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Stadtgeschichte

Erfahren Sie mehr über die Geschichte der Stadt Halle Westfalen.

1948

Lust auf Mode…

In Halle entstehen weitere Frauenarbeitsplätze in der Textilindustrie. Emil Hardieck errichtet am Klingenhagen eine Fabrik für Herrenbekleidung. Die Firmen Bösebeck (Alleestraße) und Meyer & Höpfner (Alleestraße, Ecke Schlammpatt) produzieren viele Jahre erfolgreich Damenmode in Halle. 1973 gründen Udo Hardieck und Gerhard Weber die „Hatex Gerhard Weber KG“. 1986 wird der Markenname Gerry Weber geschafften. Die Firma wird 1989 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

1947

Lust auf Süßes!

Nach den Entbehrungen des Krieges ist die Lust auf Essen, gerade auf Süßes, groß. Die Firma August Storck KG, ehemals Werthersche Dampf-Zuckerwarenfabrik August Storck, siedelt sich in Halle an. Der Gründer war August Stork genannt Oberwelland († 21. August 1924). Die Firma entwickelt sich zum größten Süßwarenhersteller Europas und zum wichtigsten Arbeitgeber für Halle und Umgebung. Das Bild zeigt ein Körbchen für Schokolade aus den 1950er Jahren. Foto: Haller ZeitRäume.

1946

Die Kunst hat überlebt

Mit der Verleihungsurkunde vom 19. Juni erhält Margarete Windthorst den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis. Haller Maler (wie hier Hermann Goercke) schaffen während der Nachkriegszeit Aquarelle und Zeichnungen von Haller Stadtansichten, in den ersten Jahren im Tausch gegen Lebensmittel. Schauen Sie dazu in unsere Ausstellung „Halle gemalt“…

1945

Blutiger Frieden

Wenige Tage vor Kriegende werden im Waldlager sieben Russen von der Gestapo Bielefeld erhängt. Der NSDAP-Kreisleiter lässt Akten brennen. SS-Formationen auf dem Rückzug erscheinen in Halle. Am Ostermontag, den 2. April 1945, rücken in Halle amerikanische Truppen ein. (Foto). Ein einzelner Schuss tötet den Steinmetz Wilhelm Schmidt. Die befreiten Zwangsarbeiter erschlagen bei einem Rachezug gezielt neun Künsebecker. Am 4. November 1945 stirbt in Eggeberg die kanadische Crew eines Flugzeugs, das Penicillin geladen hatte. Mehr finden Sie im ZeitRaum 3 Nationalsozialismus.

1944

Kriegsschauplatz Künsebeck

Auf dem Künsebecker Hellberg gibt es eine Flak-Stellung, unweit der nachts beleuchteten Scheinanlage und der Rüstungsfabrik Dürkoppwerke. Zwangsarbeiterinnen des Waldlagers ziehen durch Künsebeck und bitten um Arbeit, Essen und Kleidung. Im Gasthof Tatenhausen hat das Luftwaffenbekleidungsamt ein Materiallager – die Bielefelder Hauptstelle ist bombengefährdet. Bei einem unübersichtlichen Abwehreinsatz gegen ein amerikanisches Bombergeschwader am 27. November über Ascheloh schießen sich zwei deutsche Jagdflieger versehentlich gegenseitig ab. Beide ME 109-Piloten können sich mit Fallschirmen retten.

 

 

1200

Halle in Ravensberg

Halle liegt im Herzen der Grafschaft Ravensberg. Die Grafen residieren um 1200 auf der Burg Ravensberg bei Borgholzhausen. Hier gibt es einen Pass durch den Teutoburger Wald und einen steilen Bergrücken, auf dem die Burganlage errichtet ist. Der Stein zeigt Hermann IV. zu Pferde, auf dem Schild das Sparrenwappen. Die Ravensberger verlegen ihren Amtssitz um 1250 auf die Burg Sparrenberg bei Bielefeld. Die enge Bindung zwischen Halle und Bielefeld bleibt über Jahrhundete bestehen.

1941

Kriegsalltag

Der Krieg ist in Halle angekommen: Verdunkelung, Ehemänner in Uniform, aber auch das Führerbild an der Wand gehören zum privaten Alltag. Halle ist in Blocks und Zellen eingeteilt. Die zuständigen Luftschutzwarte sind benannt. Die NSDAP-Ortsgruppe Halle hat jetzt 300 Mitglieder. Davon befinden sich 100 im „Wehrdienst“. Immer öfter erreichen Todesbenachrichtgungen die kleine Stadt.

1943

Luftkrieg

Zum Schutz gegen Kriegseinwirkungen lagert das Amtsgericht Halle die Strafregister  von Bielefeld, Duisburg, Krefeld und Düsseldorf ein. Ausgebombte Großstädter finden Zuflucht in Halle. Es gibt noch ein Zivilleben: Im März findet im Kreishaus die Ausstellung „Minden-Ravensbergische und Lippische Künstler“ satt, darunter die Maler Wilhelm Raabe und Max Tietz aus dem Kreis Halle. Am 29. Dezember stürzt ein britischer Halifax-Bomber mit dem Ziel Berlin nahe der Kaffeemühle ab. Die Besatzung springt mit Fallschirmen ab, wird gefangengenommen und in Halle verhört.

1942

…unter Zwang

Ende März werden die jüdischen Familien Isenberg und Herzberg aus Halle abgeholt und über Bielefeld Hbf in die Vernichtungslager deportiert. Das Bild zeigt die ermordete Klara Isenberg und ihren Bruder Hans, der nach Südafrika entkommen konnte (Foto aus Privatbesitz). Die Dürkoppwerke in Künsebeck werden als geheimer Kriegauftrag errichtet, finanziert durch das Deutsche Reich. Es ist der reichsweit größte Rüstungsbetrieb für 3,7 cm Flugabwehrkanonen (FLAK) . In der Produktion werden 2000 Arbeitskräfte eingesetzt, darunter Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, die im Waldlager Künsebeck leben.

1940

„Du sollst nicht töten“

Am 12. Juli wird Christian Schalck aus Künsebeck wegen „Wehrkraftzersetzung“ in Berlin hingerichtet. Als überzeugter Christ und „Bibelforscher“ (Zeugen Jehovas), achtete er das 5. Gebot „Du sollst nicht töten“ und verweigerte den Kriegsdienst. Foto aus Privatbesitz.

Bereits am 5. April wird der ehemalige Schulrektor Christian Frederking 80 Jahre alt und erhält für seine Verdienste  – auch als Vorsitzender des Verschönerungs-Vereins – eine Ehrenurkunde, die zeitweilig als Ehrenbürgerschaft missdeutet wurde.

1939

Großerereignisse vor Kriegsbeginn

Der Kreisparteitag der NSDAP Bielefeld-Halle findet am 14. Mai in Halle statt. Das Motto ist „Kampf der Landentvölkerung“. Einige Bauernfamilien bekommen Plätze auf der Ehrentribüne. Durch die geschmückte Innenstadt ziehen die Formationen auf den Sportplatz an der Masch. Am 16. Juni erhält die Haller Flieger-HJ ein Segelflugzeug, anlässlich der „Westfalenfahrt der Alten Garde der NSDAP“. In der „Sommerfrische“ Grünenwalde trägt sich Reichsorganisationsleiter Robert Ley ins Buch der Stadt ein. Am Laibach entsteht ein Sportstadion, das im NS-Sprachstil „Osning-Kampfbahn“ genannt wird.

1938

Ein „Ja!“ zum Führer

Am 10. April begeht das nationalsozialistische Halle die „Wahl“ zum Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Im Kreis Halle stimmen 98,9 % der Bürger mit „Ja“ und bestätigen damit die Politik Hitlers. Im Haus Adolf-Hitler-Straße 37 eröffnet die NSDAP am 1. Mai ein Parteibüro. Die Bauerschaft Oldendorf wird am 1. Oktober eingemeindet. Statt 2.500 zählt Halle jetzt 3.250 Einwohner. Die Kreissparkasse bezieht an der Kättkenstraße ein eigenes Gebäude. Direktor ist Georg Wefelmeier (bis 1969).

1937

Schützenfest mit Hakenkreuz

Auf Betreiben der NSDAP soll das Hagedorn-Denkmal am Fuß der Kaffeemühle wegen vermeintlich freimaurerischer Texte und Symbolik abgebrochen werden. Die Firma Stern wird an die Johann Borgers KG in Bocholt verkauft. Die jüdische Familie Stern wandert in die USA aus. Partei und Gesellschaftsleben vermischen sich: Beim 100. Schützenfest wird der NSDAP-Kreisleiter Hermann Eiter Haller Schützenkönig. Das Foto ist ein Standbild aus dem damals gedrehten Film „Schützenfest 1937“. Film/Foto: Privatbesitz.

