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Alexander von Kluck

Foto | um 1914
Staatsbibliothek Berlin

Den Glanz des Kaiserreichs erlebte Halle ein letztes Mal im Sommer 1918. Der Bruder des Pastors Wilhelm Kluck, der hoch dekorierte Generaloberst Alexander von Kluck, hatte im Haller Kreisblatt seinen Besuch angekündigt.

Die bürgerliche Gesellschaft in Halle erlebte diese Tage in feierlicher Stimmung. Man traf alle Vorbereitungen, um es seiner Exzellenz im Lindenstädtchen angenehm zu machen – die Straßen wurden geschmückt, Schulrektor Frederking probte Lieder und Gedichte mit seinen Schülern…

Einer der wichtigsten Plätze in Halle war schon 1916 „von-Kluck-Platz“ benannt worden – ein Geschenk zum 70. Geburtstag des Heerführers. Mehr als 100 Jahre lang – bis 2019 – sollte der Platz seinen Namen tragen.

Doch wer war dieser Alexander von Kluck und warum begeisterte er die Haller dermaßen? Mehr erfahren Sie unter…

 

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Details und Hintergründe

Wer war Alexander von Kluck?

Ein Haller Platz und seine Zeit-Geschichte

Am 11. Februar 2019 werden in Halle 11 sogenannte Stolpersteine verlegt, zur Erinnerung an ehemalige jüdische Mitbürger.

Um an eine der deportierten Familien zu erinnern wird der v. Kluck-Platz in Familie-Isenberg-Platz umbenannt. Der ehemalige Namensgeber Alexander von Kluck verschwindet dadurch aus den öffentlichen Gedächtnis.

Warum aber trug der Platz an der Langen Straße, der alte Schulort, überhaupt den Namen von Kluck-Platz? Die Antwort lautet: Weil die damaligen Stadtverordneten dies am 20. Mai 1916 so entschieden.

Die Ehrung galt nicht etwa posthum dem 1912 verstorbenen Haller Pastor Wilhelm Kluck [1], sondern dessen Bruder Alexander, der als Generaloberst des Heeres im deutschen Kaiserreich diente.

 

Die Brüder Pastor Wilhelm Kluck (links) und Generaloberst Alexander von Kluck in der Haller Gartenlaube. Foto aus Privatbesitz.

Als der Kaiser ihn am 28. Januar 1909 in den erblichen Adelsstand erhob (deshalb heißt der Platz „von Kluck-Platz“) war Alexander Kluck schon 63 Jahre alt. Er konnte auf Kriegsteilnahmen 1866 und 1870/71 zurückblicken, hatte eine steile Karriere gemacht und zahlreiche Auszeichnungen erworben.

Im ersten Weltkrieg befehligte der inzwischen 68-jährige von Kluck die 1. Armee im Feldzug gegen Frankreich. Seine Erfolge wurden nicht nur in Münster bejubelt, seiner Heimatstadt, die ihn später zum Ehrenbürger wählte, sondern auch hier. Und als er im März 1915 lebensbedrohlich verletzt worden war, eilte der Kaiser persönlich an sein Krankenbett.

Runde Geburtstage waren von jeher eine willkommene Gelegenheit für Ehrerweise. In Halle befand man Alexander von Kluck, den man ja gut kannte und im Geiste jener Zeit als Person der Weltgeschichte betrachtete, für würdig, Namensgeber für den Platz nahe Kisker’s Bogen zu werden, als dieser seinen 70. Geburtstag beging.

 

Der "Kluck-Platz" mit Kriegerdenkmal um 1930. Leihgabe von Wolfgang Elsner.

Der Besuch seiner „Exzellenz von Kluck“ – so sprach man ihn korrekt an – bei den Haller Verwandten im Sommer 1918, des letzten Kriegsjahres, war für die Kreisstadt ein großes Ereignis.

Mit Fahnenschmuck an den Häusern, Vorträgen in Lied und Text, Audienzen und Huldigungen im Hause und Garten der Familie des verstorbenen Bruders am „Berliner Tor“ (heute Lange Straße 73).

Aus Münster reiste der Journalist und Schriftsteller Peter Werland eigens nach Halle, um die Möglichkeit zu einem Interview mit dem „Sohn der Stadt Münster“, wie er den Kriegsveteran nannte, zu führen.

Wie Werland die Begegnung erlebte, veröffentlichte er später unter der Überschrift „Ein Tag beim Heerführer v. Kluck“ im Münsterschen Generalanzeiger. Er beschrieb Kluck als „Mann von glänzendsten Geistesgaben und dem unbeugsamen Willen eines echten Soldaten, auf den man mit freudigstem Stolze blicke“.

Das Wohnhaus des Pfarrers Wilhelm Kluck. Auch nach dessen Tod 1912 kam der Bruder Alexander gern zu Besuch in die Haller Sommerfrische bei seiner Schwägerin Luise geb. Kisker. Postkarte aus Privatbesitz.

Der Haller Schulrektor Christian Frederking, gleichfalls ein großer Bewunderer des hohen Gastes, widmete dem Besuch in seiner gerade erst wiedergefundenen „Chronik“ über den ersten Weltkrieg ganze acht (!) Seiten der Lobpreisung. Im sommerlichen Garten der Familie Kluck brachten seine Schülerinnen und Schüler dem Generaloberst ein Ständchen. Der „kleine Rolff“, Sohn des Haller Fleischfabrikanten, sagte ein Gedicht auf, das Frederking selbst verfasst hatte.

Halle sonnte sich im Glanz seiner Exzellenz…

So dachte und fühlte die bürgerliche Haller Gesellschaft seinerzeit. Und nichts lag darum näher, als Alexander von Kluck einen der schönsten Haller Plätze zu verehren.

Wolfgang Kosubek

24. Januar 2019

 

Die ganze Geschichte des Platzes Können Sie hier nachlesen: Dr. Katja Kosubek „Der von-Kluck-Platz in Halle Westfalen – Stadtleben und Erinnerungskultur, 2018 (PDF).

Das Haus Kluck - ein typisches Haller Fachwerkhaus, traufständig und mit Krüppelwalmdach - um 2016. Foto: Wolfgang Kosubek.

[1] Wilhelm Kluck, geboren 1841 im katholischen Münster, wurde  evangelischer Pfarrer und wirkte 36 Jahre lang an der Johanniskirche in Halle. In seine Zeit fiel der große Kirchenumbau 1886, den er maßgeblich leitete und finanziell großzügig förderte.

Wilhelm Kluck, verheiratet mit Luise Kisker, einer Hallerin, wohnte anfangs im Hause Lange Str. 71 (steht nicht mehr). Später kaufte er das von dem ehemaligen Bürgermeister Peter Gustav Willmanns erbaute Fachwerkhaus Lange Str. 73. Die letzte Ruhe fand Pastor Kluck 1912 in einer marmornen Gruft auf Friedhof III. Alexander von Kluck starb am gleichen Tage wie sein Bruder Wilhelm: am 19. Oktober. Allerdings 22 Jahre nach ihm.