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Rave & Co.

Rave-DJ "Lütti" um 1973. Foto: Dieter Luedtke.

„Subtile Farbgebung und hervorragende elektronische Musikwiedergabegeräte… “ – Das Haller Kreisblatt weckte 1972 große Erwartungen an das neueröffnete RAVE. Und die Diskothek in der ehemaligen HK-Druckerei kam an: Auch in Bielefeld war das Rave bald als Szeneladen bekannt. Die Musik war rockig und progressiv – Rolling Stones und Deep Purple trafen das Lebensgefühl der Zeit. Von 1972-1978 wurde im Rauch der Zigaretten getanzt, gequatscht und draußen (!) „mal ein bisschen gekifft“. In den gleichen Räumen eröffneten später nacheinander die Discos Las Palmas, New Orleans, P.S., Soul People… alle mit kürzerer Lebensdauer.

Freunde, Musik, „Lokus-Wettlauf“, wilde Klamotten und dunkle Ecken – Bernd erzählt vom Rave.

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Exponat: Rave & Co.

Rave!

Im Frühjahr 1972 entwickelte sich im Keller des ehemaligen Druckhauses Meyer & Beckmann in der Rosenstraße ein weiterer und etwas anderer Szenetreff: das „Rave“, eröffnet durch Dieter Luedtke, Ulrich Schuster und Hans Brachvogel [1]. Der Name „Rave“ – englisch für toben, schwärmen, ausgelassen feiern und einer Platte der „Yardbirds“ entlehnt – war Programm. Hier klang die Musik rebellisch, rockig, progressiv. Die Rolling Stones, die Animals und Black Sabbath brachten die Gäste auf Touren.

Laut Haller Kreisblatt war eine Diskothek entstanden, die durch „moderne innenarchitektonische Gestaltung mit Originalität, subtiler Farbgebung und hervorragenden elektronischen Musikwiedergabegeräten“ geprägt war. Eine Atmosphäre, die nicht nur Teens und Twens ansprechen sollte … [2].

Mehr als nur eine Diskothek - Das „Rave“ in Halle/Westfalen 1972. Foto: Gerd Voss.

Zum Einjährigen feierte das Rave mehrere Tage lang, auch mit Konzerten. Unter anderem spielte die Rockband „Unterrock“ aus Münster…  Immer wieder gab es im Rave besondere Aktionen wie die „Hippie-“ oder die „Pölter-Party“, den „Lumpenball“ am 15. Februar 1974, der den biederen Karneval auf die Schippe nahm, oder die feuchtfröhliche Maibockfete am 30. April 1974. Die Handzettel schrieb und gestaltete Dieter Luedke selbst und erklärt „Die Satierezeitschrift Pardon, später Titanic, mit Leuten wie Robert Gernhardt und F.K. Waechter, auf der Wellenlänge waren wir, das war so unser Humor…“

Ab 1975 hatte das „RAVE“ auch am Samstag Vormittag geöffnet. Viele Jugendliche kamen direkt nach der Schule mit ihrer „Tonne“ ins Rave. Um 10 Uhr wurde  die Erkennungsmelodie „Schools out“ von Alice Cooper gespielt und man konnte sich den Schulstress der vergangenen Woche vom Leib tanzen. Um 14 Uhr war dann Schluss mit feiern und flirten.

Das Publikum war insgesamt recht jung.

Zum Parka und der abgeliebten Jeans mit Schlag wurde noch irgendwas Individuelles getragen, ein schrilles Hemd, ein knallgelber Gürtel, eine seltsame Fellweste… Hier war man unter sich, raus aus der Welt der Erwachsenen, konnte quatschen und knobeln – sogar eine Rave-Fußmallmannschaft gründete sich am Tresen.

Jugendliche aus Werther, Steinhagen, Bielefeld, Versmold, Dissen und Bad Laer zog es nach Halle. Es wurde gefeiert, getanzt – und gebaggert wurde natürlich auch…

Nach Hause kam man mit dem Fahrrad, es wurde getrampt, oder man fuhr mit Älteren mit, die ihr erstes eigenes Auto hatten.

Die Rave-Fußballmannschaft an der Osning-Kampfbahn 1973. Foto: Gerd Voss.

Die Ära des „Rave“ währte bis zum Juni 1977, ist aber bis heute unvergessen, noch immer gibt es dank DJ Lütti „Rave – Revivals“ in der Friedrichshöhe, man hört die guten alten Sounds und schaut die Bilder von damals an…

Rosenmontag 1973 im Rave. Foto Gerd Voss.

Rave - Playlist

  • Alice Cooper: Schools out
  • Deep Purple:
  • Rolling Stones:
  • Led Zeppelin:

[1] Haller Kreisblatt vom 12.02.1972. Hier werden auch Bernhard Rusche und Henner Keste als Mirgründer genannt.

[2] Ebd.