1936

Neue Straßennamen

Am 2. April wird die Kreiswohnstättengenossenschaft (KWG) gegründet. Sie soll Arbeit im Wohnungsbau schaffen und „geeigneten“ Arbeitern die Möglichkeit geben, ein Siedlungshaus zu bauen. Die Lange Straße erhält am 20. April den Namen Adolf-Hitler-Straße. Hitler schickt ein Dankschreiben. Die Kättkenstraße wird in Hermann-Göring-Straße umbenannt, die Alleestraße in Straße-der-S.A. Die neue Lettow-Vorbeck-Straße – Namensgeber ist ein Afrika-General – soll das „koloniale Wollen“ des NS bezeugen. In Halle findet der Kreisparteitag der NSDAP statt.

1935

Berufsschule öffnet

Der Kreis Halle errichtet an der Kättkenstraße eine Kreisberufschule. Als Gründer gilt der Gewerbeoberlehrer und Kunstmaler Hermann Goerke (1891-1977). Der damalige Landrat Emil Leweke (1893-1959) verwehrte Goerke die offizielle Leitung der Schule.

1934

Nationalsozialitische Feste und Feiern

Auf dem Schützenberg findet im Juni eine nationalsozialistische Sonnenwendfeier statt. Im November legt das NS-Jungvolk in der Nähe einen Findling nieder, dessen Inschrift Langemarck an die jungen Kriegsfreiwilligen erinnert, die 1914 in der gleichnamigen Schlacht gefallen waren.

In Halle eröffnet die erste Tankstelle. Eine Reparaturwerkstatt ist angeschlossen.

1934

Reichsarbeitsdienst in Hesseln

Der Reichsarbeitsdienst (RAD) errichtet das Lager Ravensberg in Hesseln. Die „Arbeitsmänner“ entwässern die Masch, bepflanzen die Kahle Egge und übernehmen Straßenbauarbeiten. Der Kirchplatz, vormals ein „Tummelplatz für Kinder“, wird vom RAD als Grünanlage gestaltet.

Im so genannten evangelischen „Kirchenkampf“ stehen die Haller Pastoren Emil Nase (Bekennende Kirche) und Johannes Hoensch (Deutsche Christen) gegeneinander, was auch die Gemeinde sehr bewegt. Pastor Nase geht 1935 in den Ruhestand.

1933

NSDAP an der Macht

Details zur NS-Zeit in Halle/Westfalen finden Sie auch im ZeitRaum 3 Nationalsozialismus. Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler wehen am 30. Januar wehen erstmals Hakenkreuzflaggen in Halle (Amtsgericht, Amtshaus, Krankenkasse). Am 1. April ruft die NSDAP zum Boykott jüdischer Geschäfte in Halle auf. Die Schlachterei von Moritz Isenberg und das Modegeschäft von Ida Herzberg werden in den folgenden Jahren durch Kampagnen der NSDAP-Ortsgruppe ruiniert. Ebenfalls am 1. April bekommt Halle sein erstes Kino, die „Ravensberger Lichtspiele“ (Rali), mit 200 Plätzen.

1932

Halle bleibt Kreisstadt!

Erneut gibt es Pläne, den gesamten Kreis Halle aufzulösen. Werther soll Herford zugeschlagen werden, Versmold, Warendorf und Halle dem Nachbarkreis Wiedenbrück. Heftiger Protest der heimischen Bevölkerung führt am 2. Februar zur Aufhebung des Beschlusses. Zollamt und Finanzamt in Halle wurden im Zuge allgemeiner Sparmaßnahmen jedoch bereits im Januar aufgelöst.

1931

Gründung der NSDAP-Ortsgruppe

Die NSDAP-Ortsgruppe Halle wird Mitte Oktober im Gasthof Schürmann am Lindenplatz gegründet. Am 31. Oktober tritt sie mit einem Propagandavortrag im Saal Hollmann erstmals öffentlich in Erscheinung. Es spricht der Bielefelder NSDAP-Stadtrat Emil Irrgang (1890-1951). Der Stahlhelm – Bund der Frontkämpfer hält am 1. November mit 500 Kriegsveteranen einen Fahnenmarsch durch Halle ab. Zeitgleich veranstaltet die evangelische Gemeinde im Martin-Luther-Haus ein Wohltätigkeitskonzert für die Winterhilfe

1930

Männer singen

Das Denkmal für den Minnesänger Walther von der Vogelweide wird am 29. Juni vom Männergesangsverein Ravensberg mit einem Konzert eingeweiht. Es wurde vom Haller Steinmetzbetrieb Schmidt aus Findlingen zusammengefügt. Jährlich hält der Verein hier ein Pfingstsingen ab – am Pfingstmontag in aller Frühe.

Am 14. März findet in der Gaststätte Gerholds in Hörste erstmals eine NSDAP-Veranstaltung statt.

1929

Personalia

Amtmann Karl Wolf (1864-1952, Foto) geht nach langen Dienstjahren in den Ruhestand. Neuer Amtsbürgermeister in Halle wird am 1. April der 33jährige Eduard Meyer zu Hoberge (1898-1990).  Er bleibt während des Nationalsozialismus und bis 1946 Bürgermeister. Anschließend ist er bis 1963 als Amtsdirektor in Halle tätig.

Am 10. Juli hat das „Fräulein vom Amt“ ausgedient. In Halle und Werther werden der „Selbstanschlußbetrieb“ und dreistellige Telefonnummern eingeführt. Die Haller können nun über die Wählscheibe – ohne Vermittlung – ihre Telefonverbindungen herstellen.

1925

Goldene Zwanziger

Der Neubau der Mittelschule wird eröffnet. Er schließt sich an den Bau der Volksschule in der Bismarckstraße an. Halle bekommt am Gausekampweg eine Badeanstalt. Der Neubau der Kreisverwaltung an der Ravensberger Straße wird am 5. November eingeweiht. Von dem Bielefelder Architekten Wilhelm Oldemeier stammte der Entwurf, Professor Karl Muggly von der Werkkunstschule Bielefeld gestaltete die farbenfrohe Innenausstattung. Im neuen Kreishaus mieten das Finanzamt, das Zollamt und die Kreissparkasse Geschäftsräume. Dem Neubau musste der altehrwürdige Meinders-Hof weichen.

1923

Kohle & „Kohle“

Durch die französische Ruhrbesetzung herrscht ein dramatischer Kohlenmangel. Dieser führt zu einem letzten Versuch, im Katharinenstollen der Zeche Halle Kohle abzubauen. Ohne Erfolg. Außerdem in diesem Jahr: Als Folge der Inflation taucht in der Kollekte der evangelischen Kirche im August der erste Millionenschein auf. Schlechte Zeiten in Halle: Die Firma Güttgemanns kauft zu „höchsten Tagespreisen“ Felle auf – auch Katzen und Maulwurfsfelle. Die „Zwangs-Fleischer-Innung“ bittet die Kunden, Einwickelpapier selbst mitzubringen. Aus der Höheren Privatschule entsteht in diesem Jahr die städtische Mittelschule

1922

Freie Fahrt!

Der Kreistag beschließt, vom 14. März an im Kreis Halle die Schlagbäume abzuschaffen, an denen vormals Chausseegeld bezahlt werden musste. Die „Schlagbäume mit allem Zubehör“ werden am 5. Juli vor Ort meistbietend versteigert. Außerdem in diesem Jahr: Die Nachtwächterstelle in Halle wird neu besetzt. Gaststätte Grünenwalde veranstaltet Konzerte, anschließend Tanz.

In Künsebeck wird im Oktober ein Kriegerdenkmal eingeweiht. Doch es ist eher ein Mahnmal gegen den Krieg: Weinende Mutter mit ihren Kindern, nach dem Entwurf von Fritz Schlienkamp.

 

 

1920

Bildung für’s Volk

In Halle finden ab Januar erstmals Volkshochschulkurse statt. Ziel der Vorträge ist die Förderung von Bildung und Selbstbewusstsein der deutschen Bevölkerung nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg. Die 1904 eingerichtete Kreiswanderbibliothek mit Zentralstelle im Haller Kreishaus stellt ihre Arbeit ein, zugusten von Leihbüchereien in den Gemeinden. Ein Schachverein Halle i.W. lädt ab Dezember 2x wöchentlich zum Brettspiel ein.

1921

Not macht politisch…

In Halle liegen zu Jahresbeginn die Fabriken still. Durch einen Streik der Bergarbeiter in Ibbenbüren, kann die NIKE (Niedersächsische Kraftwerke AG)  keinen „Kraftstrom“ liefern. Die Versorgung mit „Lichtstrom“ ist gewährleistet. In vielen Haller Haushalten gibt es noch Petroleumlampen und erst seit Kurzem auch „elektrisch Licht“.

Der Deutschnationale Volksverein feiert am Sonntag, den 16. Januar eine Erinnerungsfeier zur „Gründung des deutschen Kaiserreiches vor 50 Jahren“. Seit zwei Jahren ist Deutschland allerdings schon eine Republik.

