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Friederike Louise Hagedorn

Weinet nicht. Mir ist wohl.

„Frau Hagedorn, Sie müssen etwas unternehmen — meine Kunden warten auf ihr Segeltuch!“
Mit solchen oder ähnlichen Worten veranlasste Mr. Bohlen aus Philadelphia Friederike Louise Hagedorn, Unternehmerin zu werden. Dabei durchlebte die 34jährige gerade eine familäre Tragödie…
Alles hatte so glänzend begonnen: Sie war die Auserwählte von Clamor Friedrich Hagedorn und heiratete 1796 in ein Leben ohne finanzielle Sorgen. Gebildete Menschen waren ihre Gäste am Kirchplatz in Halle, Honoratioren wie Bürgermeister Willmanns zählten zu ihren Bekannten. Als Clamor Friedrich im Jahr 1800 eine Kohlenzeche in Halle gründete, stand seine junge Frau im Mittelpunkt des großen Ereignisses: In „schöner Equipage“ wurde sie dorthin gefahren, um dem Unternehmen ihren Namen zu geben.

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Exponat: Friederike Louise Hagedorn

Fortsetzung

Ein Kind nach dem anderen wurde den beiden geboren — schließlich waren es acht.
Doch während Halle französisch besetzt war, erlag Clamor Friedrich Hagedorn 1811, mit 41 Jahren, einem tödlichen „Nervenfieber“. Nur wenig später starben die drei jüngsten Kinder qualvoll an der damals unheilbaren „Bräune“ (Diphterie). Es ist anzunehmen, dass sie wie ihr Vater in Hagedorns Familienbegräbnis nahe der „Kaffeemühle“ beigesetzt wurden.
Friederike Louise führte nun eigenständig den Handel weiter — bis nach Philadelphia.
Schon lange bestanden gute Beziehungen zu Familie Delius in Versmold. Auch diese handelte mit Segeltuch und war in Bremen vertreten. So heiratete Friederike Louise im Jahr 1817 Friedrich Wilhelm Delius. Die 39jährige brachte Sachverstand, gute Geschäftsbeziehungen und durch Landverkäufe in Halle auch ein solides Vermögen mit. Weiteren drei Kindern schenkte sie das Leben.
Bevor die Kauffrau und Mutter 1854 starb, wählte sie erstaunlicherweise das Begräbnis der Familie Hagedorn als ihre letzte Ruhestätte. Auf ihrem Grabstein ist zu lesen: „Weinet nicht. Mir ist wohl.“

Katja Kosubek