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Einmarsch US-Truppen

Foto | 2. April 1945
Fotograf: Frank van der Veer/Dave Willis

Ein weißes Laken hatte die 22jährige Lore Bolte ins Fenster gehängt, bevor sie sich wie viele Haller im Gartenbunker verkroch. Die amerikanischen Alliierten erreichten Halle von Süden kommend am Ostermontag, den 2. April 1945 morgens um halb elf. In der Rosenstraße (Foto) wurden deutsche Soldaten bei ihrer Gefangennahme gefilmt. Die Aufnahmen machte der amerikanische Soldat Frank van der Veer.

Hören Sie, wie ein Junge und ein Mädchen aus Halle diese Tage erlebten — zwischen Neugier und Angst. Oder lesen Sie…

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Details und Hintergründe

Vormarsch auf Halle

Schon am Karsamstag, den 31. März 1945 herrschte große Aufregung in Halle. Es hieß, die Amerikaner seien bereits in Paderborn. Gütersloh solle geräumt werden. Die Haller Bevölkerung erhielt von offizieller Seite keine Anweisungen, wie sie sich zu verhalten habe. Solange die Haller Nationalsozialisten noch Macht hatten, war es gefährlich, eine weiße Fahne aus dem Fenster zu hängen. „Volksverräter“ wurden bestraft, meist erschossen. Aber wie lange würde das noch so sein? Und sollte man sich, wenn die amerikanischen Panzer nahten, besser im Wald verstecken oder zuhause bleiben?

Über eines war man sich einig: Als Besatzungsmacht wollte man keinesfalls „die Russen“. Befeuert von der NS-Propaganda zeigten die Schreckensnachrichten aus dem bereits eroberten Ostpreußen Wirkung[1]. Die Angst vor „den Amis“ war weniger groß. So erschien es klug, diese schnell und kampflos passieren zu lassen.

Ein Anruf aus Kölkebeck, so die mündliche Überlieferung, bestätigte früh am Morgen des 2. April 1945 den Vormarsch der amerikanischen Alliierten auf Halle.

Maria Menze, eine Evakuierte aus Bielefeld, versuchte im Landratsamt (heute Rathaus I) Genaueres in Erfahrung zu bringen. Dort begegneten ihr mehrere Haller NSDAP-Führer in Uniform. Einer Sekretärin wurde gerade diktiert: „Das Gefangenenlager in Künsebeck ist aufzulösen“. Während Maria Menze den Rat bekam, zuhause zu bleiben, beobachtete sie, wie die stadtbekannten NSDAP-Größen das Amt verließen — plötzlich in ziviler Kleidung — und mit ihren Autos „türmten“.

Die US-Truppen nahmen vom Rhein in Richtung Elbe vorrückend binnen weniger Wochen Westdeutschland ein – Stadt für Stadt, Dorf für Dorf. Die „5th Armored Victory Division“ eroberte an nur einem Tag, dem 2. April 1945, die Route Harsewinkel – Halle – Werther – Jöllenbeck. Die Spitze dieser Panzerdivision bildete die die kampferprobte „Task Force Hamberg“, benannt nach ihrem Befehlshaber Oberstleutnant William A. Hamberg.

Die Panzersprerre in Tatenhausen war offenbar schon von ihren Bewachern aufgegeben worden. Ungeklärt ist, warum dort an diesem Tag zwei Wehrmachtshelferinnen ums Leben kamen. Ein namenloser Grabstein auf dem Haller Friedhof III erinnert an das sinnlose Sterben der beiden jungen Frauen.

Ausschnitt der Karte "Advance of the 5th Armored Victory Division - River Rhine to the Elbe".