1919

Vergnügen im Verein

In Halle werden mehrere Vereine gegründet. Ein „Gesellschaftsklub Gemütlichkeit“ formiert sich sich. Am 7. November gründen 15 junge Fußballfreunde in der Gaststätte Schmedtmann den Sport Klub Halle (später SC Halle). Die populäre Sportart ermöglicht in den folgenden Jahrzehnten die Integration neuer Haller: Zugezogene, Flüchtlinge, „Gastarbeiter“ und andere Menschen mit Migrationsgeschichte.

1919

Die „schlechte Zeit“

In Halle, namentlich in Künsebeck, herrscht Wohnungsnot. So genannte Schlafgänger mieten stundenweise ein Bett. Am 14. März wird in Halle die Baugenossenschaft Eigen Heim gegründet, die preiswerten Wohnraum schaffen will.

Die Bauernhöfe im Haller Umland sind das Ziel der Hamsterfahrten von Großstädtern. Ein Dr. Jaimann aus Münster vermutet reiche Kohlevorkommen im Teutoburger Wald. Mit den Versprechen einer Förderung von 10-20 Tonnen täglich wirbt er im Juni Geld für seine Bergbauexpedition ein. Kurz darauf stellt sich dies als „Spuk“ bzw. Betrugsversuch heraus

1918

Haar für U-Boote

In Halle wird das Bielefelder Kriegsnotgeld eingeführt. Im Sommer findet abermals eine Frauenhaarsammlung des Roten Kreuzes statt. Das Haar wird für den U-Boot-Bau benötigt. Bei Kriegsende rücken Trupps geschlagener Soldaten  in Halle ein, wo ihre Einheiten demobilisiert und sie in die Heimatorte entlassen werden sollen. Der Anblick dieser zerrütteten „Überreste stolzer Regimenter“ berührt die Hallerinnen und Haller tief, manche wenden sich weinend ab. Im November wird die Republik ausgerufen. Ein Soldatenrat bildet sich in Brunes Dreschhalle, ein Volks- und Arbeiterrat tritt in der Turnhalle der Volksschule zusammen.

1917

Kriegsopfer…

Für die Waffenschmieden des Ersten Weltkrieges müssen am 11. August zwei der Bronzeglocken der Johanniskirche abgeliefert werden. Geschmückt werden sie von den Hallern zur Bahnlinie geleitet. Das Läuten der heutigen Glocken von 1921 hören Sie hier…

Auf dem „Dreiecksplatz“ an der Graebestraße wird eine Hindenburg-Eiche gepflanzt, anlässlich des 70. Geburtstags des Generalfeldmarschalls.

1916

Feines Leder von Imsande

Wilhelm Imsande (1874-1962) macht sich mit einer Lederverarbeitung am Künsebecker Weg selbständig. Die Firma spezialisiert sich auf Veloursleder und hautfreundliches Leder für Prothesen – die Zahl der Kriegversehrten ist groß… In der Nacht zum 1. Mai stellen die Haller erstmals ihre Uhren auf Sommerzeit um. Außerdem erhält der Schulplatz an der Langen Straße den Namen „v. Kluck-Platz“ – anlässlich des 70. Geburtstages des Generaloberst Alexander von Kluck.

1915

Alltag im Krieg

Zu Kriegszwecken spenden die Haller ihren Schmuck und Münzen. Rektor Frederking sorgt für den Verkauf an das Städtische Museum Bielefeld, damit die Kostbarkeiten nicht verschleppt oder vernichtet werden. Durch die Einquartierung des 2. Ersatz-Bataillons Infanterie-Regiment Nr. 131 am 22. April wird Halle Garnisonsstadt. Die Soldaten blieben bis Ende Mai 1917. Foto/Postkarte: Martin Wiegand.

1914

Mobilmachung!

Der Erste Weltkrieg beginnt mit der Mobilmachung der Soldaten. Haller Bürger, wie der Bäcker Hermann Baumann, müssen innerhalb von 2 Tagen einrücken. Die Heimatfront unterstützt die deutschen Truppen durch verschiedene Sammlungen und Hilfsdienste, so wie diese kleinen Mädchen, die im September 1914 auf dem Haller Kirchplatz „Scharpie“ (Verbandsmaterial) zupfen. Foto: Ameli Nichelmann.

1912

Verwahrloste Jugend?

Um der Verwahrlosung der Jugend vorzubeugen, hat der Verein für Jugendpflege den Saal der Gastwirtin Wiegand (Lange Straße 35) angemietet. Vom 25. Februar an können sich hier „alle jungen Leute von Halle“ an drei Abenden in der Woche treffen. Spiele liegen bereit. Am 1. April gründet Wilhelm Güttgemanns (1871-1947) eine Lederfabrik an der Alleestraße (Foto um 1950, Stadtarchiv Halle (Westf.). Am 28 September wird der Neubau der Volksschule an der Bismarckstraße eingeweiht. Im Keller gibt es Brause- und Wannenbäder für die Haller Bevölkerung. Für Schüler ist die regelmäßige Nutzung verpflichtend.

1911

Feiern auf dem Schützenberg

Am 7. Oktober wird das Richtfest des neuen Schützenhauses am Bergkamp gefeiert. Am 12. Mai 1912 wird das Gebäude eingeweiht.

Im Ersten Weltkrieg sind Soldaten in der großen Halle einquartiert (Infanterie-Regiment 131). Sie schicken das Schützenhaus als Postkartenmotiv nach Hause, mit der Bemerkung, es sei hier leider „kolosal einsam“.

1910

Schlienkamps Amtshaus

Halle bekommt am 1. Juli ein eigenes Gebäude für die Verwaltung, das Amtshaus (heute Rathaus II) an der Graebestraße. Im Nebengebäude finden sich Hausmeisterwohnung und Polizeigefängnis. Das neue Haus hat allerdings gravierende bauliche Mängel, was einen zehn Jahre währenden Streit mit den betreffenden Handwerkern nach sich zieht. Der Architekt August Schlienkamp (1885-1947) entwarf das Amtshaus sowie die alte Friedhofskapelle, die Volks- und Mittelschule und die Flachsröste in Künsebeck.

1909

Wohlstand und Wachstum

Im Frühjahr gründen Kölkebeck und Hörste Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr. Im Juni feiert man rund um die Ravensburg die 300jährige Zugehörigkeit Ravensbergs zu Preußen. Am 18. November wird an der Bismarckstraße die katholische Herz-Jesu-Kirche eingeweiht. (Foto: H.W. Martens). Am Bergkamp legt der Haller Verschönerungsverein mit Hilfe privater „Baumspenden“ die Kastanienallee an und nicht weit davon entsteht eine städtische Rodelbahn – völlig windgeschützt im Wald.

 

1908

Matrosen in Halle

Der „Deutsche Flottenverein“ erhält auch in Halle einen Ortsausschuss. Eduard Kisker führt den Vorsitz. Der Verein unterstützt das Bestreben des Kaisers, die Marine auszubauen. Der Matrosenanzug für Kinder kommt in Mode.

1906

Ein neues Gesicht hinter dem Altar

Die Pfarrer Wilhelm Kluck (1841-1912, Foto) und Christoph Becker (1829-1915) werden nach 35 Dienstjahren in Halle verabschiedet. Für die Gemeinde wird eine Erinnerungsschrift mit den beiden Abschiedsreden herausgegeben.

Pastor Emil Nase (1877-1955) wird nun für die nächsten 29 Jahre am Altar stehen und im Nationalsozialismus dem regimekritischen Pfarrernotbund der Bekennenden Kirche  beitreten.

1906

Eine großzügige Spende

August Graebe, ein Tabakkaufmann aus Bielefeld, übergibt am 30. Januar der „Stiftung für die Höhere Privatschule“ 40.000 Mark. Es ist der zweithöchste Einzelbetrag, der in Halle je gespendet wurde. Das Stiftungsvermögen wurde allerdings 1923 Opfer der Inflation. Bereits 1903 hatte Graebes jüngerer Bruder, der Fabrikant Ernst Graebe, dem Haller Krankenhaus 5.000 Mark gespendet. Schwester Mathilde war in Halle verheiratet. Der Haller Rat beschließt 1906, den Brüdern eine „Graebe-Straße“ zu widmen. Mehr über die Geschwister Graebe

1905

Eröffnung der Lederfabrik

Die Westfälische Leder-Treibriemen-Fabrik Bergenthal & Cie. eröffnet am 2. Oktober ihren Betrieb an der Alleestraße.

Außerdem in diesem Jahr: Das Buch „Freud und Leid im Kreise Halle i.W. – 1800-1905“ verfasst von Kreissekretär Karl Wolf erscheint im Dezember – passend zum Weihnachtsgeschäft.

