Hauptmenü öffnen
ZeitRaum 7 Aufklärung & RomantikThemenwand Aufklärung Hagedorns Gärtnerhaus

Hagedorns Gärtnerhaus

Foto | Gärtnerhaus 1796, Foto um 1955
Ameli Nichelmann

Eine Allee von Obstbäumen führte hinauf zu Hagedorns Gärtnerhaus. Ein Brunnen war 1794 in den Kalkboden gesprengt und das Haus darüber gebaut worden. Der Hang wurde mit einer Sandsteinmauer abgefangen, so dass ein sonniges, windgeschütztes Gartenstück entstand. Hier pflanzte Hagedorn Weinstöcke, machte Veredelungsversuche mit verschiedenen Obstsorten und hielt neben anderem Gemüse auch eine Spargelschule.

Was „Jan Hagel“ in Hagedorns Garten anstellte, erfahren Sie unter…

… alle Details und Hintergründe

Die Exponat-Seite – das Herzstück des Museums!

Jedes Exponat hat eine eigene Seite.
Kehren Sie zurück zu
, und finden Sie weitere interessante Ausstellungsstücke.

Die Ausstellung wächst ständig.

Stöbern Sie mit Hilfe des Zeitstrahls weiter durch die Sammlung oder entdecken Sie weiter unten Informationen, die einen Bezug zum gewählten Exponat haben.

Zeitstrahl

Öffnen

Details und Hintergründe

Jan Hagel in Hagedorns Garten

Hermann Hagedorn begeisterte sich offenbar für Obst- und Gartenbau. Hinter seinem Anliegen, Standorte zu optimieren, passende Sorten zu finden und Pflanzen zu vermehren, stand zweifellos ein allgemeines naturwissenschaftliches Interesse, das in dieser Zeit der Aufklärung im Bildungsbürgertum verbreitet war. Nicht wenige ältere Herren, darunter auch Goethe, beschäftigten sich mit Sammlungen von kleinen Naturwundern, Schmetterlingen, Muscheln oder Gesteinen. Hermann Hagedorn hatte sich auf Nutzpflanzen verlegt, die er bei namhaften Züchtern bestellte und nach Halle liefern ließ.

Von Hagedorns Garten ist heute noch das Gärtnerhaus erhalten und unterhalb davon eine Sandsteinmauer, die den Hang abfing und den Garten nach Norden einfasste. An die Obstbaumzucht ist nur noch eine kümmerliche Erinnerung geblieben: eine Allee altersschwacher Pflaumenbäume auf der Wiese vor dem Gärtnerhaus.

Das Gärtnerhaus um 1950. Der Weg vorne links führt durch die Pflaumenallee. Foto: Stadtarchiv Halle (Westf.)

Die Anlage dieses Gartens, Hagedorns Zuchtversuche und das heiße Begehren der heimischen Obstdiebe, Jan Hagel genannt, schildert Pastor Moritz Schwager in seiner Reisebeschreibung „Über Halle ein lachendes Städtchen in der Grafschaft Ravensberg“ von 1801:

In eben diesem 95sten Jahre ward auch der Brunnen an der Mitte der Höhe des Berges durch Bergleute gemacht, über welchen 1796 die Wohnung des Gärtners errichtet ward. 135 Fuß ward er tief in den Felsen gehauen, oder der Felsen durch Pulver gesprengt, 6 Fuß hält er im Durchmesser, und die Wasserhöhe ist beständig 8 bis 12 Fuß. Man sollte aus diesem tiefen Felsencylinder das härteste Wasser erwarten, und doch ist es sehr weich […]

Schon unten am Fuße des Berges empfängt uns eine Allee von Obstbäumen, und führt zur Gärtnerwohnung, ein
lebhafter Gesichtspunct mit ihrem hellrothen Ziegeldache.

Von dem Herrn Pfarrer Christ zu  Kronenberg vor der Höhe erhielt Hr. H. 380 Stück Obstbäume allerley Art und Sorten, und 2200 Stück hat er bereits selbst angezogen und veredelt […] Ich mochte dem guten Manne die Gefahr nicht bekannt machen, die in der Grafschaft Ravensberg der Obstbau nach sich zieht; unser Jan Hagel hält sich eben so berechtigt zu den Früchten, als der Erbauer selbst; der Obstdiebstahl wird eben so wenig für Sünde gehalten, als das Holzstehlen, und unsere Gerechtigkeit ist in praxi gar nicht abschreckend, freylich hier etwas schärfer, dort aber auch so gelinde, daß man – sie selbst stehlen könnte, ohne viel zu wagen. Man hatte eben, als ich den Berg besuchte, ein Paar Pflaumendiebe ertappt, gegen sie um strenge Justiz gebeten, um sie und Consorten abzuschrecken; aber wird`s helfen? Der Berg ist weitläufig, die Anpflanzungen von Obstbäumen gleichfalls; kann sie ein einziger Mann verwahren?

Eine Allee alter Pflaumenbäume verläuft über die Wiese südöstlich des Gärtnerhaus. Hier befand sich Hagedorns Nutzgarten. Foto: Haller ZeitRäume.

So beliebt Herr Hagedorn auch ist, so werden diejenigen doch verbittert auf ihn werden, die er in ihrem Geschäffte stöhrt: Und stachen sie vorher aus Lust zu stechen, So stechen sie nunmehr, um sich zu rächen; und diesen Bienen Gellerts gleicht unser Räubergesindel auf ein Haar; deswegen pflanzt kein Bauer Obstbäume weiter an, ich kenne sogar einige, die ihre geerbten Bäume niedergehauen haben, um einmahl des Verdrußes los zu seyn, gegen welchen keine weitere Hülfe mehr ist.

Gerade unterhalb des Gärtnerhauses ist ein ziemlich großer Gemüsegarten angelegt, Früchte und Obstbäume wuchsen lustig, und oben beym Eingange steht ein großes Bienenhaus voll Einwohner. Höher am Berge findet man die fröhliche Obstbaumschule, und zur Seite eine Spargelschule; man kann schon jetzt Spargelpflanzen von einem bis zu vier Jahr alt verkaufen, und die Sorten sollen vortrefflich seyn. Ueber ein Paar Jahre können eine Menge junger Aepfel und Birnbäume verkauft werden, und der Gärtner legt sich auch mit gutem Erfolge auf die Erziehung des Weißdorns zu Hecken.“[1]

Die Sandsteinmauer fing den Hang ab. Unterhalb lag der Nutzgarten geschützt in einer Senke. Foto: Wolfgang Kosubek, Januar 2010.

Wissen Sie mehr?

Ganz in der Nähe gab es zu um 1900 ein weiteres Fachwerkgebäude, das kleine Storkenshaus. Heute ist davon nur eine ebene Stelle geblieben, mittlerweile umgeben von Wald.

Darüber würden wir gern mehr erfahren. Wann wurde das haus gebaut? Wer hat dort gewohnt?

Melden Sie sich gern. Kontakt…

Das Storkenshaus um 1909. Der verschneite Weg ist die heutige Storkenstraße.. Das Fachwerkhaus wurde vor 1950 abgebrochen. Leihgabe aus Privatbesitz.

[1] Johann Moritz Schwager: Halle, ein lachendes Städtchen in der Graftschaft Ravensberg, Westfälischer
Anzeiger 1801. (Veröffentlichter Reisebericht an einen Freund)