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AusstellungZeitRaum 3 NationalsozialismusThemenwand Das Regime Film – Schützenfest 1937

Film – Schützenfest 1937

Filmaufnahme | 1937
Leihgabe von Horst Wellpott

Der Kreisleiter der NSDAP ist Schützenkönig! titelte das Haller Kreisblatt 1937. Der Film zeigt die Verstrickung von zivilem Gesellschaftleben und NS-Regime am Beispiel des 100. Jubiläums der Schützengesellschaft Halle. Durch einen manipulierten Sieg beim Königsschießen festigte der NSDAP-Kreisleiter Hermann Eiter (Foto Mitte) den Zugang der NSDAP zur gehobenen Haller Gesellschaft. Hier können Sie den Film starten oder zu den gezeigten Szenen eine Erläuterung lesen.

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Exponat: Film – Schützenfest 1937

Schützenfest 1937

Der Film zeigt die Verstrickung von zivilem Gesellschaftsleben und NS-Regime am Beispiel des 100. Jubiläums der Schützengesellschaft Halle. Durch einen manipulierten Sieg beim Königsschießen festigte der NSDAP-Kreisleiter Hermann Eiter den Zugang der NSDAP zur gehobenen Haller Gesellschaft. (1)
NSDAP-Kreisleiter Hermann Eiter als Schützenkönig.
Standbild Film „Schützenfest 1927“.
Am nächsten Schützenfest nahm Eiter nicht mehr Teil – wegen eines Verhältnisses zu einer minderjährigen BDM-Führerin musste er Halle verlassen.
Eberhard Wiegand, der das Schützenfest 1937 als Schuljunge erlebte, erläutert die im Film gezeigten Szenen:

Fahnenweihe 1937 - Schützen- und Hakenkreuzfahne sind eins geworden. Foto: Standbild aus dem „Film Schützenfest 1937“.

Zum Film über das hundertjährige Schützenfest in Halle 1937
– Zusammengestellt von Eberhard Wiegand –