1905

Eine Eiche zu Ehren Bismarcks

Auf dem Lindenplatz wird am 1. April, dem 90. Geburtstag Ottos von Bismarck, eine Bismarck-Eiche gepflanzt.  Das Foto zeigt die feierliche Pflanzung. Im Juni 1971 stört die Eiche den Parkplatzbau und wird gefällt. (Foto: Schenkung von Klaus Kuno Neuenbäumer.)

Der Bahn hot gehört jetzt zu Halle: Am 1. Januar 2´1909 werden Umgemeindungen zwischen Gartnisch und Halle wirksam. Anschließend gehört auch der Bahnhof Halle/Westf. nicht mehr zu Gartnisch sondern zu Halle.

1904

Die Brüder Dangberg

Am 16. Juli stirbt in Minden/Nevada der aus Halle stammende „Rinderkönig“ Heinrich Friedrich Dangberg (*1830). Dangberg erwirtschaftete mit Butter und Fleisch ein riesiges Vermögen. Sein ebenfalls nach Amerika ausgewanderter Halbbruder Wilhelm Dangberg (1851-1936) überwies dem Haller Krankenhaus 1922 63.000 Mark für ein neues Röntgengerät. Diese Spende hatte er bei Auswanderern aus Halle gesammelt.

1904

Die Kaffeemühle wird Eigentum der Stadt

Die Bergkampsbesitzung mit der Kaffeemühle geht in Erfüllung des Vermächtnisses von Julius und Florenz Kisker in das Eigentum der Stadt Halle über. Der Wert wurde damals auf 18.000 Mark geschätzt.

1903

Halles erstes Automobil

Kreistierarzt Dr. Hermann Bührmann (1846-1929) ist Halles erster Autobesitzer. Dr. med. Hermann Horstmann (1871-1961) folgt ihm 1911.

1902

Der erste Film

Am 15. November erlebt Halle „lebende Photographien“ gezeigt mittels eines Kinematographen im Hotel „Deutsches Haus“. Es ist die erste Filmaufführung in der Lindenstadt.

1901

Halle soll (noch) schöner werden

Christian Frederking ruft den Verschönerungsverein von 1890 (V.V. Halle) erneut ins Leben. Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.).

Außerdem in diesem Jahr:

Die Bäuerliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft wird am 16. März gegründet. Sie heißt heute (2018) Raiffeisen Warenhandel und Raiffeisen Markt.

Das Theaterstück Der Raub der Sabinerinnen wird am 1. September im Saal des Hotels Deutsches Haus aufgeführt (Gastspiel eines Ensembles aus Hannover). Das Haller Kreisblatt verspricht „Großartiger Lacherfolg! Jubelnder Beifall!“.
 

1900

Eine bedeutende Spende

Die Eheleute Franz Heinrich (1806-1890) und Catharine Wihelmine (1815-1900) Winnebrock aus Westbarthausen vermachen der Krankenhausstiftung 94.000 Mark. Es ist bis dahin die mit Abstand größte zweckgebundene Zuwendung. Die Winnebrock-Straße erinnert daran.

Am 1.Dezember ist Werther mit 1964 Einwohnern die größte Gemeinde im Kreise Halle. Steinhagen folgt mit 1797 Einwohnern vor Brockhagen, das mit 1733 noch vor Halle mit 1711 Einwohnern liegt.

1899

Die ersten Fernsprecher

An der Bahnhofstraße wird das neue Postamt in Dienst gestellt. Darin nimmt Halles Fersprechgeschichte mit 20 Teilnehmern ihren Anfang. Eigentümer bleibt zunächst der Bauherr, Architekt Fritz Seiff (Bad Salzuflen). Erst 1926 wird die Reichspost Eigentümer. Seit 2009 dient das Gebäude anderen Zwecken.

1898

Halle unter Strom

Am 15. September nimmt das städtische Elektrizitätswerk den Betrieb auf. Kommerzienrat Eduard Kisker hatte sich auch darum verdient gemacht. 1914 wurde Halle Kunde der Niedersächsischen Kraftwerke Osnabrück (NiKe), die Eigenständigkeit endete damit. Foto: Stromzähler – Leigabe der Technischen Werke Osning.

1898

Ein Kriegerdenkmal für Halle

Am 14. August wird mit einem großen Festakt das Kriegerdenkmal auf dem Lindenplatz vor dem Amtsgericht eingeweiht. Hiermit wird an die Gefallenen dreier Kriege erinnert: Deutsch-Dänischer Krieg 1864, Deutscher Krieg gegen Österreich-Ungarn 1866 und Deutsch-Französischer Krieg1870/71.

1896

Gründung der höheren Privatschule

Die Höhere Privatschule wird gegründet. Sie eröffnet ein Jahr später, am 29. April 1897 an der Kaiserstraße 10. Gründer sind Carl Heinrich Brune (1856-1936) und Kommerzienrat Eduard Kisker (1850-1926). Man beginnt mit fünf Klassen (Sexta bis Obertertia). Rektor wird Oberlehrer Friedrich Honsel. Christian Frederking folgt Honsel 1898 als Rektor und leitet die Privatschule bis Ostern 1922. Die Privatschule wird 1923 in eine städtische Mittelschule umgewandelt. Das Foto zeigt die Schule und ihr Personal in den frühen Jahren.

Foto: Inge Stoppenbrink

1892

Eine Schule in Eggeberg

Die Eggeberger Schule wird am 15. August  eröffnet. Sie soll den Schulweg der Kinder verkürzen.

Außerdem in diesem Jahr:

In Gartnisch wird der Haller Friedhof III eröffnet. Das auf dem Gelände stehende Haus der Familie Schwake wird später von Architekt August Schlienkamp zur Friedhofskapelle umgebaut.

1892

Vereinsturnen

In Halle gründet sich ein Turnverein. Dem Verein gehört besonders in der 1930er Jahren ein großer Teil der Haller Jugend an. Um 1955 sind seine Geräteturner sehr erfolgreich.

Fotos Turnerfahne: Haller ZeitRäume

1890

Organisiertes Radfahren

Der Radfahrverein Ravensberg Halle/W. wird gegründet. In den ersten Jahren fahren die jungen Männer auf Hochrädern nach striktem Reglement, da die Unfallgefahr sehr groß war. Langstreckenfahrten führen um 1906 zu Radfahrer-Bundestreffen nach Erfurt, Nürnberg und Stettin. Der Verein sitzt bis in die 1920er Jahre im Sattel.

1889

Neuer Halt: Künsebeck

In Künsebeck hält die Eisenbahn am 22. Juli zum ersten Mal. Am 28. Juli, dem darauf folgenden Sonntag, wird die neue Haltestelle des „Haller Willem“ offiziell eingeweiht.

1887

Ausflugsziel Tatenhausen

Zu Pfingsten kommen erstmals unzählige Ausflügler aus Bielefeld und Osnabrück nach Halle, dank der neuen Eisenbahnlinie. Am Bahnhof entsteht ein Menschengedränge, wie es das Städtchen noch nie gesehen hat. Der Zug namens „Haller Willem“ erschließt Landschaft, Sehenswürdigkeiten und „Sommerfrischen“ (Ausflugslokale). Ein beliebtes Ziel das Kurbad Tatenhausen.

Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.), Postkartensammlung.

1886

Anschluss ans Schienennetz

Mit der neuen Eisenbahnstrecke zwischen Brackwede und Osnabrück ist Halle an die Welt angeschlossen. Das Bahnhofsgebäude hatte zuvor in Hannover-Süd, der Güterschuppen in Hildesheim gestanden. Fuhrmann Wilhelm Stukemeier (1851-1903) wird arbeitslos, gibt dem Zug aber seinen Rufnamen: „Haller Willem“ – und wird so unsterblich. Das Bild zeigt das alte Bahnhofsgebäude um 1960. Foto: Charly Wagemann.

Die Bevölkerung wächst und mit ihr die Kirchengemeinde. Die evangelische St. Johanniskirche wird in großem Zuge erweitert. Sie erhält ein nördliches Seitenschiff mit Sakristei.

1884

Margarete Windthorst wird geboren

Am 3. November wird auf dem Gutshof „Haus Hesseln“ die spätere Heimatdichterin Margarete Windthorst geboren. In dem großen Garten finden sie und ihre beiden älteren Schwestern ein „grünes Königreich“ in dem sie aufwachsen. Auch die umgebende Ravensberger Landschaft prägt die Heranwachsene Margarete und wird einmal ihre Erzählungen und Romane tragen.

1883

Nachrichten aus Halle

Die neue Zeitung bringt im Jahr 1883 kleine und große Nachrichten: Die Einrichtung eines Eichamtes in Halle wird erwogen. Das Bielefelder Theater gibt eine Reihe von Gastspielen in unserem Städtchen. Laut amtlicher Bekanntmachung muss mittwochs und samstags die Straße gefegt werden…

Auch der Fuhrmann Wilhelm Stukemeier, der „Haller Willem“, macht hier seine Abfahrtszeiten bekannt. Er ist eine Art „Eisenbahnzubringer“ solange es die Bahnlinie nach Halle noch nicht gibt.

