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Geschichtspfad Kaffeemühle

Im Haller Stadtwald am Bergkamp haben viele Generationen ihre Spuren hinterlassen. Zur Zeit der Aufklärung um 1800 schuf die Kaufmannsfamilie Hagedorn hier einen Landschaftspark mit dem Aussichtspavillon „Kaffeemühle“. Im Kaiserreich führte der bürgerliche Sonntagsspaziergang hierher. Der Nationalsozialismus schließlich entdeckte das Gelände für Kriegsspiele der Hitlerjugend…

Der Rundweg ist etwa 2,5 km lang und verläuft weitgehend auf Wald- und Wiesenpfaden.

Anfahrt:

Apothekerstraße/Ecke Storkenstraße
33790 Halle/Westfalen
N 52.03.918 E 008.21.952

Wanderung beginnen

Station 1

Das Fachwerkhaus am Bergkamp

Ein Fachwerkhaus von 1804 bildet das Tor zum ehemaligen Landschaftspark der Familie Hagedorn, der um 1800, zur Zeit der Aufklärung, angelegt wurde. Der Leinenkaufmann Hermann Hagedorn (1735-1826) verwirklichte mit dem Park eine Idee seiner Zeit: die „Erhöhung“ der Natur durch den Menschen, zu dessen Freude und Nutzen. Einige Relikte dieses Parks sind erhalten und über den Geschichtspfad zu erreichen.

Station 2

Der Schützenberg

Der Schützenberg und die Schützenhalle von 1912 haben eine wechselvolle Geschichte als Veranstaltungsort – und als Materiallager des Reichsarbeitsdienstes im Nationalsozialismus. Mehr über die Plünderung des Lagers durch die Haller Bevölkerung bei Kriegsende 1945 erfahren Sie hier… Mitte der 1980er Jahre begeisterte hier die „Halle 3″ hunderte Jugendliche aus der Region mit Rock- und Popkonzerten. Mit einem Klick auf die Lupe sehen Sie die Schützenhalle um 1956.

Station 3

Die Apothekergräber

Die privaten Haller Waldbegräbnisse sind in Westfalen einzigartig. Über hundert Jahre bestattete die Familie Schmülling hier ihre Liebsten. Sie und ihre Nachkommen waren Ärzte und Apotheker. Was wohlhabende Familien zu dieser „Flucht“ an den Waldrand veranlasste, war der um 1810 überfüllte Friedhof rund um die Haller Kirche.

Wer hier bestattet ist, verrät die Stammtafel der Familie Schmülling.

Station 4

Die Ponybahn

Eine Kinderbelustigung der Kaiserzeit war das Ponyreiten. Noch heute erkennt man die drei um 1890 angelegten Reitbahnen als Bodenwellen, die konzentrisch umeinander liegen. Dabei war die große Runde sicher die teuerste… Die Ponybahn war für die kleinen Herrschaften die Attraktion des bürgerlichen Sonntagsausflugs. Nicht weit entfernt lag die Ausflugsgaststätte Grünenwalde, eine beliebte „Sommerfrische“. Wie sich die Haller Damenwelt „sonntagsfein“ kleidete, sehen Sie hier…

Station 5

Das Begräbnis Hagedorn-Delius

Wie der schöne Grabstein mitteilt, ruht hier Friederike Louise Delius, verwitwete Hagedorn, geb. Schrader. Sie tröstet den Betrachter mit den Worten „Weinet nicht, mir ist wohl.“.

Lange vor Friederike Louise wurde hier 1811 ihr erster Ehemann Clamor Friedrich Hagedorn begraben, sowie 1813 drei ihrer gemeinsamen Kinder. Diese erlagen innerhalb weniger Wochen der „Bräune“ (Diphterie). Die Witwe verheiratete sich nach Versmold in die Familie Delius, die ebenfalls mit Leinenstoff handelte. Mehr über Friederike und ihre Zeit erfahren Sie hier…

Station 6

Das Denkmal für Hermann Hagedorn

Zu seinem 68. Geburtstag im Jahr 1802 wurde Hermann Hagedorn von seinen Kindern und Enkeln ein Denkmal geschenkt. Dessen Inschriften würdigen Hagedorns Natur-, Kunst- und Menschenliebe. Er wird der „Schöpfer dieses Tempels“ genannt, womit die Gestaltung des Bergkamps zu einem Landschaftspark gemeint ist. In der NS-Zeit war des Denkmal umstritten. NSDAP-Ortsgruppenleiter Krause verlangte 1937 den Abbruch. Was dahinter steckte, erfahren Sie hier…

