Die Geschichte der Stadt Halle in Westfalen

Schauen Sie sich auch die Sammlung der Ausstellungsstücke an.

 

Urkunde Kirchentausch Stadtgründung

1246

Erste Erwähnung Halles in einer Urkunde über einen Kirchentausch: Am 9. Mai tauscht Bischof Engelbert von Osnabrück mit dem Kloster Iburg die Haller St. Johannis Kirche gegen die damals strategisch wichtige Kirche in Rheda. (Urkunde: Staatsarchiv Osnabrück) Es besteht die Annahme, dass es bereits im 10. Jahrhundert eine Kirche in Halle gegeben hat. Diese soll am gleichen Ort (also zwischen den Bauerschaften Oldendorf und Gartnisch) von Melle aus als Taufkirche errichtet worden sein. Die Haller Kirche war die Urpfarre, aus der die Tochterkirchen Borgholzhausen und Werther entstanden.

Die Bedeutung des Namens Halle ist nicht mehr zu klären. Mal wird er auf ehemalige Salzvorkommen, dann wieder auf eine große Halle oder auf einen von Häusern umschlossenen Marktplatz zurückgeführt.

Wappen der Grafschaft Ravensberg

1259

Halle wird als wichtiger Versammlungsort genannt. Es liegt im Herzen der Grafschaft Ravensberg. Die Grafen residieren um 1200 auf der Burg Ravensberg bei Borgholzhausen. Um 1250 wird die Burg Sparrenberg bei Bielefeld ihr Amtssitz. Die Abbildung zeigt das Ravensberger Wappen, das noch heute den Stadtwappen von Bielefeld, Halle, Werther, Versmold und Borgholzhausen zu Grunde liegt.


1312

Durch Urkunden ist bezeugt, dass es in Halle ein Freigericht (kein Femegericht) gab. Die Verhandlungen wurde seit dem Mittelalter unter einer Gerichtslinde abgehalten. Kirche und Linde waren Symbole für Halles zentralörtliche Bedeutung.

Burg Ravensberg 2012 Luftbild Stiftung Burg Ravensberg

1346

Auf der Burg Ravensberg stirbt im September Bernhard, der letzte Graf von Ravensberg. Die Grafschaft Ravensberg fällt nun, durch die Heirat seiner Nichte, an das Haus Jülich. Das Bild zeigt die Burg Ravensberg im Winter 2011. (Luftaufnahme: Stiftung Burg Ravensberg) In der Haller St. Johanniskirche findet der Trauergottesdienst für den verstorbenen Landesherren statt. Anwesend sind seine Schwägerin, die verwitwete Gräfin Margarethe, und sein langjähriger Verwalter und Vertrauter, der Jurist Reinhard von dem Wolde, Herr des Bielefelder Waldhofes. Die Beisetzung Bernhards findet anschließend in Bielefeld, vermutlich in der Neustädter Marienkirche, statt.


1351

Erstmals ist von der Gerichtslinde die Rede, die auf dem Platz an der Westseite des Kirchhofs stand und 1726 von Ludolph Ordelheyde aus Steinhagen unter dem Vorwand einer geplanten Bebauung gefällt wird. Die Linde war also mindestens 375 Jahre alt.

Johanniskirche Halle Westfalen 1910 

1450

Die Haller St. Johanniskirche erhält an der Südseite ein dreijochiges Seitenschiff. Das Foto zeigt Ost und Nordseite der Kirche um 1910 von Kiskers Bogen aus gesehen. (Foto: Stadtarchiv Halle)


1488

Neben Borgholzhausen und Werther wird auch Halle als freier Wigbold der Grafschaft Ravensberg genannt. Wigbolde, auch Weichbilder genannt, waren Orte zwischen Dorf und Stadt, später als Minderstädte bezeichnet. Sie hatten gewisse Rechte, unter anderem wählten sie Bürgermeister und Vorsteher.

Schloss Tatenhausen um 1910

1540

Henrich von Korff genannt Schmising lässt das Wasserschloss Tatenhausen im Stil der Renaissance neu errichten.

Das Kirchspiel Halle wird geschlossen evangelisch. Tatenhausen bleibt jedoch katholisch. Das Foto zeigt das Wasserschloss Tatenhausen im Jahr 1907. (Foto: Stadtarchiv Halle)


1556

Das Ravensberger Urbar nennt für Halle 47 Häuser, in denen geschätzt 350 Einwohner lebten. Davon waren 19 Gewerbetreibende. Zum Vergleich: Enger hatte neun, Versmold und Bünde je drei Gewerbetreibende.


1568

Brockhagen spaltet sich von der Mutterkirche in Halle ab und wird ein eigenes Kirchspiel.


1609

Die Grafschaft Ravensberg fällt an das Kurfürstentum Brandenburg und wird damit preußisch. Am 30. Oktober 1609 huldigen die Stände der Grafschaft Ravensberg in Jöllenbeck ihrem neuen Herrn, Kurfürst Johann Sigismund (1572-1619).


1613

Mit Johannes Bitter wird erstmals ein Haller Bürgermeister namentlich erwähnt.


1653

Das seit 1363 in Versmold ansässige Gogericht (Go bedeutet Gau oder Bezirk) für das Amt Ravensberg wird nach Halle verlegt. Es umfasst Halle, Borgholzhausen und Werther.


1654

Halle, Versmold, Borgholzhausen und Werther erhalten am 9. Januar die Weichbildgerechtigkeit (siehe auch „Wigbolde", 1488).

Hermann Adolf MeindersMeinders Hof in Halle Westfalen ehemals Landratssitz abgebrochen 1925

1665

Hermann Adolph Meinders (Gemälde: Privatbesitz), seit 1713 in der Nachfolge des Vaters Gograf des Amtes Ravensberg und damit auch Verwalter des Gogerichts, wird am 31.7. auf Schloss Steinhausen geboren. Er übernimmt 1696 das Anwesen und das Rentmeisteramt seines verstorbenen Schwiegervaters Pott an der Bahnhofstraße. Er wohnt, arbeitet und forscht dort, in dem nun nach ihm benannten Meindershof. Das Anwesen wird später (1908-1925) Sitz der Kreisverwaltung. Meinders stirbt am 17. Juni 1730 und wird in der Johanniskirche beigesetzt, wie zuvor schon Pastor Brockmann (1624-1671) und der Drost Clamor von Ledebur (1627-1690).

Alte Schule Kirchplatz Halle Westfalen Zeichnung Heinrich Meise

1671

Halle erhält ein Schulhaus. Es steht direkt am Kirchplatz und wird bis 1824 genutzt. In den letzten Jahrzehnten ist es eine räumliche Zumutung für Lehrer und Schüler. So unterrichtet der Lehrer, Kantor und Küster Stratemann 1798 in dem engen, muffigen Bau ganz alleine 300 Schüler und stibt noch im selben Jahr an Schwindsucht. Sein Schicksal löst den 25 Jahre währenden Schulstreit aus. (Federzeichnung: Heinrich Meise)


1673

Truppen des Münsterschen „Kanonenbischofs" Christoph Bernhard von Galen (1603-1678) plündern Halle.

Kirchplatz ältestes Haus in Halle Westfalen Foto Katja Kosubek

1680

Ab diesem Jahr ist das Vorhandensein des ältesten Hauses der Stadt, das Spiekerhaus Kirchplatz 3, belegt. Es gibt Vermutungen, wonach das Haus im Kern schon aus dem 13. Jahrhundert stammt. Im Keller wurden Foltergeräte gefunden, wie auch eine kleine Kapelle. Schießscharten lassen den Bau als Teil der Kirchhofsburg erscheinen. Heute wird das Haus genutzt als Museum für Kindheits- und Jugendwerke bedeutender Künstler, im Bild links. (Foto: Katja Kosubek)


1688

Erste Erwähnung einer Leinenlegge zu Halle. Sie ist im Hause Bahnhofstraße 4 eingerichtet und dient der Prüfung von Leinenstoffen durch den Leggemeister. Der Leggestempel weist Leinen als Qualitätserzeugnis aus. Die Haller Legge begutachtet vor allem das gröbere Löwendlinnen, das aus Flachs oder Hanfgarn gewoben wird. Feinere Tuche werden in Bielefeld „unter die Lupe", beziehungsweise den Fadenzähler genommen. Das Foto zeigt einen Ballen ungebleichten Leinenstoffes von einem Hof in Hörste.


1696

Am 30. September wird die katholische Kirche in Stockkämpen von Bischof Otto Wilhelm zu Gronsfeld (1640-1713) aus Osnabrück geweiht. Freiherr Friedrich Mathias von Korff-Schmising (Schloss Tatenhausen) und Freiherr Wilhelm Franz von Wendt (Schloss Holtfeld) versprachen die Folgekosten zu tragen. Während der Bauphase warfen evangelische Bauern die Baugrube und Pflanzlöcher für die Bäume zu.

Kirche Gemeindehaus Hörste Aquarell Hermann Goerke

1707

Hörste trennt sich von der Mutterkirche in Halle und finanziert die neue Kirche u.a. durch eine von König Friedrich I genehmigte landesweite Lotterie. Das Bild zeigt Hörster Kirche und Gemeindehaus um 1948 (Aquarell: Hermann Goerke, Leihgabe: Stadt Halle).

Schloss Steinhausen bei Halle Westfalen vor 1950 Haller ZeitRäume

1718

Henriette Maria von Ledebur, Witwe und Herrin auf Schloss Steinhausen (Halle) und Königsbrück (Neuenkirchen), schenkt der Haller Johanniskirche eine neue Orgel. Dafür bekommt sie dort ein eigenes Kirchengestühl. Die Orgel wurde im Beisein der „sämbtlichen hochadel. Ledeburschen Familie ... unter einer angenehmen Music" eingeweiht. Das Bild zeigt Schloss Steinhausen vor 1950. (Foto: Stadtarchiv Halle/Westf.)


1719

Am 17. April wird Halle durch ein Edikt von König Friedrich Wilhelm I (dem „Soldatenkönig") zur Stadt erhoben. Mit seinen 156 Häusern und wohl 550 Einwohnern fällt es damit als sogenannte „Immediatsstadt" direkt unter die preußische Finanzverwaltung. Die Akzise wird eingeführt, eine Verbrauchssteuer, die vor allem der Staatskasse dient. Gleichzeitig kommt es zur Vereinigung der Grafschaft Ravensberg und des Fürstentums Minden mit der Verwaltung in Minden.

Alte Linde an einer Mauer

1726

Der Steinhagener Ludolph Ordelheyde fällt die uralte Gerichtslinde auf dem Lindenflecken. Sie galt in Halle als Symbol bürgerlicher Freiheit. Wer Ordelheyde befugt hatte, blieb ungeklärt. Die Kirche und die Linde waren Symbole für Halles zentralörtliche Bedeutung. (Foto: Eine in Erdmannsrode erhaltene Gerichtslinde, 2micha)


1732

Johann Anton Kisker (1705-1757) gründet nach dem Zuzug von Spenge eine Handelsfirma. Sie befindet sich bis heute im Familienbesitz und wird in achter Generation von Cornelius Kisker geführt.

Friedrich II. von Preußen DHM Berlin

1743

Der erste städtische Haushaltplan mit 129 Reichstalern Umfang entsteht in Halle. Der Plan wird von König Friedrich II. von Preußen (dem Großen) durch eigenhändige Unterschrift abgesegnet. Im gleichen Jahr erhält Halle die Anordnung, einen Magistrat einzurichten, bestehend aus dem Bürgermeister und zwei Senatoren. Die Auserwählten fügten sich nur widerwillig, weil sie als Erfüllungsgehilfen preußischer Willkür angesehen wurden. (Büste: Deutsches Historisches Museum, Berlin)


1749

Das überquellende Beinhaus (Sammelstätte für die Gebeine der Toten) an der Johanniskirche wird abgebrochen. Der an dieser Stelle geplante Bau eines Mausoleums für die auf Gut Steinhausen residierende Familie von dem Bussche wird nicht ausgeführt.