Quelle: Haller Kreisblatt Archiv.

1882

Feuer auf dem Hülbrock-Hof

Auf dem Wege zu seinem Bruder in Halle, dem Pfarrer Wilhelm Kluck, sieht der spätere Generaloberst Alexander von Kluck den Hülbrock-Hof in Hesseln, dem Margarete Windthorsts Mutter entstammte, brennen.

1882

Haller Kreisblatt wird Tageszeitung

Das von Heinrich Uthmann 1844 gegründete Haller Kreisblatt – vormals eine etwas unregelmäßig erscheinende Wochenzeitung – wird unter der neuen Leitung von Hugo Hipler (1851-1899) zur zuverlässigen Tageszeitung.

In gleichen Jahr beteiligt sich das Amt Halle mit gesammelten Spenden in Höhe von 2842,62 Mark am Bau des Kaiser-Wilhelm-Denkmals auf dem Wittekindsberg an der Porta Westfalica.

1879

Halle bekommt eine freiwillige Feuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr wird gegründet.

Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.)

1876

Städtisches Krankenhaus Halle

Am 22. Oktober wird das städtische Haller Krankenhaus eingeweiht. Die Baukosten werden fast vollständig aus Spenden bestritten. Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.).

Südlich des Friedhofs I (heute südlich der Bahnlinie) wird der Friedhof II eröffnet. Hier finden hauptsächlich die Künsebecker und Bokeler ihre letzte Ruhe.

1867

Krankenhaus mit zwei Krankenzimmern

Halle erhält ein erstes (katholisches) Krankenhaus, das Paulinen-Hospital in Stockkämpen. Es verfügt über zwei Krankenzimmer und wird von Clemens-Ordensschwestern geleitet.

1866

Bildhauer Friedrich Wilhelm Dankberg

Der 1819 in Halle/Westfalen geborene Bildhauer und Stuckateur Friedrich Wilhelm Dankberg stirbt in Berlin. Seine künstlerischen Arbeiten schmücken u.a. das Schweriner Schloss, Schloss Sanssouci in Potsdam und das Rote Rathaus in Berlin. In Detmold findet sich noch heute der von Dankberg gestaltete „Delfinbrunnen“ an der Hochschule für Musik.

Foto: Wolfgang Kosubek.

1864

Abwanderung

Aus dem Amt Halle sind bisher 458 Personen ausgewandert, davon 45 aus der Stadt Halle. Einige verlassen Preußen aus politischen Gründen, die meisten aber, weil sie durch die fortschreitende Industrialisierung kein Auskommen mehr finden und zu verarmen drohen. Das Foto zeigt das Armenhaus an der damaligen Viehstraße.

Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.).

1860

Der erste Schornstein

Das heraufziehende Industriezeitalter beschert Halle durch die Firma Kisker den ersten Fabrikschornstein. Die Erlaubnis zum Betrieb eines Dampfkessels, das sogenannte Kesselbuch, befindet sich im Firmenarchiv. Foto: Haller ZeitRäume.

1859

Einweihung der neuen Synagoge

Am 14. Mai wird die Synagoge an der Viehstraße, heute Oldendorfer Straße, eingeweiht. Um 1900 ziehen einige jüdische Familien nach Bielefeld, wo 1905 eine neue glanzvolle Synagoge für 800 Gläubige eingeweiht wird. Die angemieteten Räume an der Viehstraße werden von der Haller Gemeinde aufgegeben.

Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.)

1857

Neue Hoffnung in Übersee

Allein in diesem Jahre wandern wegen des Niedergangs der bäuerlichen Handspinnerei- und -weberei 557 Menschen aus dem Kreis Halle nach Amerika aus. In Halle werden Segeltuch und Seile für die Takelage der Schiffe hergestellt und Sackleinen für die Fracht.

1856

Schulleiter Strakerjahn

Am 29. November wird Heinrich Strakerjahn geboren, der von 1883-1923 als Schulleiter in Lübeck sonderpädagogische Pionierarbeit leistet. Er dringt auf die Einführung der Schulpflicht für taubstumme, geistesschwache, stotternde und epileptische Kinder. Schulen im In- und Ausland orientieren sich an Strakerjahns Pädagogik. 1952 wird seine Wirkungsstätte in Strakerjahn-Schule umbenannt. Strakerjahn stirbt am 10. Juni 1943 in Halle. Mehr über Strakerjahns Lebensweg…

1856

Gründung der Kreissparkasse

Am 1. Oktober gründet der Kreis Halle die Kreissparkasse. Sie bezieht die ersten Geschäftsräume im Meindershof, zieht später zur Wertherstraße um, dann 1925 in das neue Kreishaus.

1850

Ein jüdischer Schützenkönig

Die 28jährige Alwine Kisker und der jüdische Buchbinder David Rosenbaum grüßen als neues Königspaar der Haller Schützengesellschaft. Im Jahr darauf heiratet Alwine den Leiter des Königlichen Kreisgerichts, Karl Bertelsmann.

1848

Ein neues Gerichtsgebäude

Halle erhält unter König Friedrich Wilhelm IV (1795-1861) das heutige Gerichtsgebäude. Das Portrait des Königs hängt noch heute dort. Die Stadt-/Amtsverwaltung mietet Räume in dem neuen Haus an. Die Justiz besaß zuvor selbst nur Mieträume. Auf der Durchfahrt von Münster nach Hannover besieht der König sich (am 29. September 1847) den Rohbau und ordnet „als Schmuck“ die Pylonen auf den Gebäudeecken an.

1848

Ein Justizminister aus Halle

Die Revolution erschüttert das Königreich Preußen: Die Bürger verlangen politische Mitsprache. Am 24. September 1848 wird der aus Halle gebürtige Gustav Wilhelm Kisker (1803-1854) für sieben Wochen preußischer Justizminister (bis 11. November).

1846

Es wird gesellig

Die Zeit der Vereinsgründungen beginnt nun auch in Halle: Eine Gesellschaft für Geselligkeit wird am 29. November ins Leben gerufen. Ihr Ziel sind „Erholung und Vergnügen im geselligen Umgange“.

1844

Die erste Zeitung

In Halle erscheint die erste Ausgabe des „Boten vom Ravensberge“, herausgegeben von dem jungen Buchdrucker Heinrich Uthmann aus Hörste. Die Zeitung erscheint jeden Samstag – allerdings mit Unterbrechungen – die revolution von 1848 kündigt sich an, und stattliche die Zensur viebietet den Druck des „Boten“ mehrmals. Später nennt der Hörster seine Zeitung Haller Kreisblatt. Heinrich Uthmanns Lebensgeschichte…

1845

Gründung einer Bürgerstiftung

Die sozialen Unterschiede zwischen wohlhabenden „Bürgern“ und einfachen „Leuten“ sind groß – auch in Halle. Die „milde Bürgerstiftung“ wird mit dem Ziel gegründet, das Gemeinwohl und die Armen zu förderm. Federführend wirkt Eduard Kisker I. in der Stiftung mit. Er spendet 20.000 Thaler für das geplante Krankenhaus und stellt ein Grundstück für eine Kleinkinderschule an der Lindart zur Verfügung. Gemälde aus Pribatbesitz.

1844

Die erste Steinstraße nach Halle

Auf maßgebliches Betreiben von Eduard Kisker (1803-1882) wird die Chaussee von Halle nach Brackwede fertiggestellt. Sie ist die erste Steinstraße, die nach Halle führt. Ab 1847 kommt Steinkohle aus dem Ruhrgebiet über die Köln-Mindener-Eisenbahn und die neue Chaussee nach Halle. Die Karte zeigt Halle kurz vor dem Bau der Chaussee, im Jahre 1837 (Karte: Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen).

 

1842

Verwaltungssitz Halle

Bei Bildung der Ämter (sie waren zuvor seit 1816 Verwaltungsbezirke) wird Halle Sitz der Amtsverwaltung. Dem Amt gehören die Kirchspiele Halle, Hörste, Steinhagen und Brockhagen an. Zum Kirchspiel Halle zählen Amshausen, Ascheloh, Bokel, Eggeberg, Gartnisch sowie Hesseln, Kölkebeck, Künsebeck und Oldendorf.

1838

Eine neue Fleischwarenfabrik

Friedrich Wilhelm Rolff gründet eine Fleischwarenfabrik. Die Firma wird 1922 zu einer Aktiengesellschaft. Sie existiert bis 1959. Das Bild zeigt den Eingang zum Fabrikgelände von der heutigen Bahnhofstraße aus.

Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.)

1838

Die Schützen laden zum ersten Fest

Auf dem Bergkamp wird das erste Haller Schützenfest gefeiert. Königspaar werden der Geometer Wilhelm Hülbrock und die Apothekerin Minna Schaeffer. Als Abschluss des Festes geben sie für ihr Gefolge einen Ball im Gesellschaftshaus des Kurbades Tatenhausen.

