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Wehrmachtshelferinnen

Foto | 2. April 1945
Haller ZeitRäume

„2 unbekannte Wehrmachtshelferinnen“ fanden ihre letzte Ruhe auf dem Friedhof an der Bielefelder Straße in Halle. Als Todesdatum liest man  „2. 4. 1945“.  Es ist der Tag, an dem die amerikanischen Alliierten Halle/Westfalen erreichten.

Wer waren diese jungen Frauen? Welche Aufgabe hatten sie in Halle? Wie sind sie ums Leben gekommen?

Hier brauchen wir Ihre Unterstützung, denn noch wissen wir wenig über ihr Schicksal. Was uns bisher zugetragen wurde, erfahren Sie unter

… alle Details und Hintergründe

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Details und Hintergründe

Panzersperre Tatenhausen

Für die folgenden Begebenheiten haben wir keine gesicherte, schriftliche Quelle. Auch eine zweite mündliche Quelle fehlt, die das Gehörte bestätigen könnte. Und nicht einmal einen direkten Zeitzeugen gibt es – lediglich ein damaliges Kriegskind, dem dies von seinem Vater und anderen Zeitzeugen berichtet wurde.

Trotzdem möchten wir veröffentlichen, was wir bisher erfahren haben. Sollten Sie mehr darüber wissen, melden Sie sich bitte bei uns. Kontakt…

Bombensicher - Gasthof Tatenhausen

Eine unaufhörliche Abfolge von Alarmen, Entwarnungen sowie zahlreiche Bombardierungen erlebte die Großstadt Bielefeld während des Zweiten Weltkriegs. Die Ziele waren Industrie und Infrastruktur, aber auch die malerische Altstadt – als Teil der psychologischen Kriegsführung. Mehrere kriegswichtige Firmen, wie etwa der Rüstungsbetrieb Dürkoppwerke, wurden daher in das weniger gefährdete Umland verlegt. In gleicher Weise richtete das Luftwaffenbekleidungsamt Bielefeld ein „bombensicheres“ Materiallager im Gasthof Tatenhausen (oder im benachbarten Badehaus) ein.

Dort zwängt sich die Versmolder Straße (von Hörste nach Halle) durch eine Engstelle zwischen dem Wassergraben des Schlosses Tatenhausen und der steilen Böschung am Gasthof. Eine Ausweichmöglichkeit gibt es nicht. Darum bot sich diese Passage für eine „Panzersperre“ an. Anfang 1945 wurden Palisaden aus Fichtenstämmen errichtet. Sie standen versetzt zueinander, so dass sie sich von kleineren Fahrzeugen mit einer S-Kurve durchfahren ließen. Der aus Jugendlichen und älteren Männern zusammgestellte Volksstrum erhielt Panzerfäuste und die Aufgabe, die Sperre beim erwarteten Vorrücken der Aliierten zu halten.

Das ehemalige Badehaus am Schloß Tatenhausen. Hier oder im benachbarten Gasthof lagerte das Luftwaffenbekleidungsamt Material. Foto: W. Kosubek/Haller ZeitRäume.

Gefecht an der Tatenhausener Kreuzung

Als es soweit war und man die amerikanischen Panzer anrollen hörte, seien die Volkssturmleute jedoch „stiften gegangen“, heißt es. Tatsächlich stellte eine Panzersperre wie diese kaum ein Hindernis dar, denn der erste Panzer einer amerikanischen Kolonne trug einen Räumschild.

Kurz darauf muss es an der Tatenhausener Kreuzung zu einem Feuergefecht gekommen sein zwischen einer deutschen Einheit, die sich Richtung Teutoburger Wald zurückzog und der amerikanischen „5th Armored Victory Division“, von Harsewinkel über Hörste und Kölkebeck auf Halle vorrückend. Dabei gerieten die beiden Wehrmachtshelferinnen in die Schusslinie, wird vermutet.

Im Zweiten Weltkrieg waren 500.000 vorwiegend junge, ledige Frauen als sogenannte Wehrmachtshelferinnen im Einsatz, meist dienstverpflichtet. Sie übernahmen innerhalb der Wehrmacht alle Aufgaben, die nicht unmittelbar als Dienst an der Waffe anzusehen waren, so etwa im Bereich der Verwaltung oder des Nachrichtenwesens („Blitzmädel“). Denn es galt junge Männer „freizumachen“, damit diese an die Front versetzt werden konnten. Im Kriegsverlauf kamen die Helferinnen jedoch zunehmend an Waffen, Front und Kampfhandlungen heran, etwa als Flakhelferinnen, welche die Suchscheinwerfer bedienten. Etwa 10.000 Wehrmachtshelferinnen waren SS-Angehörige. Welche Aufgabe die beiden Frauen an der Tatenhausener Kreuzung versahen, wissen wir nicht.

Ein amerikanischer Panzer räumt eine Straßensperre. Wo diese Aufnahme mit dem Vermerk "2. April 1945 - Halle" entstand, ist nicht geklärt. Standbild: Frank van der Veer.

Verlorene Namen

Es heißt, ihre Leichen seien ausgeplündert worden – auch ihre Papiere wurden entwendet. So konnten sie nicht identifiziert und ihre Familien niemals benachrichtigt werden. Der namenlose Grabstein auf dem Haller Friedhof III erinnert an das sinnlose Sterben der beiden jungen Frauen.

Grabstein für zwei unbekannte Wehrmachtshelferinnen auf dem neuen Friedhof (Friedhof III) in Halle/Westfalen. Foto: W. Kosubek/Haller ZeitRäume.