Orangerie Tatenhausen Schlaun

1751

Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun (1695-1773) errichtet im Auftrage des Grafen von Korff genannt Schmising im Schlosspark Tatenhausen eine Orangerie mit Gartenkasino. Foto: Wolfgang Kosubek.


1753

Im Bergwerk Schneiker fördern in diesem Jahr ein Steiger, acht Bergleute und ein Grubenjunge 22 Kubikmeter Steinkohle.


1759

Im Gefecht um Halle während des Siebenjährigen Krieges (1757-1763) entrissen französische Truppen die Stadt am 5. Juli der alliierten Schutzmacht unter Herzog Ferdinand von Braunschweig (1721-1792). Als der Herzog davon erfuhr, entsandte er drei Bataillone nach Halle und vertrieb die Franzosen wieder. Halle sei in dem Gefecht, das damals der legendären Schlacht bei Minden (1. August 1759, 5000 Tote) voraus ging, stark beschädigt worden, schreibt Christian Frederking dazu.


1767

Nach der vom Magistrat aufgestellten Steuerfixationsliste hat Halle 687 Einwohner, wovon 665 steuerpflichtig sind. Die Steuerpflichtigen wurden damals eingeschätzt (fixiert).


1770

Die frühesten Haller Waldbegräbnisse werden vermutlich in diesen Jahren angelegt. Tatsächlich belegt ist diese in Westfalen einzigartige Bestattungskultur ab 1811 (siehe unten).

Scheffel Scheffelsaat

1784

Einem Erlass Friedrichs des Großen von 1771 folgend, wird in Halle die Markenteilung durchgeführt. Wer als Haller Bürger Wohnbesitz, Geld und Interesse hat, kann in öffentlicher Hand befindliche Wiesen- und Heidegrund (im festgesetzten Verhältnis von 1:3) kaufen und nutzen. Die Fläche wird in "Scheffelsaat" bemessen. Der Bremer Hermann Hagedorn (1735-1826), dessen Familie aus Halle stammt, erwirbt Markenteile am Bergkamp, um daraus im Sinne der Aufklärung das "Schöne mit dem Nützlichen" zu verbinden, das heißt eine Parkanlage mit großem Nutzgarten zu erschaffen. Das umfagreiche Werk, wird von seinem Sohn Clamor Friedrich Hagedorn (1770-1811) weitergeführt und den „Eingesessenen" der Stadt zum regen Gebrauch überlassen. Der Aussichtspunkt „Kaffeemühle" zeugt davon. Mit der Markenteilung erhalten Grundbesitzer außerdem das Recht, private Begräbnisstätten anzulegen. Sie sind als Waldbegräbnisse zahlreich am Fuße des Knüll und des Lotteberges zu finden und werden zum Teil noch immer genutzt.

Kohle in Sandstein Teutoburger Wald Halle Westfalen

1800

Mehrfach gibt es im nahen Teutoburger Wald Versuche, Erz und Kohle abzubauen. Mit eher geringem Erfolg, je nach Marktlage. Geldmangel des Königs, bzw. die Not der Bürger sind zumeist der Anlass für Bergbautätigkeit. Am 5. November 1800 ist es Clamor Friedrich Hagedorn, der unter dem Namen seiner Frau die Zeche „Louise Friederike" gründet. Ab 1804 wird diese einfach „Zeche Halle" genannt. 1840 lebt der Bergbau in Eggeberg und Ascheloh erneut auf, doch auch diesmal bleibt die erhoffte Rentabilität aus. Zeugnis des Haller Bergbaus ist der Katharinenstollen am Abzweig der Nordstraße von der Theenhausener Straße. Das Bild zeigt Haller Sandstein mit winzigen Kohleeinschlüssen. Foto: Haller ZeitRäume.



1801

In diesem Jahr wird die Reisebeschreibung „Über Halle, ein lachendes Städtchen in der Grafschaft Ravensberg" von dem Jöllenbecker Pastor Johann Moritz Schwager (1738-1804) veröffentlicht.

Hermann Hagedorn Denkmal

1802

Kinder und Enkel errichten Hermann Hagedorn das Denkmal im Stadtwald unterhalb der Kaffeemühle.


1803

Das Iburger Patronatsrecht an der evangelischen Johanniskirche endet mit der Auflösung des dortigen Klosters im Rahmen der Säkularisation.


1806

Napoleon Bonaparte erobert das Königreich Preußen. Am 5. November treffen die französischen Truppen in Halle ein. Die Fremdherrschaft dauert von 1806-1813. Die Grafschaft Ravensberg, und damit auch Halle, wird Teil des Königreichs Westphalen, das Napoleon Bonaparte für seinen jüngsten Bruder Jérôme (1784-1860) schuf.


1807

Mit Artikel 13 der Verfassung für das Königreich Westphalen beendet die französische Besatzungsmacht auch in Halle die Eigenbehörigheit (Leibeigenschaft)! Eine Reihe bitterkalter Winter liegt hinter den Hallern. Brennstoffmangel ist seit Jahren ein aktutes Problem. Die Wälder sind wie leergefegt, da auch Kleinholz und Laub gesammelt und verfeuert wird. Der Holzdiebstahl ist weit verbreitet, sogar Zaunlatten und Bohnenstangen werden nachts geraubt.


1810

Halle - jetzt Hauptort der Munizipalität Halle im Kanton Halle - wird durch eine neue Grenzziehung in zwei Hälften geteilt. Der westliche Teil gehört zu Frankreich, der östliche Stadtrand zum Königreich Westphalen. Mit der Gebietsneuordnung versucht Napoleon, die gegen England gerichtete Kontinentalsperre wirksamer zu machen. Das bringt den Schmuggel zum Erblühen und bereichert manchen. Wer sich erwischen lässt, wird hart bestraft. Junge Ravensberger leisten vergeblichen Widerstand gegen ihre Rekrutierung für die französischen Truppen. Von Napoleons Russlandfeldzug (1812) kehrt fast keiner von ihnen zurück.

Friederike Louise Delius Hagedorn Schrader

1811

Halle Am 18. Januar stirbt Clamor Friedrich Hagedorn, der Sohn von Hermann Hagedorn. Er wird im Familienbegräbnis unterhalb der „Kaffeemühle" beigesetzt (siehe auch Hagedorn-Denkmal von 1802). Seine Frau Friederike Louise geb. Schrader führt den Handel mit Leinenstoffen weiter - bis in die USA. Das Gemälde zeigt Friederike Louise um 1820 (Portait: Delius-Stiftung).


1813

Der preußische König Friedrich Wilhelm III. erklärt Napoleon den Krieg. Die Bevölkerung sammelt Spenden zur Ausrüstung ihrer Truppen unter dem Motto „Gold gab ich für Eisen". Die Zeit der französischen Besatzung endet mit der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober. Auf dem Rückzug versorgen sich die Franzosen in Werther, Halle und Versmold mit Pferden und nützlichem Gerät.


1814

Der jüdische Bürger Philipp Stern (1789-1874) gründet eine Rohproduktenhandlung. Seine Nachkommen führen das Unternehmen erfolgreich weiter. Knapp 90 Mitarbeiterinnen sind um 1925 bei der Firma Ph. Stern beschäftigt.


1815

Halle wird Kreisstadt. Nach dem Wiener Kongress 1815 wird die Provinz Westfalen geschaffen und in drei Regierungsbezirke unterteilt. Einer davon ist der Regierungsbezirk Minden, dem zwölf ebenfalls neu gebildete Kreise angehörten, u.a. der Kreis Halle, der das frühere Amt Ravensberg (die Vogteien Halle, Borgholzhausen und Versmold) umfasst, sowie die Vogtei Werther und die Bauerschaften Steinhagen und Brockhagen.

Die Grafschaft Ravensberg existiert nun nicht mehr.

Haus Brincke Wasserschloss

1816

Major Maximilian Franz Xaver Graf von Korff genannt Schmising-Kerssenbrock (1781-1850) nahm auf dem eigenen Rittergut Brincke am 1. November seine Amtsgeschäfte als erster Landrat des Kreises Halle auf (bis 1818). Er beschäftigte zwei Mitarbeiter. Der Landrat war mit Julie, einer Tochter des Dichters Graf zu Stolberg-Stolberg, verheiratet. Die Stadt Halle hatte damals etwa 1150 Einwohner, das flächengroße Brockhagen 2100.Das Bild zeigt Haus Brincke um 1900. Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.).


1817

Am 31. März wird das Versmolder Land- und Stadtgericht aufgelöst und dem gleichnamigen Gericht in Halle zugeteilt.

Friedrich Leopold Graf zu Stolberg Stolberg

1819

Am 5. Dezember wird der lyrische Dichter und Goethe-Freund Friedrich-Leopold Graf zu Stolberg-Stolberg (*1750) auf dem Stockkämper Friedhof beigesetzt. Er ruht dort in der Nachbarschaft der Verstorbenen aus der gräflichen Familie von Korff-Schmising von Schloss Tatenhausen. Während der napoleonischen Besatzung hatte er seine Heimatstadt Münster verlassen und von 1812 bis 1816 mit seiner großen Familie im Schloss Tatenhausen gewohnt.


1820

Bürgermeister Peter Gustav Wilmans erwägt die Anschaffung einer neuen Wasserspritze für die städtische Feuerwehr.

Schule Groppe Haus Halle Westfalen

1824

Mit dem Umzug der Schule in das umgebaute Groppe-Hauses (auf dem heutigen von-Kluck-Platz) geht der unsägliche Schulstreit nach 25 Jahren zu Ende. 1872 wird gleich nebenan ein massives Schulhaus neu errichtet. 1913 erwirbt der Maurermeister Heinrich-Wilhelm Grottendiek (1879-1945) das alte Groppe-Haus (Fachwerk) auf Abbruch für 850 Mark. Er versetzt es an die Alleestraße 16 und nutzt es dort als Betriebsgebäude. Das Foto zeigt ein Modell der Schule (Foto: Haller ZeitRäume).

In Halle finden die ersten Landvermessungen statt. Es werden Katasterkarten erstellt, aus denen die Flurstücke und deren Eigentümer zu ersehen sind. Entsprecend der Grundstücksgröße müssen Steuern gezahlt werden.

Kurbad Tatenhausen

1825

Wegen Platzmangels muss das Heilbad Tatenhausen zahlreiche Gäste abweisen. Die Blütezeit der einstmals renommierten Einrichtung lag zwischen 1819 und 1889.Kupferstich: Brandes/Tegeler 1830.

Hermann Hagedorn Kupferstich

1826

Am 28. September stirbt 92jährig Hermann Hagedorn und wird in Bremen beigesetzt. Hagedorn baute den Bergkamp zu einem Park aus. Auch die „Kaffeemühle" geht auf ihn zurück. Wohlhabende Haller Familien richten sich private Begräbnisstätten auf dem Lotteberg ein, darunter die Familien Potthoff, Buddeberg, Schultz und Vogelsang.


1827

Es gibt den Plan, den Kreis Halle im Kreise Bielefeld aufgehen zu lassen. Einflussreiche Persönlichkeiten verhinderten dieses.

Waldbegräbnisse Lotteberg Halle Waldgräber

1828

Halle bekommt an der heutigen Bahnhofstraße einen modernen Friedhof, der den hygienischen Anforderungen der Zeit entspricht. Zuvor wurde, trotz häufiger Proteste von „oben", immer um die Kirche herum bestattet - „ab dem 15.4. wird nur noch auf dem neuen Friedhof beerdigt" oder eben auf privaten Waldbegräbnissen. Die Gräber auf dem Kirchplatz werden 14 Tage nach der Eröffnung des neuen Friedhofs eingeebnet. Als einer der ersten findet Pastor Ludolph Hoermann (*1757) seine letzte Ruhe auf dem neuen Friedhof, heute Friedhof I genannt.


1830

In den Räumen der Groppe-Volksschule wird als Vorläufer einer höheren Schule die „Selecta" eingerichtet.