  • Der Film beginnt mit einem Blick auf die Wertherstraße und das Haus der Schützenkönigin Frau Eleonore Denhardt, geb. Biele, der Ehefrau des Dentisten (Zahnarztes) Georg Denhardt.
  • Es folgt der Schützenausmarsch mit dem Adler über die Wertherstraße zum Schützenberg.
  • Der Spielmannszug der Abteilung des Reichsarbeitsdienstes aus dem Lager in Hesseln führt den folgenden Musikzug der Wehrmacht und das Schützenbataillon an.
  • Die Schützen werden geführt von Major Paul Wiegand, der Adler wird getragen von Wilhelm Ramforth jun., Sohn des Tischlermeisters und Schützenhauptmanns Wilhelm Ramforth, der damals die Adler für den Verein herstellte.
  • Es folgen die Schützenbrüder vor dem Hotel und Restaurant „Deutsches Haus“ am Lindenplatz während des Platzkonzertes des Musikzuges der Wehrmacht am Sonntagmorgen.
  • Denhardt junior im Bild.
  • Das Königspaar wird von der Wohnung, Textilhaus Bakker an der Bahnhofstraße mit dem Kutschenwagen der Fa. Rolff AG abgeholt. Auf dem Bock sitzt der Kutscher Haverkamp.
  • Die Adjutanten Willi Baumann (Getreidehandlung Wertherstraße) und Karl Brinkmann (Textilgeschäft Bahnhofstraße) begeben sich in die Wohnung.
  • Im Bild erscheint auch der Fuhrmann Wilhelm Johanning mit Zigarre, ferner der Nachbar von gegenüber, der Landmesser Wiemann, wie auch dessen Ehefrau, die nachsieht, was auf der Straße geschieht.
  • Es erscheint der Schützenkönig Hermann Schulte mit seinen Adjutanten, auch die Ehefrau Schulte steigt mit in den Wagen ein.
  • Vor dem Haus der Königin an der Wertherstraße trifft sich das Königspaar, hinzu gesellt sich der gesamte Thron.
  • Das Königspaar und der Thron nehmen im Garten des Hauses Denhardt Aufstellung für ein Foto (dieses Bild ist noch vorhanden).
  • Die auf der Wertherstraße bereitgestellten Kutschen werden von der Gesellschaft bestiegen zur Fahrt zum Lindenplatz.
  • Dort sind die Schützen, auch auswärtige Vereine, zur Königsparade angetreten. Als Ehrengäste sind die alten noch lebenden Königinnen und Könige sowie Vertreter der Stadt anwesend.
  • Eine neue Fahne wird geweiht. Es folgen Ansprachen von Schützenoberst Heinrich Austermann und Bürgermeister Eduard Meyer zu Hoberge.
  • Anschließend folgt der Umzug durch die Stadt. Der Ausmarsch beginnt in der oberen Bahnhofstraße.
  • Der Mann mit der Kamera (Fritz Wellpott) steht auf der Treppe des Hauses Heuermann (jetzt Schweppe).
  • Die Ehrengäste sitzen im Kutschwagen. Auf dem letzten Wagen der winkende Mann mit dem runden Hut („Ententeich“) ist der ehemalige Rektor der Höheren Privatschule in Halle, Christian Frederking.
  • Von den auswärtigen Musikkapellen kommen mehrfach ins Bild die sogenannten „Bielefelder Lampenputzer“, ein Spielmannszug der Bielefelder Straßenbahner, so genannt wegen ihres bürstenähnlichen Helmschmuckes.
  • Es folgen Bilder aus der Stadt und von der Auffahrt und dem Marsch zum Schützenberg über die Lange Straße.
  • Drei alte Damen benutzen Hof und Garten des „Deutschen Hauses“ als Weg zum Schützenberg. Eine von ihnen ist die Witwe des Geheimrates Ostkirchen.
  • Die Haller Berge mit der Kaffeemühle bilden den Hintergrund des festlichen Ereignisses.
  • Der Verleger Bratvogel erscheint im Bild.
    Das Königspaar, der Thron und die Ehrengäste nehmen Aufstellung zum Vorbeimarsch auf dem Schützenberg.
  • Der Scheibenstand für das Preis- und das Adlerschießen erscheint im Bild. Damals wurde, vor der Einführung des Kleinkaliberschießens, mit sogenannten Wehrmannbüchsen, einem umgearbeiteten Gewehr 98, auf 100 Meter Entfernung geschossen. Die Munition für diese Gewehre wurde vom Verein selbst hergestellt.
  • Im Bild erscheint der Elektromeister Walter Köhne (genannt Cäsar) mit zwei Hüten auf dem Kopf. Drei junge Mädchen amüsieren sich offensichtlich, es handelt sich um Käthe Schmidt (später Käthe Blachetta, verw. Kosubek), Marianne Peter (später Marianne Kisker) und Elfriede Linnert (später Elfriede Wienstrath).
  • Es erscheint der neue Schützenkönig, der Kreisleiter der NSDAP Eiter (damals war er noch kein Mitglied im Schützenverein).
  • Bürgermeister Meyer zu Hoberge steigt aus seinem Auto (BMW). Dann sieht man Walter Ostkirchen mit zwei jungen Damen.
  • Oberst Heinrich Austermann verlässt den Schießstand. Er ist offensichtlich verärgert über das Ergebnis des Königsschießens.
  • Abmarsch der Schützen mit Gefolge in die Stadt zum Haus der neuen Königin Else Meyer zu Hoberge (sie ist die Ehefrau des Bürgermeisters) an der Kättkenstraße.
  • Gespräch zwischen Major Wiegand, Oberst Austermann und dem neuen Königspaar. Ferner erscheinen im Bild die Brüder Walter und Arnold Ostkirchen und Dr. Werner Bratvogel sowie die beiden Polizisten Drews (blaue Uniform) und Fechner (grüne Uniform).

Der Spielmannszug beim Marsch vom Lindenplatz auf den Schützenberg. Hakenkreuzfahnen bestimmen das Bild. Foto: Standbild aus dem „Film Schützenfest 1937“.

1 Hermann Eiter (*1903 in Coblenz) war Büroangestellter. Im Januar 1933 hatte er das Amt des NSDAP-Ortsgruppenleiters Nordwest in Münster/Westfalen inne und war Mitglied der Stadtverordneten-Versammlung in Münster. Der Wechsel nach Halle in den Rang des Kreisleiters bedeutete für ihn einen deutlichen Aufstieg, insbesondere wegen der damit verbundenen gesellschaftlichen Kontakte und Einflussmöglichkeiten. Vgl. Norbert Korfmacher: Vorläufiges Mitgliederverzeichnis der Stadtverordnetenversammlung Münster 1919 bis 1933, Münster 2010, S. 10; URL: http://www.abgeordneten.info /westfalen/Muenster_1919ff.pdf [online am 8. Juli 2012].