Station 7

Die Kaffeemühle

Das Herzstück des ehemaligen Landschaftsparks der Familie Hagedorn war der um 1797 erbaute Lustpavillon – seiner Form wegen „Kaffeemühle“ genannt. Alle Bürger waren eingeladen, sich an diesem Ort an der „durch die Kunst erhöhten Natur“ zu erfreuen, die schöne Aussicht zu genießen und sich zu bilden. Die jüngere Geschichte der Kaffeemühle, die 1947 ein Gedenkraum für Haller Kriegsopfer werden sollte, finden Sie hier…

Seit 2006 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Genießen Sie ein 360-Grad-Panorama auf der Website der Haller Loge…

Station 8

Der Weinkeller

Der ehemalige Weinkeller hielt um 1800 den „guten Tropfen“ für Zusammenkünfte in der Kaffeemühle bereit. Leider wurde das Gewölbe 1954 als „Steinbruch“ für Renovierungsarbeiten entdeckt und zerstört. Heute sind nur noch seine Fundamente zu sehen. Die Einrichtung eines Weinkellers spiegelt die Kultur bürgerlichen Wohllebens um 1800 wider und erzählt von der fröhlichen Nutzung des Landschaftsparks und der Kaffeemühle.

Wein baute die Familie Hagedorn an einem sonnigen Hang hier am Bergkamp übrigens selbst an. Erfahren Sie mehr…

Station 9

Die Absturzstelle eines Halifax-Bombers

Am 29. Dezember 1943 stürzte am Bergkamp ein britisches Kriegsflugzeug ab. Zu sehen sind hier die Einschläge der beiden Motoren unter der rechten Tragfläche. Die Halifax musste wegen eines Motorschadens aufgegeben werden. Mit Fallschirmen konnte sich die siebenköpfige Besatzung retten und geriet in deutsche Gefangenschaft. Alle Einzelheiten zum Kurs der Maschine, zum Absturz und den kürzlich entdeckten Trümmern finden Sie hier…

Mehr über den Zweiten Weltkrieg in Halle erfahren Sie im Aussstellungsraum Nationalsozialismus.

Station 10

Das Denkmal für Walther von der Vogelweide

Hier setzte der Haller Männergesangverein „Ravensberg“ ihrem berühmten Vorbild, dem Minnesänger Walther von der Vogelweide (um 1170-1230), ein Denkmal. Eingeweiht wurde es am 29. Juni 1930, dem 700. Todestag Walthers. Die Pyramide aus Findlingen traf damals genau den Geschmack der Zeit. Bis heute findet jedes Jahr am Pfingstmontag in der Frühe das Pfingstsingen des MGV Ravensberg hier statt. Die Lupe zeigt ein Foto vom Pfingstsingen 1964.

Station 11

Das Gärtnerhaus

Zu Hagedorns Landschaftspark gehörte auch ein großer Garten für den Obst- und Gemüseanbau. Das Gärtnerhaus von 1796 ist das älteste Gebäude des Bergkamps. In der sonnigen Senke, die durch eine Sandsteinmauer abgefangen wird, lag der Nutzgarten. Es gab dort auch Weinbau, eine Spargelschule und ausgedehnte Obstwiesen.

Wie ein Zeitzeuge den Garten beschrieb, in dem sich die Idee der Aufklärung spiegelte, lesen Sie hier…
Die Lupe zeigt das Gärtnerhaus um 1952.

Station 12

Das Begräbnis der Familie Kisker

Der größte private Waldfriedhof am Bergkamp wurde 1926 von Eduard Kisker (1879-1952) angelegt, als sein gleichnamiger Vater starb.
Die Kaufmannsfamilie Kisker ist seit 1732 ist in Halle ansässig und heute in achter Generation ein namhafter Hersteller für Spirituosen. In ihrer Fabrik stampfte Halles erste Dampfmaschine. Als Kommerzienräte prägten die Kiskers besonders im 19. Jahrhundert das Stadtgeschehen.

Ihre Grabstätte ist eine von drei Haller Waldbegräbnissen, die noch genutzt werden.

Station 13

Der Langemarck-Stein

Mit feierlichem Trommeln und Fackelschein legte die Haller Hitlerjugend am 10. November 1934 diesen Gedenkstein nieder, der an das „heldenhafte Sterben“ junger Soldaten in der Schlacht von Langemarck 1914 erinnert. Die angebliche Todesverachtung dieser Kriegsfreiwilligen galt in der HJ als vorbildlich. Anhand des „Mythos Langemarck“ wurden Kinder und Jugendliche auf das Selbstopfer im Kriegsfall vorbereitet.

Hintergrundwissen, Bild- und Tondokumente zur HJ in Halle finden Sie im Raum Nationalsozialismus auf der Themenwand Der Alltag…