1833

Der Kirchplatz wird mit mit 58 Obstbäumen bepflanzt - fünf Jahre nach nach der letzten Bestattung auf dem dortigen "Leichenhof".


1837

Die Schützengesellschaft Halle wird aus der Taufe gehoben.


1838

Auf dem Bergkamp wird das erste Haller Schützenfest gefeiert. Königspaar werden der Geometer Wilhelm Hülbrock und die Apothekerin Minna Schaeffer. Als Abschluss des Festes geben sie für ihr Gefolge einen Ball im Gesellschaftshaus des Kurbades Tatenhausen.

Fleischwarenfabrik Rolff Halle Westfalen Stadtarchiv Haller ZeitRäume

 

Friedrich Wilhelm Rolff gründet eine Fleischwarenfabrik. Die Firma wird 1922 zu einer Aktiengesellschaft. Sie existiert bis 1959. Das Bild eigt den Eingang zum Fabrikgelände von der heutigen Bahnhofstraße aus. Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.).


1842

Bei Bildung der Ämter (sie waren zuvor seit 1816 Verwaltungsbezirke) wird Halle Sitz der Amtsverwaltung. Dem Amt gehören die Kirchspiele Halle, Hörste, Steinhagen und Brockhagen an. Zum Kirchspiel Halle zählen Amshausen, Ascheloh, Bokel, Eggeberg, Gartnisch sowie Hesseln, Kölkebeck, Künsebeck und Oldendorf.


1844

Auf maßgebliches Betreiben von Eduard Kisker (1803-1882) wird die Chaussee von Halle nach Brackwede fertiggestellt. Sie ist die erste Steinstraße, die nach Halle führt. Ab 1847 kommt Steinkohle aus dem Ruhrgebiet über die Köln-Mindener-Eisenbahn und die neue Chaussee nach Halle. Die Karte zeigt Halle kurz vor dem Bau der Chaussee, im Jahre 1837 (Karte: Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen).



In Halle erscheint die erste Ausgabe des Boten vom Ravensberge, dem späteren Haller Kreisblatt.


1845

Die Bürgerstiftung wird gegründet.


1846

Eine Gesellschaft für Geselligkeit wird am 29. November ins Leben gerufen. Ihr Ziel sind „Erholung und Vergnügen im geselligen Umgange".


1848

Die Revolution erschüttert das Königreich Preußen: Die Bürger verlangen politische Mitsprache. Am 24. September 1848 wird der aus Halle gebürtige Gustav Wilhelm Kisker (1803-1854) für sieben Wochen preußischer Justizminister (bis 11. November).

Friedrich Wilhelm IV von Preussen

 

Halle erhält unter König Friedrich Wilhelm IV (1795-1861) das heutige Gerichtsgebäude. Das Portrait des Königs hängt noch heute dort. Die Stadt-/Amtsverwaltung mietet Räume in dem neuen Haus an. Die Justiz besaß zuvor selbst nur Mieträume. Auf der Durchfahrt von Münster nach Hannover besieht der König sich (am 29. September 1847) den Rohbau und ordnet „als Schmuck" die Pylonen auf den Gebäudeecken an.


1850

Die 28jährige Alwine Kisker und der jüdische Buchbinder David Rosenbaum grüßen als neues Königspaar der Haller Schützengesellschaft. Im Jahr darauf heiratet Alwine den Leiter des Königlichen Kreisgerichts, Karl Bertelsmann.

1856

Am 1. Oktober gründet der Kreis Halle die Kreissparkasse. Sie bezieht die ersten Geschäftsräume im Meindershof, zieht später zur Wertherstraße um, dann 1925 in das neue Kreishaus.



Am 29. November wird Heinrich Strakerjahn geboren, der von 1883-1923 als Schulleiter in Lübeck sonderpädagogische Pionierarbeit leistet. Er dringt auf die Einführung der Schulpflicht für taubstumme, geistesschwache, stotternde und epileptische Kinder. Schulen im In- und Ausland orientieren sich an Strakerjahns Pädagogik. 1952 wird seine Wirkungsstätte in Strakerjahn-Schule umbenannt. Strakerjahn stirbt am 10. Juni 1943 in Halle.


1857

Allein in diesem Jahre wandern wegen des Niedergangs der bäuerlichen Handspinnerei- und -weberei 557 Menschen aus dem Kreis Halle nach Amerika aus. In Halle werden Segeltuch und Seile für die Takelage der Schiffe hergestellt und Sackleinen für die Fracht.

Synagoge Halle Westfalen Stadtarchiv Haller ZeitRäume

1859

Am 14. Mai wird die Synagoge an der Viehstraße, heute Oldendorfer Straße, eingeweiht. Um 1900 ziehen einige jüdische Familien nach Bielefeld, wo 1905 eine neue glanzvolle Synagoge für 800 Gläubige eingeweiht wird. Die angemieteten Räume an der Viehstraße werden von der Haller Gemeinde aufgegeben. Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.)

Kesselbuch Dampfmaschine Kisker

1860

Das heraufziehende Industriezeitalter beschert Halle durch die Firma Kisker den ersten Fabrikschornstein. Die Erlaubnis zum Betrieb eines Dampfkessels, das sogenannte Kesselbuch, befindet sich im Firmenarchiv. Foto: Haller ZeitRäume.

Armenhaus Halle Westfalen Haller ZeitRäume Stadtarchiv

1864

Aus dem Amt Halle sind bisher 458 Personen ausgewandert, davon 45 aus der Stadt Halle. Einige verlassen Preußen aus politischen Gründen, die meisten aber, weil sie durch die fortschreitende Industrialisierung kein Auskommen mehr finden und zu verarmen drohen. Das Foto zeigt das Armenhaus an der damaligen Viehstraße. Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.).

Delfinbrunnen Dankberg

1866

Der 1819 in Halle/Westfalen geborene Bildhauer und Stuckateur Friedrich Wilhelm Dankberg stirbt in Berlin. Seine künstlerischen Arbeiten schmücken u.a. das Schweriner Schloss, Schloss Sanssouci in Potsdam und das Rote Rathaus in Berlin. In Detmold findet sich noch heute der von Dankberg gestaltete „Delfinbrunnen" an der Hochschule für Musik. Foto: Wolfgang Kosubek.


1867

Halle erhält ein erstes (katholisches) Krankenhaus, das Paulinen-Hospital in Stockkämpen. Es verfügt über zwei Krankenzimmer und wird von Clemens-Ordensschwestern geleitet.

Krankenhaus Halle Westfalen 1938

1876

Am 22. Oktober wird das städtische Haller Krankenhaus eingeweiht. Die Baukosten werden fast vollständig aus Spenden bestritten. Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.).




Südlich des Friedhofs I (heute südlich der Bahnlinie) wird der Friedhof II eröffnet. Hier finden hauptsächlich die Künsebecker und Bokeler ihre letzte Ruhe.

Freiwillige Feuerwehr 1882 Stadtarchiv Haller ZeitRäume

1879

Die Freiwillige Feuerwehr wird gegründet. Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.)


1882

Mit 2842,62 Mark beteiligt sich das Amt Halle an der Errichtung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals auf dem Wittekindsberg an der Porta Westfalica.



Hugo Hipler (1851-1899) gründet das Haller Kreisblatt, vormals „Bote vom Ravensberge".



Auf dem Wege zu seinem Bruder in Halle, dem Pfarrer Wilhelm Kluck, sieht der spätere Generaloberst Alexander von Kluck den Hülbrock-Hof in Hesseln, dem Margarete Windthorsts Mutter entstammte, brennen.


1883

Das Bielefelder Theater gibt eine Reihe von Gastspielen in Halle. Die Einrichtung eines Eichamtes wird erwogen. Laut amltlicher Bekanntmachung muss in Halle mittwochs und samstags die Straße gefegt werden.


1884

Für die Pflasterung der Chaussee nach Brackwede (später B68) werden Angebote eingeholt.



Am 3. November wird auf Haus Hesseln die spätere Heimatdichterin Margarete Windthorst geboren.

Bahnhof Halle Westfalen um 1960

1886

Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke zwischen Brackwede und Osnabrück ist Halle an das Schienennetz angeschlossen. Das Bahnhofsgebäude hatte zuvor in Hannover-Süd, der Güterschuppen in Hildesheim gestanden. (Bahn-)Fuhrmann Wilhelm Stukemeier (1851-1903) wird brotlos, gibt der neuen Strecke aber seinen Rufnamen: „Haller Willem" - und wird so unsterblich.Das Bild zeigt das alte Bahnhofsgebäude um 1960. Foto: Charly Wagemann.


Die evangelische St. Johanniskirche erhält im gleichen Jahr auf der Nordseite ein Seitenschiff mit Sakristei.


1887

Zu Pfingsten bringt der „Haller Willem" Ausflügler aus Bielefeld und Osnabrück nach Halle. Am Bahnhof entsteht ein Menschengedränge, wie es das Städtchen noch nie gesehen hat. Ein beliebtes Ziel das Kurbad Tatenhausen.


1889

In Künsebeck hält die Eisenbahn am 22. Juli zum ersten Mal. Am 28. Juli, dem darauf folgenden Sonntag, wird die neue Haltestelle des "Haller Willem" offiziell eingeweiht.

Fahne Radfahrer-Verein Halle W 1890

1890

Der Radfahrverein Ravensberg Halle/W. wird gegründet. In den ersten Jahren fahren die jungen Männer auf Hochrädern nach striktem Reglement, da die Unfallgefahr sehr groß war. Langstreckenfahrten führen um 1906 zu Radfahrer-Bundestreffen nach Erfurt, Nürnberg und Stettin. Der Verein sitzt bis in die 1920er Jahre im Sattel.

Turnerfahne


1892

In Halle gründet sich ein Turnverein (Foto Turnerfahne: Haller ZeitRäume). Dem Verein gehört besonders in der 1930er Jahren ein großer Teil der Haller Jugend an. Um 1955 sind seine Geräteturner sehr erfolgreich. Fotos der Turner...



In Gartnisch wird der Haller Friedhof III eröffnet. Das auf dem Gelände stehende Haus der Familie Schwake wird später von Architekt August Schlienkamp zur Friedhofskapelle umgebaut.



Die Eggeberger Schule wird am 15. August  eröffnet. Sie soll den Schulweg der Kinder verkürzen.

Höhere Privatschule Halle Westfalen

1896

Die Höhere Privatschule wird gegründet. Sie eröffnet ein Jahr später, am 29. April 1897 an der Kaiserstraße 10. Gründer sind Carl Heinrich Brune (1856-1936) und Kommerzienrat Eduard Kisker (1850-1926). Man beginnt mit fünf Klassen (Sexta bis Obertertia). Rektor wird Oberlehrer Friedrich Honsel. Christian Frederking folgt Honsel 1898 als Rektor und leitet die Privatschule bis Ostern 1922. Die Privatschule wird 1923 in eine städtische Mittelschule umgewandelt. Das Foto zeigt die Schule und ihr Personal in den frühen Jahren. (Foto: Inge Stoppenbrink)

Kriegerdenkmal von 1898 Halle Westfalen

1898

Am 14. August wird das Kriegerdenkmal vor dem Amtsgericht eingeweiht. Hiermit wird an die Gefallenen der Kriege 1864, 1866 und 1870/71 erinnert.



Am 15. September nimmt das städtische Elektrizitätswerk den Betrieb auf. Kommerzienrat Eduard Kisker hatte sich auch darum verdient gemacht. 1914 wurde Halle Kunde der Niedersächsischen Kraftwerke Osnabrück (NiKe), die Eigenständigkeit endete damit.

Telephon - Wandapparat um 1904

1899

An der Bahnhofstraße wird das neue Postamt in Dienst gestellt. Darin nimmt Halles Fersprechgeschichte mit 20 Teilnehmern ihren Anfang. Eigentümer bleibt zunächst der Bauherr, Architekt Fritz Seiff (Bad Salzuflen). Erst 1926 wird die Reichspost Eigentümer. Seit 2009 dient das Gebäude anderen Zwecken.


