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Anna Kottenkamp und Peter Gustav Wilmanns

Wegen Trinkspruch ins Gefängnis!

Anna Kottenkamp musste einiges durchmachen mit „ihrem“ Bürgermeister. Doch die Eheleute ergänzten sich gut in jenen in stürmischen Zeiten…
Peter Gustav Wilmanns (1756–1829) war ein respektabler Mann: Patriotisch, streng und gerecht, beliebt und berüchtigt für sein hitziges Temperament. Das Amt des Haller Bürgermeisters hatte er aus finanziellen Gründen gewiss nicht nötig. Denn Wilmanns war zugleich Fabriquendirektor, Preußischer Posthalter und Akziseinspektor und wird ordentlich bezahlt worden sein. Er baute seiner Familie ein ansehnliches Haus, das noch heute die Lange Straße schmückt.
Seine Ehefrau Anna war dagegen sanftmütig und wirkte ausgleichend — wenn es mal wieder nötig war. Beide stammten aus wohlhabenden Bielefelder Familien und hatten einander jung geheiratet.

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Sonderausstellung Haller Persönlichkeiten, Wilmanns Haus

Exponat: Anna Kottenkamp und Peter Gustav Wilmanns

Fortsetzung

Insgesamt 48 Jahre lang war Wilmanns Bürgermeister in Halle. So lange wie davor und danach niemand.
Während der französischen Besatzung (1806–1813) hatte er das Amt des Maire im Kanton Brockhagen inne. Wegen eines Trinkspruchs gegen die Franzosen („Mein König von Preußen – niemals Jerôme!“) saß er kurzzeitig im Gefängnis. Als die napoleonischen Truppen abrückten, wurde Wilmanns der Legende nach auf den Schultern der Bürger zurück ins Rathaus getragen und mit dreifachem „Vivat!“ in sein Amt eingesetzt.
Leider erlebte Anna diesen Triumph nicht mehr. Sie starb schon 1811 und war die erste Haller Bürgerin, die nicht auf dem überfüllten Kirchhof bestattet wurde. Dem Preußischen Landrecht entsprechend legte Peter Gustav ein Erbbegräbnis am Lotteberg an, weit außerhalb der Stadt. Damit ging er seinen Bürgern mit gutem Beispiel voran. Anna war von ihrer Familie sehr geliebt worden. Das verrät ihr Grabstein im Wald, gewidmet „Der besten Gattin, der zärtlichsten Mutter…“. Ihr jüngster Sohn, Fränzchen, war damals erst 12 Jahre alt.
Auch Wilmanns ist den Urkunden nach hier bestattet, doch sein Grabstein ist bis heute unauffindbar…

Wolfgang Kosubek