1837

Gründung der Schützengesellschaft

Die Schützengesellschaft Halle wird aus der Taufe gehoben.

1833

Obstbäume für den Kirchplatz

Der Kirchplatz wird mit mit 58 Obstbäumen bepflanzt – fünf Jahre nach nach der letzten Bestattung auf dem dortigen „Leichenhof“.

1830

Gründung der Selecta

In den Räumen der Groppe-Volksschule wird als Vorläufer einer höheren Schule die „Selecta“ eingerichtet. Nun können Kinder auch in Halle höhere Bildung erlangen.

1828

Ein neuer Friedhof

Halle bekommt an der heutigen Bahnhofstraße einen modernen Friedhof, der den hygienischen Anforderungen der Zeit entspricht. Zuvor wurde, trotz häufiger Proteste von „oben“, immer um die Kirche herum bestattet – „ab dem 15.4. wird nur noch auf dem neuen Friedhof beerdigt“ oder eben auf privaten Waldbegräbnissen. Die Gräber auf dem Kirchplatz werden 14 Tage nach der Eröffnung des neuen Friedhofs eingeebnet. Als einer der ersten findet Pastor Ludolph Hoermann (*1757) seine letzte Ruhe auf dem neuen Friedhof, heute Friedhof I genannt.

1827

Widerstand gegen Bielefelds Einfluss

Es gibt den Plan, den Kreis Halle im Kreise Bielefeld aufgehen zu lassen. Einflussreiche Persönlichkeiten verhinderten dieses.

1826

Das Vermächtnis Hermann Hagedorns

Am 28. September stirbt 92jährig Hermann Hagedorn und wird in Bremen beigesetzt. Hagedorn baute den Bergkamp zu einem Park aus. Auch die „Kaffeemühle“ geht auf ihn zurück. Wohlhabende Haller Familien richten sich private Begräbnisstätten auf dem Lotteberg ein, darunter die Familien Potthoff, Buddeberg, Schultz und Vogelsang.

1825

Andrang am Heilbad

Wegen Platzmangels muss das Heilbad Tatenhausen zahlreiche Gäste abweisen. Die Blütezeit der einstmals renommierten Einrichtung lag zwischen 1819 und 1889.

Kupferstich: Brandes/Tegeler 1830.

1824

Grundstücksgröße entscheidet über Steuerhöhe

In Halle finden die ersten Landvermessungen statt. Es werden Katasterkarten erstellt, aus denen die Flurstücke und deren Eigentümer zu ersehen sind. Entsprechend der Grundstücksgröße müssen Steuern gezahlt werden.

1824

Ende des Schulstreits

Mit dem Umzug der Schule in das umgebaute Groppe-Hauses (auf dem heutigen von-Kluck-Platz) geht der unsägliche Schulstreit nach 25 Jahren zu Ende. 1872 wird gleich nebenan ein massives Schulhaus neu errichtet. 1913 erwirbt der Maurermeister Heinrich-Wilhelm Grottendiek (1879-1945) das alte Groppe-Haus (Fachwerk) auf Abbruch für 850 Mark. Er versetzt es an die Alleestraße 16 und nutzt es dort als Betriebsgebäude. Das Foto zeigt ein Modell der Schule.

Foto: Haller ZeitRäume

1820

Eine neue Spritze für die Feuerwehr

Bürgermeister Peter Gustav Wilmans erwägt die Anschaffung einer neuen Wasserspritze für die städtische Feuerwehr.

1819

Abschied vom Grafen zu Stolberg-Stolberg

Am 5. Dezember wird der lyrische Dichter und Goethe-Freund Friedrich-Leopold Graf zu Stolberg-Stolberg (*1750) auf dem Stockkämper Friedhof beigesetzt. Er ruht dort in der Nachbarschaft der Verstorbenen aus der gräflichen Familie von Korff-Schmising von Schloss Tatenhausen. Während der napoleonischen Besatzung hatte er seine Heimatstadt Münster verlassen und von 1812 bis 1816 mit seiner großen Familie im Schloss Tatenhausen gewohnt.

1817

Neue Zuständigkeiten

Am 31. März wird das Versmolder Land- und Stadtgericht aufgelöst und dem gleichnamigen Gericht in Halle zugeteilt.

1816

Erster Landrat des neuen Kreises

Major Maximilian Franz Xaver Graf von Korff genannt Schmising-Kerssenbrock (1781-1850) nahm auf dem eigenen Rittergut Brincke am 1. November seine Amtsgeschäfte als erster Landrat des Kreises Halle auf (bis 1818). Er beschäftigte zwei Mitarbeiter. Der Landrat war mit Julie, einer Tochter des Dichters Graf zu Stolberg-Stolberg, verheiratet. Die Stadt Halle hatte damals etwa 1150 Einwohner, das flächengroße Brockhagen 2100.Das Bild zeigt Haus Brincke um 1900. Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.).

1815

Halle wird Kreisstadt

Nach dem Wiener Kongress 1815 wird die Provinz Westfalen geschaffen und in drei Regierungs-bezirke unterteilt. Einer davon ist der Regierungsbezirk Minden, dem zwölf ebenfalls neu gebildete Kreise angehörten, u.a. der Kreis Halle, der das frühere Amt Ravensberg (die Vogteien Halle, Borgholzhausen und Versmold) umfasst, sowie die Vogtei Werther und die Bauerschaften Steinhagen und Brockhagen.

Die Grafschaft Ravensberg existiert nun nicht mehr.

1814

Gründung der Fa. Philipp Stern

Der jüdische Bürger Philipp Stern (1789-1874) gründet eine Rohproduktenhandlung. Seine Nachkommen führen das Unternehmen erfolgreich weiter. Knapp 90 Mitarbeiterinnen sind um 1925 bei der Firma Ph. Stern beschäftigt.

1813

Spenden gegen Napoleon

Der preußische König Friedrich Wilhelm III. erklärt Napoleon den Krieg. Die Bevölkerung sammelt Spenden zur Ausrüstung ihrer Truppen unter dem Motto „Gold gab ich für Eisen“. Die Zeit der französischen Besatzung endet mit der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober. Auf dem Rückzug versorgen sich die Franzosen in Werther, Halle und Versmold mit Pferden und nützlichem Gerät.

1811

Handel nach Übersee

Halle Am 18. Januar stirbt Clamor Friedrich Hagedorn, der Sohn von Hermann Hagedorn. Er wird im Familienbegräbnis unterhalb der „Kaffeemühle“ beigesetzt (siehe auch Hagedorn-Denkmal von 1802). Seine Frau Friederike Louise geb. Schrader führt den Handel mit Leinenstoffen weiter – bis in die USA. Das Gemälde zeigt Friederike Louise um 1820

(Portait: Delius-Stiftung).

1810

Eine neue Grenze teilt die Stadt

Halle – jetzt Hauptort der Munizipalität Halle im Kanton Halle – wird durch eine neue Grenzziehung in zwei Hälften geteilt. Der westliche Teil gehört zu Frankreich, der östliche Stadtrand zum Königreich Westphalen. Mit der Gebietsneuordnung versucht Napoleon, die gegen England gerichtete Kontinentalsperre wirksamer zu machen. Das bringt den Schmuggel zum Erblühen und bereichert manchen. Wer sich erwischen lässt, wird hart bestraft. Junge Ravensberger leisten vergeblichen Widerstand gegen ihre Rekrutierung für die französischen Truppen. Von Napoleons Russlandfeldzug (1812) kehrt fast keiner von ihnen zurück.

1807

Brennstoffmangel

Mit Artikel 13 der Verfassung für das Königreich Westphalen beendet die französische Besatzungsmacht auch in Halle die Eigenbehörigheit (Leibeigenschaft)! Eine Reihe bitterkalter Winter liegt hinter den Hallern. Brennstoffmangel ist seit Jahren ein aktutes Problem. Die Wälder sind wie leergefegt, da auch Kleinholz und Laub gesammelt und verfeuert wird. Der Holzdiebstahl ist weit verbreitet, sogar Zaunlatten und Bohnenstangen werden nachts geraubt.

1806

Napoleon erobert Halle

Napoleon Bonaparte erobert das Königreich Preußen. Am 5. November treffen die französischen Truppen in Halle ein. Die Fremdherrschaft dauert von 1806-1813. Die Grafschaft Ravensberg, und damit auch Halle, wird Teil des Königreichs Westphalen, das Napoleon Bonaparte für seinen jüngsten Bruder Jérôme (1784-1860) schuf.

1803

Das Ende des Patronatsrechts

Das Iburger Patronatsrecht an der evangelischen Johanniskirche endet mit der Auflösung des dortigen Klosters im Rahmen der Säkularisation.

1802

Ein neues Denkmal im Stadtwald

Kinder und Enkel errichten Hermann Hagedorn das Denkmal im Stadtwald unterhalb der Kaffeemühle.