1900

Die Eheleute Franz Heinrich (1806-1890) und Catharine Wihelmine (1815-1900) Winnebrock aus Westbarthausen vermachen der Krankenhausstiftung 94.000 Mark. Es ist bis dahin die mit Abstand größte zweckgebundene Zuwendung. Die Winnebrock-Straße erinnert daran. Am 1.Dezember ist Werther mit 1964 Einwohnern die größte Gemeinde im Kreise Halle. Steinhagen folgt mit 1797 Einwohnern vor Brockhagen, das mit 1733 noch vor Halle mit 1711 Einwohnern liegt.

Christian Frederking

1901

Christian Frederking ruft den Verschönerungsverein von 1890 (V.V. Halle) erneut ins Leben. Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.). Die Bäuerliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft wird am 16. März gegründet. Sie heißt heute (2011) Raiffeisen Warenhandel und Raiffeisen Markt. Das Theaterstück Der Raub der Sabinerinnen wird am 1. September im Saal des Hotels Deutsches Haus aufgeführt (Gastspiel eines Ensembles aus Hannover). Das Haller Kreisblatt verspricht "Großartiger Lacherfolg! Jubelnder Beifall!".


1902

Am 15. November erlebt Halle „lebendige Photographien" gezeigt mittels eines Kinematographen im Hotel „Deutsches Haus". Es ist die erste Filmaufführung in der Lindenstadt.


1903

Kreistierarzt Dr. Hermann Bührmann (1846-1929) ist Halles erster Autobesitzer. Dr. med. Hermann Horstmann (1871-1961) folgt ihm 1911.


1904

Die Bergkampsbesitzung mit der Kaffeemühle geht in Erfüllung des Vermächtnisses von Julius und Florenz Kisker in das Eigentum der Stadt Halle über. Der Wert wurde damals auf 18.000 Mark geschätzt.



Am 16. Juli stirbt in Minden/Nevada der aus Halle stammende „Rinderkönig" Heinrich Friedrich Dangberg (*1829). Dangberg erwirtschaftete mit Butter und Fleisch ein riesiges Vermögen. Sein ebenfalls nach Amerika ausgewanderter Halbbruder Wilhelm Dangberg (1851-1936) überwies dem Haller Krankenhaus 1922 63.000 Mark für ein neues Röntgengerät. Diese Spende hatte er bei Auswanderern aus Halle gesammelt.

Pflanzung Bismarckeiche 1905 Halle W.

1905

Am 1. Januar werden Umgemeindungen zwischen Gartnisch und Halle wirksam. Anschließend gehört auch der Bahnhof Halle/Westf. nicht mehr zu Gartnisch sondern zu Halle.

Auf dem Lindenplatz wird am 1. April, dem 90. Geburtstag Ottos von Bismarck, eine Bismarck-Eiche gepflanzt.  Das Foto zeigt die feierliche Pflanzung. Im Juni 1971 stört die Eiche den Parkplatzbau und wird gefällt. Foto: Haller ZeitRäume, Schenkung: Klaus Kuno Neuenbäumer.

 

Leder


Die Westfälische Leder-Treibriemen-Fabrik Bergenthal & Cie. eröffnet am 2. Oktober ihren Betrieb an der Alleestraße.



Das Buch "Freud und Leid im Kreise Halle i.W. - 1800-1905" verfasst von Kreissekretät Karl Wolf erscheint im Dezember - passend zum Weihnachtsgeschäft.


1906

August Graebe, ein Tabakkaufmann aus Bielefeld, übergibt am 30. Januar der „Stiftung für die Höhere Privatschule" 40.000 Mark. Es ist der zweithöchste Einzelbetrag, der in Halle je gespendet wurde. Das Stiftungsvermögen wurde allerdings 1923 Opfer der Inflation. Bereits 1903 hatte Graebes jüngerer Bruder, der Fabrikant Ernst Graebe, dem Haller Krankenhaus 5.000 Mark gespendet. Schwester Mathilde war in Halle verheiratet. Der Haller Rat beschließt 1906, den Brüdern eine "Graebe-Straße" zu widmen.



Die Pfarrer Wilhelm Kluck (1841-1912) und Christoph Becker (1829-1915) werden nach 35 Dienstjahren in Halle verabschiedet. Pastor Emil Nase (1877-1955) wird nun für die nächsten 29 Jahre am Altar stehen und im Natonalsozialismus dem regimekritischen Pfarrernotbund der Bekennenden Kirche  beitreten.

Haller Junge im Matrosenanzug 1908

Der "Deutsche Flottenverein" erhält auch in Halle einen Ortsausschuss. Eduard Kisker führt den Vorsitz. Der Verein unterstützt das Bestreben des Kaisers, die Marine auszubauen. Der Matrosenanzug für Kinder kommt in Mode.

Herz-Jesu-Kirche im Bau

1909

In Kölkebeck und Hörste werden im Frühjahr Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr gegründet.

Rund um die Ravensburg feiern Vereine, Verbände und Einwohner des Kreises im Juni die 300jährige Zugehörigkeit Ravensbergs zu Preußen.

Am Bergkamp legt der Haller Verschönerungsverein mit Hilfe privater „Baumspenden" die Kastanienallee an.

Am 18. November wird an der Bismarckstraße die katholische Herz-Jesu-Kirche (Foto: H.W: Martens) eingeweiht.

Familie Brune auf Rodelschlitten 1910


Ebenfalls am Bergkamp erhält Halle eine städtische Rodelbahn - völlig windgeschützt im Wald. Das Foto zeigt einen der Initiatoren, Carl Heinrich Brune, mit seinen kleinen Töchtern auf dem Schlitten. (Foto: Inge Stoppenbrink)

 

1910

Halle bekommt am 1. Juli ein eigenes Gebäude für die Amts- und Stadtverwaltung, das Amtshaus an der Graebestraße. Im Nebengebäude finden sich Hausmeisterwohnung und Polizeigefängnis. Zuvor waren die Dienstgeschäfte in den Wohnungen der Bürgermeister sowie ab 1848 in Räumen des damals neuen Amtsgerichts abgewickelt worden. Die öffentliche Verwaltung nahm am 1. Juli ihre Arbeit im Amtshaus auf. Das neue Haus hatte allerdings gravierende bauliche Mängel, was einen zehn Jahre währenden Streit mit den betreffenden Handwerkern nach sich zog.



Der Architekt August Schlienkamp (1885-1947) lässt sich in Halle nieder. Zu seinen Bauprojekten gehörten unter anderem das Amtshaus (heute Rathaus II), die alte Friedhofskapelle, die Volks- und Mittelschule und die Flachsröste in Künsebeck.


1911

Am 7. Oktober wird das Richtfest des neuen Schützenhauses gefeiert. Am 12. Mai 1912 wird das Gebäude eingeweiht.

In Haller Gärten wird noch viel Kleinvieh gehalten. Der Ziegenzüchterverein erfährt guten Zuspruch.


1912

Um der Verwahrlosung der Jugend vorzubeugen, hat der Verein für Jugendpflege den Saal der Gastwirtin Wiegand (Lange Straße 35) angemietet. Von 25. Februar an können sich hier „alle jungen Leute von Halle" an drei Abenden in der Woche treffen. Spiele liegen bereit.

Transmissionen

 

Wilhelm Güttgemanns (1871-1947) gründet am 1. April eine Lederfabrik Güttgemanns an der Alleestraße im Süden von Halle.

Pastor Kluck

Pastor Wilhelm Kluck (Foto) stirbt am 19.Oktober 71jährig.

An der Bismarckstraße entsteht ein Neubau der Volksschule. Am 28. September wird sie eingeweiht. Im Keller gibt es Brause- und Wannenbäder für die Haller Bevölkerung. Für Schüler ist die regelmäßige Nutzung verpflichtend.

Kleine Mädchen zupfen Scharpie/Verbandsmaterial am Kirchplatz

1914

Der Erste Weltkrieg beginnt. Die Heimatfront unterstützt die deutschen Truppen durch verschiedene Sammlungen und Hilfsdienste, so wie diese kleinen Mädchen, die im September 1914 auf dem Haller Kirchplatz Scharpie (Verbandsmaterial) zupfen. Foto: Ameli Nichelmann.

2 Postkarten Halle als Garnisonsstadt

1915

Zu Kriegszwecken spenden die Haller ihren Halsketten, Ringe sowie Gold- und Silbermünzen. Rektor Frederking sorgt für deren Verkauf an das Städtische Museum Bielefeld, damit die Kostbarkeiten nicht verschleppt oder vernichtet werden. Durch die Einquartierung des 2. Ersatz-Bataillons Infanterie-Regiment Nr. 131 am 22. April - unter anderem im ehemaligen Martin-Luther-Haus - wird Halle Garnisonsstadt. Die Soldaten blieben bis Ende Mai 1917. Foto/Postkarte: Martin Wiegand.


1916

Wilhelm Imsande (1874-1962) macht sich mit einer Lederverarbeitung am Künsebecker Weg selbständig.



Die Haller stellen in der Nacht zum 1. Mai erstmals ihre Uhren auf Sommerzeit um.



Anlässlich des 70. Geburtstages des Generaloberst Alexander von Kluck erhält der alte Schulplatz an der Langen Straße die Bezeichnung „v. Kluck-Platz".

Glockentransport - Erster Weltkrieg


1917

Für die Waffenschmieden des Ersten Weltkrieges müssen am 11. August zwei der Bronzeglocken der Johanniskirche abgeliefert werden. Geschmückt werden sie von den Hallern zur Bahnlinie geleitet. Das Läuten der heutigen Glocken von 1921 hören Sie hier... Auf dem "Dreiecksplatz" an der Graebestraße wird eine Hindenburg-Eiche gepflanzt, anlässlich des 70. Geburtstags des Generalfeldmarschalls.


1918

In Halle wir das Bielefelder Kriegsnotgeld eingeführt.

geflochtener Zopf


Im Sommer findet abermals eine Frauenhaarsammlung des Roten Kreuzes statt. Das Haar wird für den U-Boot-Bau benötigt. Trupps von geschlagenen deutschen Soldaten rücken nach Kriegsende über Laibachbrücke in Halle ein, wo ihre Einheiten demobilisiert und sie in die Heimatorte entlassen werden sollen. Der Anblick dieser zerrütteten und zerlumpten "Überreste einst so stolzer Regimenter" erschüttert die Hallerinnen und Haller tief, manche wenden sich weinend ab. Im November wird die Republik ausgerufen. Ein Soldatenrat bildet sich in Brunes Dreschhalle, ein Volks- und Arbeiterrat tritt in der Turnhalle der Volksschule zusammen.

Metallbet um 1910

1919

Am 14. März wird in Halle die Baugenossenschaft Eigen Heim gegründet, die preiswerten Wohnraum schaffen will. Namentlich in Künsebeck herrscht Wohnungsnot, so genannte Schlafgänger mieten stundenweise ein Bett.

Die Bauernhöfe im Haller Umland sind das Ziel der Hamsterfahrten von Großstädtern. Ein Dr. Jaimann aus Münster vermutet reiche Kohlevorkommen im Teutoburger Wald. Mit den Versprechen einer Förderung von 10-20 Tonnen täglich wirbt er im Juni Geld für seine Bergbauexpedition ein. Kurz darauf stellt sich dies als "Spuk" bzw. Betrugsversuch heraus.

In Halle werden mehrere Vereine gegründet. Ein "Gesellschaftsklub Gemütlichkeit" formiert sich sich. Am 7. November gründen 15 junge Fußballfreunde in der Gaststätte Schmedtmann den Sport Klub Halle (später SC Halle). Die populäre Sportart ermöglicht in den folgenden Jahrzehnten die Integration neuer Haller: Zugezogene, Flüchtlinge, „Gastarbeiter" und andere Menschen mit Migrationsgeschichte.


1920

In Halle finden ab Januar erstmals Volkshochschulkurse statt. Ziel der Vorträge ist die Förderung von Bildung und Selbstbewusstsein der deutschen Bevölkerung nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg. Die 1904 eingerichtete Kreiswanderbibliothek mit Zentralstelle im Haller Kreishaus stellt ihre Arbeit ein, zugusten von Leihbüchereien in den Gemeinden. Ein Schachverein Halle i.W. lädt ab Dezember 2x wöchentlich zum Brettspiel ein.


