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Heinrich Strakerjahn

Lernen dürfen!

Seine Stimme haben die Mädchen und Jungen nie gehört, und doch konnten sie seinem Unterricht folgen und lernen. Taubstumme Kinder waren die Schützlinge von Heinrich Strakerjahn.
Dass ein Bauernsohn aus Halle das Realgymnasium in Bielefeld besuchte, war um 1870 schon ungewöhnlich, zumal es noch keine Eisenbahn sondern nur den Pferde-Omnibus des „Haller Willem“ gab. Doch der 1856 geborene Heinrich Strakerjahn schaffte es. Er wollte Lehrer werden.
Die Ausbildung in Petershagen lag noch nicht lange hinter ihm, als die dortige Taubstummenanstalt eine Lehrkraft suchte. Das erschien dem jungen Mann interessant…

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Exponat: Heinrich Strakerjahn

Fortsetzung

Einige Zeit später, mit 26 Jahren, wechselte er als Taubstummen-Lehrer nach Lübeck. Hier unterrichtete er zunächst gehörlose und stotternde, dann auch „schwachbegabte“ und epileptische Mädchen und Jungen. Strakerjahns wichtigste Forderung war die Einführung der Schulpflicht für diese Kinder — und tatsächlich setzte er sich damit durch! Auch eine entsprechende Schule zu gründen und als Direktor zu leiten, wurde ihm erlaubt. Seine Lehrmethoden erwiesen sich als sehr erfolgreich. Um aus seinem Fachwissen zu schöpfen, hospitierten über 50 Pädagogen aus dem In- und Ausland bei ihm in Lübeck. Zudem bildete er angehende Lehrerinnen aus und verfasste Artikel für Fachblätter. Strakerjahn gilt damit als Pionier der Sonderpädagogik. Für seine Verdienste wurde er schon 1913 mit dem Ehrenkreuz des Fürstentums Lübeck ausgezeichnet.
Nach 40 Jahren im Einsatz kehrte Heinrich Strakerjahn 1923 auf den elterlichen Hof zurück. In Halle genoss der pensionierte Schulleiter hohes Ansehen, man bat ihn um Vorträge, sein Wort hatte Gewicht. So konnte Strakerjahn sogar das Hagedorn-Denkmal am Bergkamp retten, als die NSDAP 1938 mit dessen Zerstörung drohte — aber das ist eine andere Geschichte…

Katja & Wolfgang Kosubek