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AusstellungZeitRaum 3 NationalsozialismusThemenwand Das Regime Langemarckstein

Langemarckstein

Stein (Findling) | November 1934
Stadt Halle/Westfalen

 

Als Vorbild für heldenhaftes Sterben galt in der HJ und im NS-Studentenbund die „Jugend von Langemarck“:

Im Ersten Weltkrieg fand es nahe des belgischen Ortes Langemarck ein Gefecht statt, bei dem 2.000 junge deutsche Soldaten förmlich niedergemäht wurden. Deutsche Militärs deuteten die Niederlage in einen moralischen Sieg um. Entsprechend berichteten die Zeitungen und trugen zur Legendenbildung bei. Der „Mythos Langemarck“ entstand.

Im November 1934 legten Haller Hitlerjungen diesen Findling im Stadtwald nieder, in Erinnerung an die vermeintlich beispielhafte Todesverachtung der „Helden von Langemarck“.

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Details und Hintergründe

Ein Vorbild für heldenhaftes Sterben

Allgemeines

Im Haller Stadtwald, am Weg zwischen der Kastanienallee und dem Begräbnis der Familie Kisker, liegt ein Findling, in den das Wort Langemarck eingemeißelt ist. Ehedem soll neben dem Stein eine Eiche gepflanzt worden sein. Die Eiche steht nicht mehr.
Von Spaziergängern wird dieser Stein meist als soldatisches Ehrenmal gedeutet und der Name Langemarck mit einem möglicherweise hochdekorierten Reichswehroffizier in Verbindung gebracht. Das trifft jedoch nicht zu.
Tatsächlich es handelt sich bei dem sogenannten Langemarckstein um ein nationalsozialistisches Monument. Es sollte die Jugend für ein heldenhaftes Sterben begeistern und so auf ihren Einsatz in einem späteren Krieg vorbereiten. Der Stein wurde im November 1934 von der Haller Hitlerjugend niedergelegt.

Der Langemarck Stein in Halle in Westfalen. Ein Findling, niedergelegt von der HJ im November 1934 im Stadtwald Teutoburger Wald

Der Langemarckstein ist Teil des Geschichtspfades rund um die „Kaffeemühle“

Die „Schlacht von Langemarck“ im Ersten Weltkrieg

Langemarck ist ein Ort in Belgien, nördlich von Ypern. In dessen Nähe fand am 10. November 1914 ein Gefecht zwischen deutschen und französischen Truppen statt. Auf deutscher Seite waren dies waren zumeist junge Kriegsfreiwillige – viele von ihnen Schüler und Studenten.[1 ]

Die unerfahrenen und unzureichend ausgebildeten Soldaten scheiterten bei dem Versuch, eine Hügelkette zu erobern. „Die Aufwärtsstürmenden waren für die von oben feuernden Schützen an den Maschinengewehren leichte Ziele und wurden förmlich niedergemäht.“[2]

Schon am Tag darauf verklärte die deutsche Heeresleitung die verlustreiche Niederlage in der offiziellen Meldung in einen moralischen Sieg: Sie bejubelte den opferbereiten Einsatz der „Jugend von Langemarck“ und ihr heldenhaftes Sterben für das Vaterland. So entstand bereits 1914 der Mythos Langemarck. Zahlreiche Denkmale, Straßen und Gebäude(teile) wurden in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus nach dem Ort des Gefechtes benannt.
Mit dieser Schlacht begann der jahrelange zermürbende Stellungskrieg des Ersten Weltkrieges.

Ein Gegengewicht setzte zur Legende von Langemarck setzte der Schriftsteller Erich Maria Remarque mit seinem Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues“, der das sinnlose Sterben der jungen Kriegsfreiwilligen thematisiert. Ein Vorabdruck des Buches erschien am 10. November 1928, dem 14. Jahrestag des Angriffs von Langemarck, in der Vossischen Zeitung, die weit über ihren Erscheinungsort Berlin hinaus gelesen wurde.[3]

Halle Mädchen stellen im Ersten Weltkrieg Verbandsmaterial her. Leihgabe: Ameli Nichelmann.

Haller Mädchen stellen im Ersten Weltkrieg Verbandsmaterial her. Leihgabe: Ameli Nichelmann.

Der „Mythos Langemarck“ im Nationalsozialismus

Der Nationalsozialismus nutzte den bestehenden Nimbus der „Jugend von Langemarck“. Die vermeintliche Todesverachtung der damaligen Kriegsfreiwilligen galt im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund wie in der Hitlerjugend als vorbildlich. Am Beispiel Langemarck wurden Kinder und Jugend-liche entsprechend dem Grundsatz der Selbsterhöhung durch Selbstvernichtung („Du bist nichts – Dein Volk ist alles“) indoktriniert und auf das Selbstopfer im Kriegsfall vorbereitet.
Erstrebenswert war für viele Hitlerjungen aus dem HJ-Bann 158 (Bielefeld-Halle) ein Lehrgang an der westfälischen Führerschule „Langemarck“, die im oben gezeigten Heft vorgestellt, beziehungsweise mit Berichten und Fotos aus dem Lehrgangsalltag beworben wurde.

 

Der „Langemarckstein“ im Haller Stadtwald
Der Wald rund um Langemarckstein und Kaffeemühle war bevorzugtes HJ-Revier. Hier fanden regelmäßig Gelände- und Kriegsspiele statt. Aus Zeitzeugenberichten ist bekannt, dass der Langemarckstein um 1937 von der Haller Hitlerjugend niedergelegt wurde. Dies fand sehr wahrscheinlich an einem 10. November statt, dem „Tag von Langemarck“, der vor Kriegsbeginn 1939 von vielen NS-Jugendorganisationen feierlich begangen wurde. Nach schriftlichen Quellen zu den Ereignissen in Halle wird recherchiert.
Wenn Sie mit Ihren Erinnerungen und Ihrem Wissen zur Forschungsarbeit betragen können, melden Sie sich gern!

Museum Haller ZeitRäume
Bahnhofstraße 17
33790 Halle/Westfalen
Tel. 05201/183-256
Mail: post@haller-zeitraeume.de

Sprechstunde: samstags 10-12 Uhr
Der Langemarckstein in Halle. Foto: W. Kosubek

Hitlerjugend, Jungvolk, HJ, Pimpfe mit Wimpel an der Schule in Eggeberg. Foto Leihgabe von Wolfgang Modersohn.

Heldenhaftes Sterben? Das Ziel des düsteren Pathos war den meisten Haller Jungs nicht klar. Sie verstanden es als Teil eines großen Abenteuers mit Lagerfeuer und Geländespielen. Leihgabe: Wolfgang Modersohn.

1 Vgl. dazu Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues, Berlin 1929.

2 Deutsches Historisches Museum, LeMO (Lebendiges Museum Online), Langemarck 10. November 1914; URL: http://www.dhm.de/lemo/html/wk1/kriegsverlauf/langemar/ [online am 24. Oktober 2011].
3 Erich Maria Remarque-Friedenszentrum, Erich Maria Remarque – Werke und Verfilmungen, Im Westen nichts Neues; URL: http://www.remarque.uos.de/iwnn.htm [online am 24. Oktober 2011].