1921

In Halle liegen zu Jahresbeginn die Fabriken still. Durch einen Streik der Bergarbeiter in Ibbenbüren, kann die NIKE (Niedersächsische Kraftwerke AG) nur "Lichtstrom" jedoch keinen "Kraftstrom" liefern.

Der Deutschnationale Volksverein feiert am Sonntag, den 16. Januar eine Erinnerungsfeier zur "Gründung des deutschen Kaiserreiches vor 50 Jahren". Seit zwei Jahren ist Deutschland allerdings schon eine Republik.

Schlagbaum Chausseegeld Alleestraße Halle Westfalen

1922

Der Kreistag beschließt, vom 14. März an im Kreis Halle die Schlagbäume abzuschaffen, an denen vormals Chausseegeld bezahlt werden musste. Die "Schlagbäume mit allem Zubehör" werden am 5. Juli vor Ort meistbietend versteigert.

Die Nachtwächterstelle in Halle wird neu besetzt. Gaststätte Grünenwalde veranstaltet Konzerte, anschließend Tanz.

In Künsebeck wird im Oktober ein Kriegerdenkmal eingeweiht. Doch es ist vielmehr ein frühes und seltenes Mahnmal gegen den Krieg: es zeigt eine weinende Kutter mit ihren Kindern, nach dem Entwurf von Fritz Schlienkamp, einem gebürtigen Künsebecker und Bruder des Architekten August Schlienkamp.

Der Haller Friedhof III (oberhalb der Bielefelder Straße) erhält am Totensonntag ein Kriegerdenkmal.

Katharinenstollen von 1923 in Halle

1923

Durch die französische Ruhrbesetzung herrscht ein dramatischer Kohlenmangel. Dieser führt zu einem letzten Versuch, im Katharinenstollen der Zeche Halle Kohle abzubauen. Ohne wirklichen Erfolg - die Flöze sind zu dünn. Als Folge der Inflation taucht in der Kollekte der evangelischen Kirche im August der erste Millionenschein auf.

Schlechte Zeiten in Halle: Die Firma Güttgemanns kauft zu "höchsten Tagespreisen" Felle auf, neben Rinder- und Ziegen- auch Katzen und Maulwurfsfelle. Die "Zwangs-Fleischer-Innung" bittet die Kunden, Einwickelpapier selbst mitzubringen.

Aus der Höheren Privatschule entsteht in diesem Jahr die städtische Mittelschule.


1924

Der Bergbau wird in Halle entgültig eingestellt, er kann nicht mit der Ruhrkohle konkurrieren.

Freibad Badeanstalt Halle Westfalen Stadtarchiv Haller ZeitRäume

1925

Der Neubau der Mittelschule wird eröffnet. Er schließt sich nördlich an den Bau der Volksschule in der Bismarckstraße an und ist in gleichem Stil ausgeführt. 1968 erfolgt der Umzug der Mittelschule, die jetzt Realschule heißt, in die Kättkenstraße und 1981 in das Schulzentrum Masch. Halle bekommt am Gausekampweg ein städtisches Freibad. (Foto: Stadtarchiv Halle) Der Neubau der Kreisverwaltung an der Ravensberger Straße/Bahnhofstraße wird am 5. November feierlich eingeweiht. Von dem Bielefelder Architekten Wilhelm Oldemeier (1878-1951) stammte der Entwurf, Professor Karl Muggly (1884-1957) von der Werkkunstschule Bielefeld gestaltete die Innenausstattung und die bunten Glasfenster im Treppenhaus. Im neuen Kreishaus mieten das Finanzamt, das Zollamt und die Kreissparkasse Geschäftsräume. Dem Neubau musste der altehrwürdige Meinders-Hof weichen.


1927

Ein evangelischer Kindergarten wird am 15. Mai an der Schulstraße eingeweiht. In dem neuen Gebäude gibt es über den Spielräumen vier Schwesternwohnungen.


1929

Der 33jährige Eduard Meyer zu Hoberge (1898-1990) wird am 1. April Amtsbürgermeister in Halle. Er löst Karl Wolf (1864-1952) ab, den Verfasser des Buches „Freud und Leid im Kreise Halle 1800-1905". Meyer zu Hoberge bleibt während des Nationalsozialismus und bis 1946 Bürgermeister. Anschließend wird er Amtsdirektor in Halle und bleibt dies bis 1963. Am 10. Juli hat das „Fräulein vom Amt" ausgedient. In Halle und Werther werden der „Selbstanschlußbetrieb für den Ortsfernsprechverkehr" und dreistellige Telefonnummern eingeführt. Die Haller können nun über die Wählscheibe - ohne Vermittlung - ihre Telefonverbindungen herstellen.


1930

Das Denkmal für den Minnesänger Walther von der Vogelweide wird am 29. Juni vom Männergesangsverein Ravensberg mit einem Konzert eingeweiht.

Uniform NSDAP Zellenleiter

1931

Die NSDAP-Ortsgruppe Halle wird Mitte Oktober im Gasthof Schürmann am Lindenplatz gegründet. Am 31. Oktober tritt sie mit einem Propagandavortrag im Saal Hollmann erstmals öffentlich in Erscheinung. Es spricht der Bielefelder NSDAP-Stadtrat Emil Irrgang (1890-1951). Der Stahlhelm - Bund der Frontkämpfer hält am 1. November mit 500 Kriegsveteranen einen Fahnenmarsch durch Halle ab. Zeitgleich veranstaltet die evangelische Gemeinde im Martin-Luther-Haus ein Wohltätigkeitskonzert für die Winterhilfe.


1932

Zollamt und Finanzamt in Halle werden im Zuge allgemeiner Sparmaßnahmen im Januar aufgelöst. Erneut gibt es Pläne, auch den gesamten Kreis Halle aufzulösen. Werther soll Herford zugeschlagen werden, Versmold, Warendorf und Halle dem Nachbarkreis Wiedenbrück. Heftiger Protest der heimischen Bevölkerung führt am 2. Februar zur Aufhebung des Beschlusses.

Familie Isenberg Halle Westfalen

1933

Details zur NS-Zeit finden Sie auch in der Chronologie des Nationalsozialismus in Halle/Westfalen. Nach dem Wahlsieg der NSDAP am 30. Januar wehen zum ersten Male drei Hakenkreuzflaggen über Halle (Amtsgericht, Amtshaus, Krankenkasse). Am 1. April ruft die NSDAP erstmals zum Boykott jüdischer Geschäfte in Halle auf. Die Schlachterei von Moritz Isenberg und der Hutsalon von Ida Herzberg werden in den folgenden 3 Jahren durch die NS-Propaganda und Hetzkampagnen der NSDAP-Ortsgruppe ruiniert. Das Bild zeigt Moritz Isenberg mit seiner Tochter Klara. Am 1. April bekommt Halle sein erstes Kino, die „Ravensberger Lichtspiele" (Rali), mit 200 Plätzen. 1950 wurde auf 350 Plätze erweitert.

Milchkanne Reicharbeitsdienst Schönheit der Arbeit

1934

Der Reichsarbeitsdienst (RAD) errichtet das Lager "Ravensberg" in Hesseln. Von hier finden die Einsätze der "Arbeitsmänner" statt, wie das Entwässern der Masch, das Bepflanzen der Kahlen Egge und Straßenbauarbeiten. Der Kirchplatz, vormals ein „Tummelplatz für Kinder", wird vom RAD als öffentliche Grünanlage gestaltet.  Im RAD-Materiallager auf dem Schützenberg werden Kantinengeschirr, Bekleidung usw. gelagert. Das Bild zeigt eine Milchkanne des RAD-Werkes "Schönheit der Arbeit". Im so genannten evangelischen "Kirchenkampf" stehen die Haller Pastoren Emil Nase (Bekennende Kirche) und Johannes Hoensch (Deutsche Christen) gegeneinander, was die Gemeinde sehr bewegt. Pastor Nase geht 1935 in den Ruhestand.

Langemarckstein


Auf dem Schützenberg findet im Juni eine nationalsozialistische Sonnenwendfeier statt. Im November legt das NS-Jungvolk in der Nähe einen Findling nieder, dessen Inschrift Langemarck an die jungen Kriegsfreiwilligen erinnert, die 1914 in der gleichnamigen Schlacht gefallen waren. In Halle eröffnet die erste Tankstelle. Eine Reparaturwerkstatt ist angeschlossen.


1935

Der Kreis Halle errichtet an der Kättkenstraße eine Kreisberufschule. Als Gründer gilt der Gewerbeoberlehrer und Kunstmaler Hermann Goerke (1891-1977). Der damalige Landrat Emil Leweke (1893-1959) verwehrte Goerke die offizielle Leitung der Schule.


1936

Am 2. April wird die Kreiswohnstättengenossenschaft (KWG) gegründet. Die Wohnungsbaugenossenschaft soll Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen fördern und Arbeitern die Möglichkeit geben, ein eigenes, bezahlbares Siedlungshaus zu bauen. Die Lange Straße erhält am 20. April den Namen Adolf-Hitler-Straße. Hitler schickt ein persönlich unterzeichnetes Dankschreiben. Die Kättkenstraße wird in Hermann-Göring-Straße umbenannt, die Alleestraße in Straße-der-S.A. Die neue Lettow-Vorbeck-Straße - Namensgeber ist ein deutscher Afrika-General - soll das "koloniale Wollen" des Nationalsozialismus bezeugen (Haller Kreisblatt, Juni 1936). In Halle findet der Kreisparteitag der NSDAP statt.

Schützenfest 1937 NSDAP Hermann Eiter

1937

Auf Betreiben der NSDAP soll das Hagedorn-Denkmal am Fuß der Kaffeemühle wegen vermeintlich freimaurerischer Texte und Symbolik abgebrochen werden. Die Firma Stern wird an die Johann Borgers KG in Bocholt verkauft. Die jüdische Familie Stern wandert in die USA aus. Partei und Gesellschaftsleben vermischen sich: Beim 100. Schützenfest wird der NSDAP-Kreisleiter Hermann Eiter Haller Schützenkönig. Das Foto ist ein Standbild aus dem damals gedrehten Film zum Schützenfest. Film/Foto: Privatbesitz.

Amtshaus Halle Anschuss Österreichs 1938 NSDAP

1938

Am 10. April begeht das nationalsozialistische Halle mit großem Propaganda-Aufwand die „Wahl" zum Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Im Kreis Halle stimmen 98,9 % der Bürger für Großdeutschland und bestätigen damit die Politik Adolf Hitlers. Im Haus Adolf-Hitler-Straße 37 eröffnet die NSDAP am 1. Mai ein Parteibüro. Die Bauerschaft Oldendorf im Haller Westen wird am 1. Oktober eingemeindet. Statt 2.500 zählt Halle jetzt 3.250 Einwohner. Die Kreissparkasse bezieht an der Kättkenstraße erstmals ein eigenes Gebäude. Direktor ist Georg Wefelmeier (bis 1969).


Segelflugzeug Flieger-HJ auf dem Lindenplatz



1939

Der Kreisparteitag der NSDAP Bielefeld-Halle findet am 14. Mai in Halle statt. Das Motto ist „Kampf der Landentvölkerung". Bauern- und Heuerlingsfamilien, die seit 200 Jahren auf der gleichen Hofstelle ansässig sind, bekommen einen Platz auf einer Ehrentribüne. Durch die geschmückte Innenstadt ziehen die Formationen auf den Sportplatz an der Masch. Am 16. Juni erhält die Haller Flieger-HJ ein Segelflugzeug, anlässlich der "Westfalenfahrt der Alten Garde der NSDAP". Der Korso durchfährt Halle am Vormittag. In der "Sommerfrische" Grünenwalde trägt sich Reichsorganisationsleiter Robert Ley ins Buch der Stadt ein. (Foto Taufe des Flugzeugs: Privatbesitz) Am Laibach entsteht ein Sportstadion, das im Sprachstil des Nationalsozialismus „Osning-Kampfbahn" genannt wird.