Kampflose Übergabe

Über die damalige „Straße der SA“ (heute Alleestraße) rollte die amerikanische Fahrzeugkolonne gegen 10.30 Uhr nach Halle ein. Voraus fuhr ein Panzer mit Räumschild. Die aufgesessenen Soldaten – meist Schwarze – waren etwa an der Panzersperre Langer Brink/Alleestraße abgesprungen und flankierten die Panzer zu Fuß. Zur Einschüchterung der Bevölkerung feuerten sie Warnschüsse ab. Es folgten Jeeps und Mannschaftswagen. Einige Anwohner hatten weiße Fahnen ins Fenster gehängt, so wie Lore Bolte, viele suchten Schutz im Keller oder in einem Erdbunker im Garten.

Die Besatzung verlief ohne Gegenwehr der Haller. Umso tragischer erscheint der Tod von Steinmetz Wilhelm Schmidt („Steinhauer Schmidt“). Auf der Höhe des Bahnhofs hielt die Kolonne und Maschinengewehrfeuer war zu hören. Wilhelm Schmidt, der mit seiner Familie im Garten neben dem alten Friedhof Zuflucht gesucht hatte, wurde vor dem Erdbunker von einer einzelnen Gewehrkugel getroffen. Seine Enkelin erinnert sich an den blutigen Kopfverband des Toten.

Der Haller Steinmetz Wilhelm Schmidt starb beim Einmarsch der Amerikaner durch einen Kopfschuß. Foto aus Privatbesitz.

Die Eroberung wurde gefilmt

Zur US-Army gehörte das „US Signal Corps“. Dessen Aufgabe war es, „eingebettet“ in die Truppen professionelle Aufnahmen zu machen. Der Kameramann Frank van der Veer filmte die Durchsuchung und Gefangennahme deutscher Soldaten auf der Rosenstraße in Halle. Hier sind einige Standbilder zu sehen. Der Armeefotograf Dave Willis machte die Aufnahme oben — van der Veer ist dort von hinten zu sehen.[2]

Zur Einnahme der Stadt gehörte das Aufspüren von deutschen Soldaten und Waffen. Annähernd alle Häuser wurden inspiziert und oft auch durchsucht. Den Hallern, auch den damaligen Kindern, prägte sich dieser angstvolle Moment des ersten „Feindkontaktes“ tief ein. Nicht selten blieb neben der Erleichterung auch ein Stück Schokolade zurück.

Unmittelbar vor dem Einmarsch der Amerikaner lagerten kurzzeitig junge SS-Männer in Halle, die sich auf dem Rückzug befanden. Besonders in Ascheloh war die Sorge groß, die Totenkopf-Soldaten nicht rechtzeitig loszuwerden, bevor die „Amis“ kamen.

2. April 1945

Durchsuchung deutscher Soldaten in der Rosenstraße in Halle/Westfalen. Standbild : Frank van der Veer.

Wir sammeln Erinnerungen...

Welches sind Ihre Erinnerungen an das Kriegsende in Halle? Erkennen Sie vielleicht eine der Personen auf den Fotos? Können Sie die Uniformen zuordnen? Wir als Museumsteam interessieren uns sehr für Ihre persönlichen Eindrücke und Erlebnisse.

Melden Sie sich gern per Mail an post@haller-zeitraeume.de.

 

Dr. Katja Kosubek im März 2020

Gefangennahme deutscher Soldaten in der Rosenstraße in Halle/Westfalen. Standbild : Frank van der Veer.

Quellen:

Augenzeuginnen und -zeugen aus Halle/Westfalen, darunter Lore Bolte, Albert und Jörg Buck, Maria Menze (aufgeschrieben von Bärbel Sunderbrink und Hartmut Wille) sowie Inge Stoppenbrink und einige weitere, die hier namentlich nicht genannt werden möchten.

[1] Zum Einmarsch der sowjetischen Roten Armee in Ostpreußen: Deutsches Historisches Museum, Lebendiges Museum Online (LeMO), Flucht der deutschen Bevölkerung 1944/45; https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/kriegsverlauf/flucht-der-deutschen-194445.html [online am 31. März 2020].

[2 Mehr über die „5th Armored Division“ bei: Friedhelm Wittenberg, Kriegsende in Jöllenbeck http://www.erinnerungszeit.de/web/kriegsende-1945/ [online am 29. März 2020].