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AusstellungZeitRaum 3 NationalsozialismusThemenwand Unter Zwang Zuflucht in Ascheloh

Zuflucht in Ascheloh

Eichenholz | um 1943
Familie Große-Butenuth

Sie kamen im Morgengrauen und klopften an einen Kotten in Ascheloh, von dem nur dieses Dielenbrett erhalten ist.
Es waren Juden und politisch Verfolgte, die sich im Stroh auf dem Dachboden von Ernst Scheipering ausruhen durften. Nach Einbruch der Dunkelheit brachte der Fluchthelfer die Namenlosen wieder auf den Weg – Richtung Meer. Der Teutoburger Wald bot ihnen Schutz und Orientierung. Scheipering arbeitete als Verwalter auf dem Hof Große-Butenuth, seine Familie lebte im Kotten der zum Hof gehörte.
Die damals elfjährige Ilse erinnert sich…

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Details und Hintergründe

Flucht über Ascheloh

Hintergrund zum Zeitzeugenbericht von Ilse Reiter

Ilse Reiter geb. Scheipering (*1933) berichtet von Ereignissen, die sich in den letzen Kriegsjahren in ihrem Elternhaus zutrugen. Ihr Vater, Ernst Scheipering, war als Verwalter auf dem Hof Große-Butenuth in Ascheloh bei Halle/Westfalen beschäftigt. Die Umgebung des Hofes, Wege und Wald kannte er durch seine tägliche Arbeit genau. Vom Kriegsdienst war Ernst Scheipering aus gesundheitlichen Gründen freigestellt.

Vorgeschichte – Entschluss zur Fluchthilfe
Den Entschluss, Verfolgten des nationalsozialistischen Terrors weiterzuhelfen, fasste Ernst Scheipering auf Grund des erschütternden Berichtes seines Schwagers Walter Bollmeyer, der die Familie während eines Heimaturlaubes 1943 besuchte.
Walter Bollmeyer wurde 1942/43 zur Wehrmacht eingezogen. Er gehörte der 14. Kompanie des Grenadier-Regiments 542 an, das im südlichen Russland, nahe der rumänischen Grenze eingesetzt war. [1] Der Weg dorthin muss ihn am Vernichtungslager Auschwitz, am KZ Krakau oder am KZ Zaslaw vorbeigeführt haben. Walter Bollmeyer soll hier seinem jüdischen Jugendfreund Max begegnet sein, der ihm „abgemagert, wie der Tod“ überraschend auf der anderen Seite eines Elektrozaunes gegenüberstand und ihn ansprach. [2] So erfuhr Walter Bollmeyer vom nationalsozialistischen Massenmord in den Konzentrationslagern.
Mit mit diesem Wissen trat er seinen Heimaturlaub an. Die zehnjährige Ilse erlebte ihren Onkel als „völlig verändert“. Ernst Scheipering entschloss sich zu helfen, was ihn und seine Familie in Lebensgefahr brachte. Wie die Fluchthilfe organisiert wurde, ist nicht bekannt. Ilse Reiter erinnert sich nur an eines: „Sie hatten keine Namen. Und wir hatten auch keinen Namen.“

Die Lage des Verstecks
Der Kotten, den die Scheiperings bewohnten, lag auf dem Rücken des Teutoburger Waldes an der heutigen Straße Berghagen. Nach Norden eröffnet sich dort eine weite Sicht, im Süden beginnt nahe am Haus bereits der Wald. Auf dem Dachboden des Kottens lagerten Heu und Stroh.
Die Ankunft der Flüchtlinge und der Aufbruch am nächsten Abend geschahen unbemerkt von den nächsten Nachbarn, wie etwa dem Bauern und seiner Familie.

Der Fluchtweg
Die Verfolgten wanderten nachts in kleinen Gruppen von drei bis sieben Personen. Sie folgten dem Verlauf des Teutoburger Waldes, der ihnen Schutz und Orientierung bot, Richtung Westen. Ihr Ziel ist nicht bekannt. Ilse Reiter berichtet, es habe Hoffnung gegeben, sich über die Nordsee in Sicherheit zu bringen oder aber gegen Kriegsende den alliierten Truppen entgegen zu gehen.

Das Gespräch zwischen Ilse Reiter und Katja Kosubek fand im Frühjahr 2012 statt.
Ilse Reiter verstarb am 13. Januar 2013.

1. Dies lässt sich aus Walter Bollmeyers Feldpostnummern 16780 und 30510 ersehen.
2. An den Nachnamen erinnert sich die Zeitzeugin nicht. „Max“ Identität konnte nicht geklärt werden.