Rektor Christian Frederking

1940

Am 5. April wird der ehemalige Rektor der Höheren Privatschule Christian Frederking 80 Jahre alt und erhält für seine Verdienste durch Eduard Meyer zu Hoberge eine Ehrenurkunde, die zeitweilig als Ehrenbürgerschaft missdeutet wurde. Von Frederking stammt unter anderem das Lied „Halle, mein Städtchen...". Foto Stadtarchiv Halle (Westf.).

 Christian Schalk NS-Opfer Kriegsdienstverweigerer Zeugen Jehovas

 

Am 12. Juli wird Christian Schalck aus Künsebeck wegen „Wehrkraftzersetzung" in Berlin hingerichtet. Als überzeugter Christ und "Bibelforscher" (Zeugen Jehovas), achtete er das 5. Gebot "Du sollst nicht töten" und verweigerte den Kriegsdienst. Foto: Privatbesitz.


1941

Die NSDAP-Ortsgruppe Halle hat 300 Mitglieder. Davon befinden sich 100 im „Wehrdienst".

Russenbrot Dürkopp Waldlager Künsebeck Halle Westfalen

1942

Ende März werden die jüdischen Familien Isenberg und Herzberg aus Halle abgeholt und über Bielefeld Hbf in die Vernichtungslager deportiert. Die Dürkoppwerke in Künsebeck werden als geheimer Kriegauftrag errichtet. Das Zweigwerk für 3,7 cm Flugabwehrkanonen (FLAK) wird durch das Deutsche Reich finanziert. Es ist der reichsweit größte Rüstungsbetrieb für diesen Waffentyp. In der Produktion werden 2000 Arbeitskräfte eingesetzt, darunter Z wangsarbeiter und Kriegsgefangene, die im Waldlager Künsebeck untergebracht sind. Das Bild zeigt ein so genanntes "Russenbrot", mit dem die Gefangenen ernährt wurden. Foto: Peter-Korschak-Schule, Halle /Westf.).

Absturz britischer Halifax Bomber 1943 Halle Westfalen

1943

Zum Schutz gegen Kriegseinwirkungen werden im Haller Gerichtsgebäude die Strafregister der Staatsanwaltschaften von Bielefeld, Duisburg, Krefeld und Düsseldorf eingelagert. Die Akten blieben tatsächlich unversehrt. Im März findet im Kreishaus die Ausstellung "Minden-Ravensbergische und Lippische Künstler" statt. Initiiert wird die Verkaufsschau von Eduard Schoneweg, dem Leiter des Städtischen Museums Bielefeld. Aus dem Kreis Halle sind die Maler Wilhelm Raabe und Max Tietz vertreten. Am 29. Dezember stürzt ein britischer Halifax-Bomber mit dem Ziel Berlin nahe der Kaffeemühle ab. Die siebenköpfige Besatzung springt mit Fallschirmen ab, wird gefangengenommen und in Halle verhört.


1944

Bei einem unübersichtlichen Abwehreinsatz gegen ein amerikanisches Bombergeschwader am 27. November über Ascheloh schießen sich zwei deutsche Jagdflieger versehentlich gegenseitig ab. Beide ME 109-Piloten können sich mit Fallschirmen retten.

US-Truppen führen Volkssturm ab in Halle Westfalen Rosenstraße 1945

1945

Am Ostermontag, den 2. April 1945, rücken in Halle amerikanische Truppen ein (Foto). Den vereinzelt abgegebenen Schüssen fällt der Steinhauermeister Wilhelm Schmidt zum Opfer. Das Haus der Kreishandwerkerschaft geht in Flammen auf, angeblich durch Beschuss eines Hitler-Portaits, das durch ein Fenster zu sehen war. Details zur NS-Zeit finden Sie auch in der Chronologie des Nationalsozialismus in Halle/Westfalen. Christian Frederking stirbt am 20. Juli 85jährig. Am 4. November 1945 stürzt ein kanadisch-britisches Transportflugzeug in Eggeberg ab. Es handelt sich um eine Hilfslieferung von Penicillin und Verbandsmaterial nach Warschau. Die kanadische Crew, die sich freiwillig zu diesem humanitären Einsatz gemeldet hatte, stirbt in den Flammen.

Hermann Goercke - Villa Bertelsmann

1946

Mit der Verleihungsurkunde vom 19. Juni erhält Margarete Windthorst den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis. Haller Maler (wie hier Hermann Goercke) schaffen während der Nachkriegszeit Aquarelle und Zeichnungen von Haller Stadtansichten, in den ersten Jahren im Tausch gegen Lebensmittel. Zur Ausstellung "Halle gemalt"...

Storck Schokoladen-Präsenttkorb Chateau Schkolade

1947

Die Firma August Storck KG, ehemals Werthersche Dampf-Zuckerwarenfabrik August Storck, siedelt sich in Halle an. Der Gründer war August Stork genannt Oberwelland († 21. August 1924). Die Firma entwickelt sich zum größten Süßwarenhersteller Europas und zum wichtigsten Arbeitgeber für Halle und Umgebung. Das Bild zeigt ein Präsentkörbchen für Chateau-Schokolade aus den 1950er Jahren. Foto: Haller ZeitRäume.

Gerry Weber Aktie 1996

1948

In Halle entstehen weitere Frauenarbeitsplätze in der Textilindustrie. Emil Hardieck errichtet am Klingenhagen eine Fabrik für Herrenbekleidung. Die Firmen Bösebeck (Alleestraße, Ecke Moltkestraße) und Meyer & Höpfner (Alleestraße, Ecke Schlammpatt) produzieren viele Jahre erfolgreich Damenmode in Halle. 1973 gründen Udo Hardieck und Gerhard Weber die „Hatex Gerhard Weber KG". 1986 wird der Markenname Gerry Weber geschafften. Die Firma wird 1989 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Sie hat heute ihren Stammsitz an der Neulehenstraße in Halle. Das Foto zeigt eine Aktie aus der Serie 1996.


1950

Halle beginnt mit dem Bau einer Gesamtkanalisation.


1952

Bei den XV. Olympischen Spielen in Helsinki holt Georg Höltig aus Halle mit der deutschen Reitequipe die Bronzemedaille im "Preis der Nationen". Die Firma Kisker feiert auf dem Schützenberg das 220jährige Bestehen. Die Stadt ehrt den Jubilar mit der Umbenennung der Bergstraße in Kiskerstraße.


1953

Baubeginn des 40m hohen Funkturms auf der Großen Egge. Die 20m langen Querträger wurden später entfernt.

Sprengschacht Wertherstraße Halle Westfalen

 

Der Kalte Krieg hält Einzug in Halle. Im Oktober werden in alle Passstraßen über den Teutoburger Wald Sprengschächte (siehe Foto) eingelassen. Im Kriegsfall soll ihre Detonation tiefe Trichter reißen und feindliche Truppen aufhalten.

Kino Kinostempel Union-Theater Halle

1955

Halle richtet als e.V. die Volkshochschule ein. Sie wird 1965 städtische Einrichtung. Heutiger Träger ist der Altkreis Halle unter der Bezeichnung „Volkshochschule Ravensberg". Die Geschäftsräume befinden sich im Kiskerhaus an der Langen Straße. Das „Union-Theater", Halles zweites Kino, eröffnet am 26. August an der Alleestraße 4 mit dem Breitwandfarbfilm „Die schöne Müllerin". Foto: Haller ZeitRäume.

Karl Muggly Realschule Halle Westfalen "Eulenschule"

1956

Nach den Sommerferien zieht Realschule Halle ein neues Schulgebäude an der Kättkenstraße. Die Schüler tragen ihre Stühle in einem langen Umzug quer durch die Stadt. Mit "Kunst am Bau" werden in den 1950er Jahren schlichte, zweckmäßige Gebäude ansprechend gestaltet. Das Sgraffito über dem Eingang, entworfen von dem Künstler Karl Muggly (1884-1957), gibt der Schule den Beinamen "Eulenschule". Die Eule gilt als Symbol der Weisheit. Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.). Teile der Bauerschaft Gartnisch im Haller Osten werden eingegliedert. Halle hat jetzt 6378 Einwohner.


1957

Der Maler Siegmund Strecker (1914-1969) kommt nach Halle. Er kauft zwei kleine Fachwerkhäuser des alten Hofes Hartmann und versetzt diese als Wohnung und Atelier in die Haller Innenstadt. Im Jahr 2012 eröffnet ein Sigmund-Strecker-Museum in diesen Gebäuden.

Nähmaschine von M. Windthorst

1958

Am 9. Dezember verstirbt die Haller Heimatschriftstellerin, Drostepreis- und Koggering-Trägerin, Margarete Windthorst. Sie wird auf dem Familienbegräbnis an der nach ihr benannten Margarete-Windthorst-Straße zur letzten Ruhe gebettet.Das Bild zeigt die Nähmaschine, an der Margarete Windthorst als Hauswirtschaftslehrerin und auch als Künstlerin gearbeitet hat. Foto: Haller ZeitRäume.


1959

Der beliebte Pastor Johannes Hoensch stirbt 62jährig am 27. Mai. Hoensch wirkte von 1931 bis zum Ruhestand 1956 als 2. Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde.

Mahnmal 1960

1960

Am 13. November wird auf dem Friedhof I ein  Mahnmal  eingeweiht. Hier findet fortan die jährliche Gedenkstunde zum Volkstrauertag statt. Das Mahnmal ersetzt das Kriegerehrenmal auf dem von-Kluck-Platz, welches am 3. August 1924 eingeweiht worden war. Im Zuge der Mahnmaleinweihung wird der Alte Friedhof umgestaltet. Das historische Wegekreuz und seine Lindenalleen weichen einer Rasenfläche, Stelen mit den Namen der Gefallenen beider Weltkriege werden errichtet.


1961

Halle bekommt ein neusprachliches Gymnasium, das Kreisgymnasium.

1962

Die St. Johanniskirche wird renoviert. Sie bekommt unter anderem eine Fußbodenheizung, der die drei Gräber innerhalb der Kirche zum Opfer fallen. Am 9. November wird nach 18 Monaten Umbauzeit erstmals wieder ein Gottesdienst abgehalten. Direkt neben dem alten Krankenhaus wird in zwei Bauabschnitten ein neues Krankenhaus errichtet. Der alte Bau wird abgebrochen. Das mehrfach erweiterte neue Krankenhaus geht 2010 mit den Städtischen Kliniken Bielefeld zusammen. Das Bild zeigt eines der neuen Patientenzimmer im Jahr 1962. Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.).

Abriss altes Bahnhofsgebäude Halle Westfalen Januar 1964

1963

Der wirtschaftsliche Aufstieg macht es möglich: Halle verändert in diesen Jahren schnell sein Gesicht. Flachdächer, Beton und gerade Linien werden als modern und zukunftsweisend empfunden. Viele alte Gebäude fallen und auch die Lindenalleen an ehemaligen Chausseen.

Das neue Bahnhofsgebäude wird eingeweiht, das alte im Januar 1964 abgerissen. Foto: Charly Wagemann. Am 30. Mai wird der neue evangelische Kindergarten im Wischkamp eingeweiht (heute: KiTa Regenbogen). Drei Gruppenräume warten mit Puppenstuben und Baukästen auf die Kinder der so genannten "geburtenstarken Jahrgänge".


1964

Vom 24. bis 26. Januar finden unter der Leitung von Burghard Schloemann die ersten Haller Bachtage statt.


1965

Ein Starfighter der Bundeswehr zerschellt im August an der 312m hohen, von Regenwolken verhangenen Großen Egge. Der Pilot stirbt, Flugzeugteile werden bis auf die andere Seite des Berges ins Eggeberger Tal geschleudert. Halle beginnt mit dem Bau einer zentralen Wasserversorgung, die am 28. Dezember 1966 in Betrieb genommen wird.