1801

Eine Reise wert

In diesem Jahr wird die Reisebeschreibung „Über Halle, ein lachendes Städtchen in der Grafschaft Ravensberg“ des Jöllenbecker Pastor Johann Moritz Schwager (1738-1804) veröffentlicht. Darin lobt er die neuen Waldpflanzungen und die Kunst der Haller Handwerker. Schwager berichtet ausführlich von dem entstehenden Landschaftspark der Familie Hagedorn am Haller Bergkamp.

1800

Haller Bergbautätigkeit

Mehrfach gibt es im nahen Teutoburger Wald Versuche, Erz und Kohle abzubauen. Mit eher geringem Erfolg, je nach Marktlage. Geldmangel des Königs, bzw. die Not der Bürger sind zumeist der Anlass für Bergbautätigkeit. Am 5. November 1800 ist es Clamor Friedrich Hagedorn, der unter dem Namen seiner Frau die Zeche „Louise Friederike“ gründet. Ab 1804 wird diese einfach „Zeche Halle“ genannt. 1840 lebt der Bergbau in Eggeberg und Ascheloh erneut auf, doch auch diesmal bleibt die erhoffte Rentabilität aus. Zeugnis des Haller Bergbaus ist der Katharinenstollen am Abzweig der Nordstraße von der Theenhausener Straße. Das Bild zeigt Haller Sandstein mit winzigen Kohleeinschlüssen. Foto: Haller ZeitRäume.

1784

Markenteilung

Einem Erlass Friedrichs des Großen von 1771 folgend, wird in Halle die Markenteilung durchgeführt. Wer als Haller Bürger Wohnbesitz, Geld und Interesse hat, kann in öffentlicher Hand befindliche Wiesen- und Heidegrund (im festgesetzten Verhältnis von 1:3) kaufen und nutzen. Die Fläche wird in „Scheffelsaat“ bemessen. Der Bremer Hermann Hagedorn (1735-1826), dessen Familie aus Halle stammt, erwirbt Markenteile am Bergkamp, um daraus im Sinne der Aufklärung das „Schöne mit dem Nützlichen“ zu verbinden, das heißt eine Parkanlage mit großem Nutzgarten zu erschaffen. Das umfangreiche Werk, wird von seinem Sohn Clamor Friedrich Hagedorn (1770-1811) weitergeführt und den „Eingesessenen“ der Stadt zum regen Gebrauch überlassen. Der Aussichtspunkt „Kaffeemühle“ zeugt davon. Mit der Markenteilung erhalten Grundbesitzer außerdem das Recht, private Begräbnisstätten anzulegen. Sie sind als Waldbegräbnisse zahlreich am Fuße des Knüll und des Lotteberges zu finden und werden zum Teil noch immer genutzt.

1767

Steuerpflicht

Nach der vom Magistrat aufgestellten Steuerfixationsliste hat Halle 687 Einwohner, wovon 665 steuerpflichtig sind. Die Steuerpflichtigen wurden damals eingeschätzt (fixiert).

1759

Halle im siebenjährigen Krieg

Im Gefecht um Halle während des Siebenjährigen Krieges (1757-1763) entrissen französische Truppen die Stadt am 5. Juli der alliierten Schutzmacht unter Herzog Ferdinand von Braunschweig (1721-1792). Als der Herzog davon erfuhr, entsandte er drei Bataillone nach Halle und vertrieb die Franzosen wieder. Halle sei in dem Gefecht, das damals der legendären Schlacht bei Minden (1. August 1759, 5000 Tote) voraus ging, stark beschädigt worden, schreibt Christian Frederking dazu.

1753

Kohleförderung

Im Bergwerk Schneiker fördern in diesem Jahr ein Steiger, acht Bergleute und ein Grubenjunge 22 Kubikmeter Steinkohle.

1751

Eine Orangerie im Schlosspark

Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun (1695-1773) errichtet im Auftrage des Grafen von Korff genannt Schmising im Schlosspark Tatenhausen eine Orangerie mit Gartenkasino.

Foto: Wolfgang Kosubek.

1749

Das Beinhaus wird abgetragen

Das überquellende Beinhaus (Sammelstätte für die Gebeine der Toten) an der Johanniskirche wird abgebrochen. Der an dieser Stelle geplante Bau eines Mausoleums für die auf Gut Steinhausen residierende Familie von dem Bussche wird nicht ausgeführt.

1743

Der erste städtische Haushaltsplan

Der erste städtische Haushaltplan mit 129 Reichstalern Umfang entsteht in Halle. Der Plan wird von König Friedrich II. von Preußen (dem Großen) durch eigenhändige Unterschrift abgesegnet. Im gleichen Jahr erhält Halle die Anordnung, einen Magistrat einzurichten, bestehend aus dem Bürgermeister und zwei Senatoren. Die Auserwählten fügten sich nur widerwillig, weil sie als Erfüllungsgehilfen preußischer Willkür angesehen wurden. (Büste: Deutsches Historisches Museum, Berlin)

1732

Johann Anton Kisker

Aus Spenge kommt Johann Anton Kisker (1705-1757) nach Halle und gründet eine Handelsfirma. Im Angebot sind wesftälischer Schinken, Tabak und später zunehmend Sprituosen. Als Brennerei befindet sich die Firma bis heute im Familienbesitz und wird in achter Generation von Cornelius Kisker geführt.

1726

Die Gerichtslinde wird gefällt

Der Steinhagener Ludolph Ordelheyde fällt die uralte Gerichtslinde auf dem Lindenflecken. Sie galt in Halle als Symbol bürgerlicher Freiheit. Wer Ordelheyde befugt hatte, blieb ungeklärt. Die Kirche und die Linde waren Symbole für Halles zentralörtliche Bedeutung. (Foto: Eine in Erdmannsrode erhaltene Gerichtslinde, 2micha)

1719

Erhebung zur Stadt

Am 17. April wird Halle durch ein Edikt von König Friedrich Wilhelm I (dem „Soldatenkönig“) zur Stadt erhoben. Mit seinen 156 Häusern und wohl 550 Einwohnern fällt es damit als sogenannte „Immediatsstadt“ direkt unter die preußische Finanzverwaltung. Die Akzise wird eingeführt, eine Verbrauchssteuer, die vor allem der Staatskasse dient. Gleichzeitig kommt es zur Vereinigung der Grafschaft Ravensberg und des Fürstentums Minden mit der Verwaltung in Minden.

1718

Schloss Steinhausen

Henriette Maria von Ledebur, Witwe und Herrin auf Schloss Steinhausen (Halle) und Königsbrück (Neuenkirchen), schenkt der Haller Johanniskirche eine neue Orgel. Dafür bekommt sie dort ein eigenes Kirchengestühl. Die Orgel wurde im Beisein der „sämbtlichen hochadel. Ledeburschen Familie … unter einer angenehmen Music“ eingeweiht. Das Bild zeigt Schloss Steinhausen vor 1950. (Foto: Stadtarchiv Halle/Westf.)

1707

Lotterie für eine Kirche in Hörste

Hörste trennt sich von der Mutterkirche in Halle und finanziert die neue Kirche u.a. durch eine von König Friedrich I genehmigte landesweite Lotterie. Das Bild zeigt Hörster Kirche und Gemeindehaus um 1948 (Aquarell: Hermann Goerke, Leihgabe: Stadt Halle/Westfalen).

1696

Kirchlein in Stockkämpen

Am 30. September wird die katholische Kirche in Stockkämpen von Bischof Otto Wilhelm zu Gronsfeld (1640-1713) aus Osnabrück geweiht. Freiherr Friedrich Mathias von Korff-Schmising (Schloss Tatenhausen) und Freiherr Wilhelm Franz von Wendt (Schloss Holtfeld) versprachen die Folgekosten zu tragen. Während der Bauphase warfen evangelische Bauern die Baugrube und Pflanzlöcher für die Bäume zu. (Foto: Wolfgang Kosubek)

1688

Land des Leinens

Erste Erwähnung einer Leinenlegge zu Halle. Sie ist im Hause Bahnhofstraße 4 eingerichtet und dient der Prüfung von Leinenstoffen durch den Leggemeister (legge = legen, auslegen). Der Leggestempel weist Leinen als Qualitätserzeugnis aus. Die Haller Legge begutachtet vor allem das gröbere Löwendlinnen, das aus Flachs oder Hanfgarn gewoben wird. Feinere Tuche werden in Bielefeld „unter die Lupe“, beziehungsweise den Fadenzähler genommen. Das Foto zeigt einen Ballen ungebleichten Leinenstoffes vo, Hof Banze in Hörste.

1680

Kapelle oder Folterkeller?

Ab diesem Jahr ist das Vorhandensein des ältesten Hauses der Stadt, das Spiekerhaus Kirchplatz 3, belegt. Es gibt Vermutungen, wonach das Haus im Kern schon aus dem 13. Jahrhundert stammt. Im Keller wurden Foltergeräte gefunden, aber auch eine kleine Kapelle. Die Schießscharten lassen das Haus als Teil der Kirchhofsburg erscheinen. Heute wird es genutzt als Museum für Kindheits- und Jugendwerke bedeutender Künstler, im Bild links. (Foto: Katja Kosubek)

1673

Plünderung!

