kluck (einem Bruder des Haller Pastors Kluck und gern gesehener Gast in Halle) am 20. Mai 1916 beschloss die Stadtverordnetenversammlung einstimmig dem alten Schulplatz Rosenstraße/Ecke Lange Straße, der vom 2. Ersatz-Bataillon Inf.-Regt. Nr. 131 umgestaltet worden war, die Bezeichnung „v. Kluck-Platz“ zu geben.

Im August 1916 bekam die Haller katholische Kirche eine Uhr. Ein beim 2. Ersatz-Bataillon dienender Uhrmacher soll Lieferant und gleichzeitiger Stifter gewesen sein.

Am 31.Mai 1917 hörte Halle auf, Garnison zu sein. Letzte Offiziere und Mannschaften verließen die Stadt.

Doch schon am 16. Oktober 1917 wurde Halle wieder Garnison: Morgens früh um 6 Uhr zogen die Soldaten des Ersatz-Bataillons Landwehr-Inf.-Rgt. Nr. 55 mit „klingendem Spiel“ begrüßt von „wehenden Fahnen“ in Halle ein. Ihr Kommandeur war bis zum 24. Juni 1918 Hauptmann von Tresckow. Ihm folgte Hauptmann Settekorn bis zum 1. Juli 1918, wo Major Saatweber das Kommando übernahm. Die Soldaten blieben bis nach dem Krieg.

Martin Wiegand

 

Heute zeigen noch einige Ansichtskarten die Soldaten in Halle, wie hier auf dem Exerzierplatz an der katholischen Kirche. Leihgabe: Martin Wiegand.

Quelle aller Informationen: Haller Kreisblatt, Jahrgänge 1914-1918.