1966

Erste Planungen einer Ersatzstraße für die Bundesstraße 68 beginnen, somit die Planung der Autobahn 33. Das Kreisgymnasium entlässt am 17. Februar seine ersten Abiturienten. Am 25. März findet die erste „Schutenkirmes" auf dem Neumarkt statt. Die Kirmes im Herbst nannte sich „Zwiebelkirmes".

In Halle wird der erste Haushalt an die städtische Trinkwasserversorgung angeschlossen, es ist das Haus Grundmann am Kirchplatz.


1967

Das 1961 gegründete Gymnasium bezieht die neuen Gebäude an der Neustädter Straße.


1969

Mit Bürgermeister Heinrich Thomas (1901-1969) und Stadtdirektor Dr. Ulrich May an der Spitze feiert Halle die vor 250 Jahren am 17. April 1719 von König Friedrich Wilhelm I. verliehenen Stadtrechte. Am 1. Juli gliedern sich die Gemeinden Ascheloh, Eggeberg und Gartnisch mit 1.900 Bürgern freiwillig in die Stadt ein. Halle hat nun rund 10.000 Einwohner.


1971

Für das Haller Hallenbad wird am 1. Oktober der Grundstein gelegt. Gebaut wird neben dem bestehenden Freibad und der "Osningkampfbahn" am Gausekampweg. Ab 16. Februar 1973 kann dort (nun eben auch im Winter!) geschwommen und geplanscht werden.

Hochhäuser sandkamp 25 Halle Westfalen

1972

Von der Bevölkerung kaum bemerkt, wird die Kirchengemeinde Hörste „zurück-gepfarrt" und der Kirchengemeinde Halle wieder angeschlossen, wozu sie vor 1707 gehört hatte. In die modernen, blau-weißen Hochhäuser am Sandkamp ziehen die ersten Mieter ein. Die Wohnungen bieten mit Zentralheizung, Aufzug, Parkhaus und dem zentralen Spielplatz ganz neuen Komfort. Eigentümerin ist die Kreiswohnstättengenossenschaft (KWG). Foto: Privatbesitz.


1973

Durch die kommunale Neugliederung werden das Amt und der Kreis Halle aufgelöst. Aus den Altkreisen Rheda-Wiedenbrück und Halle entsteht der Kreis Gütersloh. Steinhagen (mit Amshausen und Brockhagen) bekommt eine eigene Verwaltung, der Stadt Halle werden Künsebeck, Hörste, Hesseln, Kölkebeck und Bokel zugeschlagen. Halle hat nun 17.456 Bewohner und verfügt über eine Fläche von 69 km2. Am 20. September stirbt Heinrich Meise. Dem 1877 in Bethel geborenen Pädagogen, Heimatforscher, Dichter und Maler verdanken die Haller mit dem 1968 erschienenen Buch „Die Stadt Halle in Westfalen" das wohl wichtigste Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt.


1974

Der Kirchplatz erhält nach den Plänen von Ute Yael Niemeyer die heutige einheitliche Pflasterung. Sie ersetzte die vorherige Gestaltung von 1934, die noch eine Umfahrt entlang der Häuserzeile geboten hatte.


1975

Die letzte reguläre Dampflok fährt durch Halle.


1976

Am 29. Januar wird die Haller Westumgehung dem Verkehr übergeben. Der erste ALDI-Markt eröffnet am 19. Februar an der Bahnhofstraße 32 (neben Textilgeschäft Brinkmann). Am gleichen Tag wird der Schornstein der ehemaligen Bindfadenfabrik Hackmann „umgelegt" (Lange Straße 47-49, heute Volksbank). Die Popgruppe Boney M. tritt mit Hits wie "Daddy Cool" am 14. August im "Disko-Treff Pop-Eye" am Gartnischer Weg auf. Für Stimung sorgt "Discjockey Kalle".


1977 Die Haller Disco Rave schließt im März. Sie erlangte in nur fünf Jahren Kult-Status unter den jugendlichen Parka-Trägern.

1979

Die Firma Kisker, Halles älteste Firma, zieht 247 Jahre nach ihrer Gründung aus der Innenstadt in das Künsebecker Gewerbegebiet um.

Um Zuge der "Ortskernsanierung" wird die gesamte mittlere Bahnhofstraße abgerissen und neu bebaut.


1980

Der Haller Schulrat Hans Schwier (1926-1996) wird im Kabinett Johannes Rau (dem späteren Bundespräsidenten) am 4. Juni Wissenschaftsminister und später Kultusminister von NRW. Nach einem tödlichen Badeunfall am 31.Juli 1996 in Spanien wird Schwier auf dem Friedhof an der Bielefelder Straße beigesetzt.

Schulzentrum Masch Halle Westfalen 2011

1981

Das Schulzentrum Masch wird am 19. Mai eingeweiht. Hier bekommt die Realschule Halle neue Räume. Auch die Grundschule Halle-West (später Lindenschule) zieht mit ein.


1983

Während seiner Wanderung auf dem Hermannsweg frühstückt Bundespräsident Karl Carstens (1914-1992) auf dem Schützenberg.


1984

Halle schließt mit der nordfranzösischen Stadt Ronchin (Nähe Lille) eine Städtepartnerschaft. Der „Ronchin-Platz" dokumentiert die Partnerschaft.

Der Haller Rat lehnt am 31. Oktober den Bau der A 33 ab und fordert „sofort" den Bau einer Umgehungsstraße.


1985

Auf dem Ronchin-Platz findet im Mai ein Fest zum „Europatag" statt, bei dem Haller Kinder verschiedenster Nationalitäten symbolisch eine Brücke bauen.

Am 1. Dezember hält das Haller Amtsgericht zum letzten Male im Versmolder Rathaus den monatlichen Gerichtstag ab. Damit endet eine 144 Jahre währende Tradition.


1986

Die Frauenbewegung in Deutschland ist in diesen Jahren stark und sichtbar. Halles Stadtverwaltung stellt eine Gleichstellungsbeauftragte ein. Die Arbeit  weist der 31jährigen Eva Sperner den Weg (Hilfe bei Gewalt gegen Frauen, Chancengleichheit...).


1987

Ursula Blaschke eröffnet im vollständig renovierten ältesten Haller Haus am Kirchplatz 3 ein Museum für Kindheits- und Jugendwerke bedeutender Künstler. Mehr als 30 Jahre lang wird sie das Haus mit großer Leidenschaft leiten und mit immer neuen Ausstellungen große Kunst ins kleine Halle holen.


1988

Auf dem ehemaligen Kisker-Gelände wird als erstes Gebäude im Ensemble des neuen Bürgerzentrums die Remise eröffnet. Es folgen das Schinkenhaus, 1990 die Destille (Stadtarchiv und Stadtbücherei) und 1993 das Kiskerhaus, in das die Volkshochschule Ravensberg einzieht.

Freizetbad "Lindenbad" in Halle/Westfalen

1989

Aus Hallen- und Freibad am Laibach wird das neue Lindenbad. Halle hat nun ein Spaß- und Freizeitbad mit Attraktionen wie Riesenrutsche, Schwimmkanal und Warmbadetag. Foto: Haller Kreisblatt.


1990

Am 11. März stirbt Eduard Meyer zu Hoberge, der 34 Jahre lang - von 1929 bis zu seiner Pensionierung 1963 - Bürgermeister und Amtsdirektor des Amtes Halle war. Der 1898 in Steinhagen geborene Meyer zu Hoberge schuf in dem 1979 erschienenen Bildband mit dem Titel „Halle (Westf.) gestern und heute" ein wertvolles Dokument zur Haller Geschichte.


1992

Den Haller Bachtagen verpflichtet bekommt die Johanniskirche eine aufwendige neue Orgel. Mit 34 Registern, verteilt auf drei Manualwerke und Pedal, und 2.198 Pfeifen. Erbauer ist die Firma Heintz (Heintz-Orgel) aus Schiltach im Schwarzwald.

Am 1. März wird gegenüber dem Hallenbad der Sportpark mit sieben Hallentennisplätzen eröffnet. Bauherren: Gerhard Weber und Udo Hardieck.

In Eggeberg können die Mitglieder des 1990 gegründeten Golfclubs auf der clubeigenen Anlage den Spielbetrieb aufnehmen. Im Jahre 2007 wird diese auf 27 Loch erweitert.

 

Anti A33 Schild Stoppt das Trassen-Ungeheuer

 

Am 14.Okober widerruft der Stadtrat den Beschluss von 1984 und fordert den Lückenschluss der A 33 nach Maßgabe der Trasse V16. In der Bevölkerung und bei Naturschutzverbänden stößt die Streckenplanung auf Widerstand. Foto: Haller ZeitRäume.


1993

Gerhard Weber und Udo Hardieck errichten auf dem Gelände des ehemaligen Kley‘schen Bauernhofes das Sportparkhotel und ein Rasentennis-Stadion. Es wird mit den „1. Gerry-Weber-Open" eingeweiht.

Am 22. Juli stirbt Fräulein Wilhelmine Schengberg (*1899). Als Lehrerin gehörte sie bereits 1923 zum ersten Kollegium der neuen Mittelschule. Von 1945 bis zur ihrer Pensionierung 1963 leitete sie die Schule, die nun Realschule hieß, als Direktorin. So begleitete Fraulein Schengberg 40 Jahrgänge Haller Kinder durch deren Schulzeit.

 


1994

Als ehrenamtlicher Bürgermeister tritt der in 1934 in Pommern geborene Jürgen Wolff (CDU) sein Amt an. In seine Amtszeit fällt unter anderem der Umzug der Stadtverwaltung in das ehemalige Kreishaus, jetzt RathausI.


1995

Der Tennisclub Blau-Weiß Halle erringt die Deutsche Tennis-Mannschftsmeisterschaft. Auch in den Jahren 2006 und 2014 wird dieser Erfolg gelingen.


1996

Halle feiert sein 750 jähriges Bestehen mit einem Festakt in der Aula des Kreisgymnasiums. Eine Vielzahl von Jubiläumsveranstaltungen schließt sich an.

Am 6. November wird Jürgen Wolff zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister gewählt, ein Amt, dass er bis 2002 inne haben wird. Gleichzeitig geht Dr. Elmar Hälbig als letzter Stadtdirektor in den Ruhestand.

ehemaliges Kreishaus, heute Rathaus I

1997

Die Stadt erwirbt das ehemalige Kreishaus und stellt es als Rathaus I in den Dienst der Stadtverwaltung. Das Amtsgebäude von 1910 an der Graebestraße wird Rathaus II.


1998

Aus Anlass der 35. Haller Bachtage stiftet die August Storck KG eine aus vier Stahlwürfeln bestehende Plastik des Künstlers Prof. Joachim Bandau (*1936). Die Würfel enthalten je vier Platten, die in unterschiedlicher Reihenfolge die Buchstaben B-A-C-H erkennen lassen. Das Kunstwerk ist der Musikerfamilie Bach gewidmet und hat seinen Platz auf dem „Alten Friedhof" an der Bahnhofstraße.

Anstecker haller Willem Expo 2000

2000

Im Rahmen der Weltausstellung „Expo 2000" in Hannover wird die Haller-Willem-Bahnstrecke zu einer modernen Regionalbahnstrecke ausgebaut, mit vier Haltepunkten auf Haller Gebiet (Hesseln, Gerry-Weber-Stadion, Halle und Künsebeck). Das Amtsgericht wird durch einen Anbau erweitert, der am 20. September 2002 eingeweiht wird.


2002

Erstmals wählt die Haller Bevölkerung am 9. Juni eine Bürgermeisterin: Anne Rodenbrock-Wesselmann (Wiederwahl 2009). Eine ihrer ersten Aufgaben ist die Einweihung des Haller-Willem-Denkmals auf dem Ronchin-Platz, das von dem polnischen Künstler Wojtek Hoeft geschaffen wurde. Es stellt den Fuhrmann Wilhelm Stukemeier dar und ist ihm gewidmet.


2003

Die türkische Gemeinde errichtet neben der Moschee (im Gebäude der ehemaligen Molkerei am Gausekampweg) ein 16 m hohes Minarett. Die Moschee bietet jährlich einen „Tag der offenen Tür" an.