Im Schatten der Raubzüge des französischen Sonnenkönigs, Ludwig XIV, plündern Truppen des katholischen „Kanonenbischofs“ Christoph Bernhard von Galen (1603-1678) Halle und Umgebung. Alle Wege zwischen Werther und Halle werden vorsorglich gesperrt. Die Ravensberger Bauern besetzen die Landwehren, unter anderem bei Brockhagen – doch sie können den Soldaten nicht standhalten. Die Glocken läuten Sturm, Bürgerinnen und Bürger suchen Schutz in der trutzigen Johanniskirche. Die weitgehend protestantische Bevölkerung ist machtlos – und hasserfüllt.

1671

Ein winziges Schulhaus

Halle erhält ein Schulhaus. Es steht direkt am Kirchplatz und wird bis 1824 genutzt. In den letzten Jahrzehnten ist es eine räumliche Zumutung für Lehrer und Schüler. So unterrichtet der Lehrer, Kantor und Küster Stratemann 1798 in dem engen, muffigen Bau ganz alleine 300 Schüler und stirbt noch im selben Jahr an Schwindsucht. Sein Schicksal löst einen 25 Jahre währenden Schulstreit aus. (Federzeichnung: Heinrich Meise)

1665

Der Gelehrte und sein Gericht

Hermann Adolph Meinders (Gemälde: Privatbesitz), seit 1713 in der Nachfolge des Vaters Gograf des Amtes Ravensberg und damit auch Verwalter des Gogerichts, wird am 31. Juli auf Schloss Steinhausen geboren. Er übernimmt 1696 das Anwesen und das Rentmeisteramt seines verstorbenen Schwiegervaters Pott an der Bahnhofstraße. Er wohnt, arbeitet und forscht dort, in dem nun nach ihm benannten Meindershof. Das Anwesen wird später (1908-1925) Sitz der Kreisverwaltung. Meinders stirbt am 17. Juni 1730 und wird in der Johanniskirche beigesetzt, wie zuvor schon Pastor Brockmann (1624-1671) und der Drost Clamor von Ledebur (1627-1690). Ölgemälde aus Privatbesitz.

1654

Mehr Rechte für Halle

Der Große Kurfürst verleiht Halle, Versmold, Borgholzhausen und Werther am 9. Januar die Weichbildgerechtigkeit (siehe auch „Wigbolde“, 1488). Diese „Weichbilder“ dürfen jetzt offiziell einen Bürgermeister ernennen und Handel mit bestimmten Waren führen, in Halle besonders mit robusten Leinenstoffen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kommt dadurch die Wirtschaft wieder in Gang. Die Bürger haben auch Pflichten: Sie  müssen Überltäter verfolgen, an Jagden auf Raubwild teilnehmen und unterstehen selbst dem „Brüchten-Reglement“.

1613

Erster Bürgermeister

Mit Hermann Bitter wird erstmals ein Haller Bürgermeister namentlich erwähnt.Er bleibt 25 Jahre im Amt (1613-1638). Gemeinsam mit seinem Nachfolger Christian Abeke (1638-1649) führt er Halle durch die wüsten Jahre des Dreißigjährigen Krieges.

Die Kaufmannsfamilien Abeke und Brune stellen in den folgenden 140 Jahren zahlreiche Bürgermeister und Pastoren, so wie auf diesem Gemälde Caspar Abeke, Bürgermeister und Teil des Magistrats um 1706. Ölgemälde aus Privatbesitz.

1609

Wir werden Preußen!

Die Grafschaft Ravensberg fällt an das Kurfürstentum Brandenburg und wird damit preußisch. Am 30. Oktober 1609 huldigen die Stände der Grafschaft Ravensberg in Jöllenbeck ihrem neuen Herrn, Kurfürst Johann Sigismund (1572-1619) – das heißt, sie erkennen seine Herrschaft an. Ölgemälde: Jagdschloss Grunewald (gemeinfrei).

1568

Brockhagen wird „unabhängig“

Brockhagen spaltet sich von der Mutterkirche in Halle ab und wird ein eigenes Kirchspiel.

1556

Höfe und Hörigkeit

„Was gehört wem?“ fragt Wilhelm V von Jülich-Kleve-Berg, der neue Herrscher über Ravensberg. Er verlangt eine Bestandsaufnahme seines Landes und seiner Leibeignen. So entsteht 1556 das „Ravensberger Urbar“. Es nennt für Halle 47 Häuser, in denen geschätzt 350 Einwohner leben. Davon waren 19 Gewerbetreibende. (Zum Vergleich: Enger hatte neun, Versmold und Bünde je drei Gewerbetreibende.) Auf dem Land sind die meisten Menschen „Eigenbehörige“. Sie gehören – als Teil es Grundbesitzes – einem Leibherrn, das kann ein Adliger oder die Kirche sein.

1540

Wasserschloß Tatenhausen wird gebaut

Henrich von Korff genannt Schmising lässt das Wasserschloss Tatenhausen im Stil der Renaissance neu errichten.

Das Kirchspiel Halle wird geschlossen evangelisch. Tatenhausen bleibt jedoch katholisch. Das Foto zeigt das Wasserschloss Tatenhausen im Jahr 1907. (Foto: Stadtarchiv Halle)

1488

Halle – ein „freier Wigbold“

Neben Borgholzhausen und Werther wird auch Halle als freier Wigbold der Grafschaft Ravensberg genannt. Wigbolde, auch Weichbilder genannt, waren Orte zwischen Dorf und Stadt, später als Minderstädte bezeichnet. Sie hatten gewisse Rechte, unter anderem wählten sie Bürgermeister und Vorsteher.

1246

Jetzt ist es amtlich!

In einer Urkunde über einen Kirchentausch wird Halle erstmals erwähnt: Am 9. Mai tauscht Bischof Engelbert von Osnabrück mit dem Kloster Iburg die Haller St. Johannis Kirche gegen die damals strategisch wichtige Kirche in Rheda. (Urkunde: Staatsarchiv Osnabrück).

Es besteht die Annahme, dass es bereits im 10. Jahrhundert eine Kirche in Halle gegeben hat – aber nun ist es amtlich!

1259

Dorp thor Halle

Das „Dorp thor Halle“ wird im Jahr 1259 als wichtiger Versammlungsort genannt. Es liegt zentral in der Grafschaft Ravensberg und auch darüber hinaus „verkehrsgünstig“ – hier kreuzen sich die Fernwege Osnabrück-Bielefeld und Herford-Münster.

Die Abbildung zeigt das Ravensberger Wappen, das noch heute den Stadtwappen von Bielefeld, Halle, Werther, Versmold und Borgholzhausen zu Grunde liegt.

1312

Das Freigericht tritt zusammen

Durch Urkunden ist bezeugt, dass es in Halle zu dieser Zeit bereits ein Freigericht (kein Femegericht) gibt. Die Verhandlungen werden spätestens seit 1351 unter einer Gerichtslinde abgehalten. Kirche und Gericht waren Symbole für Halles zentralörtliche Bedeutung.

1346

Graf Bernhard stirbt

Auf der Burg Ravensberg stirbt im September Bernhard, der letzte Graf von Ravensberg. Die Grafschaft Ravensberg fällt nun, durch die Heirat seiner Nichte, an das Haus Jülich. Das Bild zeigt die Burg Ravensberg im Winter 2011. (Luftaufnahme: Stiftung Burg Ravensberg) In der Haller Kirche findet der Trauergottesdienst für statt. Anwesend sind seine Schwägerin, die verwitwete Gräfin Margarethe, und sein langjähriger Verwalter und Vertrauter, der Jurist Reinhard von dem Wolde, Herr des Bielefelder Waldhofes. Die Beisetzung Bernhards findet in Bielefeld, vermutlich in der Neustädter Marienkirche, statt.

1351

Gerichtstag unter der Linde

Erstmals ist von der Gerichtslinde die Rede, die auf dem Platz an der Westseite des Kirchhofs steht. Hier unter freiem Himmel wird der Gerichtstag abgehalten. Die Linde wird 1726 von Ludolph Ordelheyde aus Steinhagen unter dem Vorwand einer geplanten Bebauung gefällt. Sie war also mindestens 375 Jahre alt.

1450

St. Johanniskirche wird ausgebaut

Die Haller St. Johanniskirche wird zu eng für die wachsende Gemeinde und erhält an der Südseite ein dreijochiges Seitenschiff. Der Kirchplatz dient zu dieser Zeit bereits als Friedhof. Das Foto zeigt Ost- und Nordseite der Kirche um 1910 vom Haus „Kiskers Bogen“ aus gesehen. Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.).

Zeitstrahl