2004

Am 18. Februar stimmt der Stadtrat der in Düsseldorf ausgehandelten A33-Trasse V16+ zu. Sie beinhaltet die Umgehung des Tatenhauser Waldes wegen der neuen europäischen FFH-Richtlinie und das Näherrücken der Autobahn um 480 Meter an Halle heran. Die in diesem Kontext gegründete Südtrassenunion (STU) wird Partei und erringt bei der Kommunalwahl am 26. September 6 der 38 Sitze.

Logo Haller ZeitRaeume

2008

Im Januar beginnt die Planung für ein Haller Geschichtsmuseum: Die Haller ZeitRäume werden von einer Initiativgruppe als virtuelles Museum konzipiert und durch die Stadt HalleWestfalen gefördert und finanziert. Als erstes stadtgeschichtliches Internetmuseum in Deutschland gehen die Haller ZeitRäume im April 2010 online.



2010

Im September beginnt die Planung eines neuen, interkommunalen Gewebegebietes: In Künsebeck wird ab 2014 der Ravenna-Park entstehen, mit direktem Anschluss an die A 33, die bis 2019 fertiggestellt sein soll.

Fukushima Mahnwache in Halle Westfalen





2011

Am 11. März kommt es im japanischen Atomkraftwerk Fukushima zur nuklearen Katastrophe. Besorgte Haller Bürger treffen sich um 18 Uhr zu einer Schweigeminute am Ronchin-Platz. Initiiert von Bündnis 90/Die Grünen werden solche Mahnwachen an den folgenden Montagen wiederholt und Deutschlands Ausstieg aus der Atomenergie gefordert. (Foto: Haller ZeitRäume)

Im April beschließt der Rat den Abbruch des Lindenbades (Hallen- und Freibad) zugunsten eines neuen „Gartenhallenbades". Der Freibadbetrieb fällt zukünftig weg.

Die Hauptgeschäftsstelle der Kreissparkasse Halle wird am 6. Juni neu eröffnet. Vorausgegangen ist ein Umbau für über 8 Millionen € inklusive Dämmung und Umstellung auf Erdwärme. Mit der neuen Fassade und dem integrierten Straßencafé hat die Innenstadt ein neues Gesicht bekommen.

Der so genannte Alte Friedhof von 1828 wird unter historischen Aspekten gärtnerisch hergerichtet und am 12. Juli als Skulpturenpark eingeweiht. Zu sehen Arbeiten heimischer Künstler, die zu Themen der Haller Bach-Tage entstanden sind.

Eine zweite Städtepartnerschaft verbindet Halle seit dem 16. Juli mit Valmiera in Lettland.

Mahnmal Opfer des Nationalsozialismus Halle Westfalen


Das Mahnmal für die Haller Opfer des Nationalsozialismus, gestaltet von der Bildhauerin Angela Große, wird am 12. November feierlich enthüllt. Ehrengast ist Eve Isaakson, die Enkeltochter der jüdischen Haller Familie Isenberg. Die Isenbergs wurden 1942 aus Halle deportiert und ermordet. Schwiegertochter Ayala Isaacson spricht am Mahnmal das Kaddisch. Foto: Stadt Halle (Westf.).

Im Dezember steht ein britischer Militärhubschrauber über Haller Wohngebiet in Flammen. Im gelingt eine Notlandung auf freiem Feld am Maschweg. Die Besatzung bleibt unverletzt.

A33 Demo Halle Westfalen 2012 Haller ZeitRäume

2012

Am Freitag, den 13. Januar demonstrieren in der Innenstadt 2.500 Hallerinnen und Haller für den sofortigen Bau der A33. Die Abschlusskundgebung findet auf dem Lindenplatz statt. Foto: Andreas Germann/Radio Gütersloh.

Im Februar wird in Halle-Kölkebeck die Leiche der seit dem 14. Oktober 2011 vermissten Hallerin Nelli Graf gefunden. Damit bestätigt sich der Verdacht der Polizei, dass die 45jährige ermordet wurde. In der Haller Johanniskirche findet ein Trauergottesdienst statt, an dem 500 Menschen teilnehmen. Im Frühjahr werden 5000 Männer aus Halle zu einem Massen-Gentest vorgeladen.

Am 1. Juli wird das Lindenbad (Hallen- und Freibad) für immer geschlossen.

Geschichtspfad Haller ZeitRäume Haller Loge


Der Geschichtspfad rund um die Kaffeemühle wird eröffnet, ein Gemeinschaftsprojekt des Museums Haller ZeitRäume und der Bürgerinitiative Haller Loge, freundlich unterstützt durch die Stadt. Das Foto zeigt eines der Lesepulte des Geschichtspfades. Foto: Haller ZeitRäume.

Zum 1. September nimmt das Jobcenter Kreis Gütersloh im neuen Gebäude an der Kättkenstraße seinen Dienst auf. Rund 40 Mitarbeiter kümmern sich dort um die Belange von Menschen ohne Erwerbsarbeit.   

Mitten in der Innenstadt, im ehemaligen Wohnhaus und Atelier des Malers Sigmund Strecker eröffnet das Sigmund-Strecker-Museum, initiiert von Bernhard Strecker, dem Sohn des Künstlers.

Am 6. November gibt das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig grünes Licht für den 12,6 km langen Lückenschluss der A 33 zwischen Steinhagen und Borgholzhausen. Damit endet der mehr als 50 Jahre währende Streit um die Trassenführung. Zum ersten Spatenstich am 17. Dezember erscheint auch Bundesverkehrsminister Ramsauer.

Bürgermeister 1969-1994

2013

Am 5. Januar stirbt im Alter von 93 Jahren stirbt Halles Ehrenbürgermeister Wilhelm Bentlage. Er war ab 1969 für 25 Jahre im Amt. Zu den Ereignissen seiner Amtszeit gehörten die Auflösung des Kreises Halle/Westfalen 1973 und die Städtepartnerschaft mit dem französischen Ronchin 1984.

Am 16. April versetzt das Verschwinden der Zeitungsbotin Gabriele Obst die Haller Bevölkerung in Schrecken. Zehn Tage später wird die 49jährige an der Großen Egge erschossen aufgefunden.

An einem nassen Junitag wird das Richtfest für das neue Lindenbad gefeiert.

Der Bau der A 33 beginnt im August mit den Brückenarbeiten in Tatenhausen.

Mit der Asphaltierung der Graebestraße verschwindet die letzte historische Kopfsteinpflasterstraße aus dem Haller Stadtbild.

Im November bekommt Halle mit dem Geschichtspfad Waldbegräbnisse am Lotteberg ein zweites "OutdoorMuseum" nach dem 2012 eröffneten "Geschichtspfad Kaffeemühle" am Bergkamp.

Bau A 33 - Rodung des Waldes

2014

Vom 13. Januar an werden in Halle 10 Hektar Wald für den Bau der A33 abgeholzt. Die Bürger verfolgen teils wehmütig teils fasziniert das rasche Werk des so genannten "Harvesters" (Vollernter). Dort an der Aufmündung der Alleestraße auf die Westumgehung entsteht ein Verteiler für Autobahn, Umgehungsstraße und Innenstadt. Foto: Haller ZeitRäume.


Neues Hallenbad in Halle/Westfalen

 

Das neue Lindenbad, ein "Gartenhallenbad" mit großer Liegewiese, wird am 14. März eingeweiht. Es ersetzt am gleichen Standort das Freibad von 1926 und das Hallenbad von 1973. Beide waren 1988/89 zu einem Spaß- und Freizeitbad umgebaut worden (siehe oben). Foto: Wolfgang Kosubek. 

Eingangschild der neuen Gesamtschule Halle Westfalen

 

Die neue Gesamtschule Halle öffnet am 20 August im Schulzentrum Masch ihre Türen für die 108 Kinder des ersten Jahrgangs. Die Schule ersetzt die Haupt- und Realschule, die in in den folgenden Jahren auslaufen. oto: Wolfgang Kosubek.

In Künsebeck wird im Oktober ein eigener Feuerwehr-Löschzug gegründet - auch im Hinblick auf die in Künsebeck bereits angesiedelte Industrie, die geplante Autobahnzufahrt und das neue Gewerbegebiet.


 

Ebenfalls im Oktober kann die Haller Südumgehung für den Verkehr freigegeben werden. Die Innenstadt ist dadurch für durchfahrende LKW gesperrt und der der jahrzehntelange Kampf der Anwohner gegen den Schwerlastverkehr auf der B 68 beendet. Gleichzeitig wird das interkommunale Gewerbegebiet Ravenna Park südlich von Künsebeck eröffnet.


2015

 

Der Bau der A33 ist in vollem Gange. Auf den Wiesen am Haller Ortsrand entstehen vier neue Wohnsiedlungen, drei davon am Künsebecker Weg. Entlang der B 68 sind neue Bauprojekte geplant. Dafür werden das 148 Jahre alte Hotel Schmedtmann und das Fachwerkhaus Mittelberg im März abgerissen. Viele Haller sehen zu, wie sich das Gesicht ihrer Stadt tiefgreifend verändert.

Eine Bürgerinitiative kämpft für einen Stadtpark nache der Kreisberufsschule unter Einbeziehung der alten Eichen des ehemaligen Hofes Hartmann (Halle Nr. 1).

Halle gibt mehr als 360 Flüchtlingen eine Unterkunft. Die meisten von ihnen kommen aus Syrien, das vom Bürgerkrieg zerstört ist. Viele Haller engagieren sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. Die Stadtverwaltung, das Deutsche Rote Kreuz, das MehrGenerationenHaus und die Volkshochschule koordinieren die Versorgung mit dem Nötigsten - darunter Deutschkurse.

Im September verschwindet mit der "Lettow-Vorbeck-Straße" die letzte Haller Straßenbenennung aus der Zeit des Nationalsozialismus. Die Anlieger, darunter die evangelische Kirche, erhalten "Martin-Luther-Straße" als neue Anschrift.

Die Gaststätte Grünenwalde wird abgebrochen. Das Anwesen auf dem Weg nach Werther war einst "Sommerfrische", kurzzeitig Gefechtsstand einer SS-Panzerdivision, später Ausflusglokal, Diskothek und Bordell.

Als Ereignis wahrgenommen wird die Eröffnung des Gerry-Weber-Outlets im Ravenna-Park am 7. November. Mehrere hundert Kundinnen und Kunden warten bereits gespannt vor den Türen. Auch der benachbarte  Werkverkauf des Süßwarenriesen Storck erhält großen Zulauf. Die Volksbank renoviert ihre Haller Zentrale für 3,8 Millionen Euro.

Anfang Dezember wendet sich die Haller Bürgermeisterin an die Bevölkerung mit der Bitte, Flüchtlinge aufzunehmen.


2016

Der Abriss der Hochhäuser am Sandkamp - einst Aushängeschild für modernes Wohnen - wird für das Jahr 2017 geplant.

Das Künsebecker Mahnmal, eine weinende Mutter mit ihren Kindern, wird im Juli frisch aufgearbeitet der Offentlichkeit übergeben.


2017

Nur einen Monat nach dem Richtfest geht das neue Clubhaus des SC Halle in der Nacht zum 16. Juni in Flammen auf - und mit ihm 600 ehrenamtliche Arbeitsstunden.

Zum 25. Mal findet in Halle das bundesweit beachtete Tennisturnier "Gerry-Weber-Open" statt. Am 25. Juni überzeugt Roger Federer zum neunten Mal mit einem Sieg - er bezwingt Alexander Zwerew aus Hamburg mit 6:1 und 6:3.





 


Fehlt Ihnen ein Datum oder Ereignis? Kontakt...



Wir danken dem Haller Kreisblatt für die Möglichkeit, umfassend im Zeitungsarchiv zu recherchieren. Ebenso danken wir Martin Wiegand vom Museumsteam, der diese Möglichkeit ehrenamtlich regelmäßig und gewissenhaft wahrnimmt.