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Margarete Windthorst

Tulifant

„Jedes Jahr im Frühling gingen Eden, Mieling und Klein-Tulifant durch das Gartentor hinaus und stiegen zu den Hügeln hinan, um Veilchen zu pflücken…“
So beginnt „Der Veilchenberg“, eine Erzählung von Margarete Windthorst. Schreibend reist sie in ihre Kindheit. Es ist eine ländliche und längst verlorene Welt, Natur und Menschen scheinen verwunschen, auch die Namen der drei Windthorst-Mädchen. Tulifant, das Kleinste, ist die 1884 geborene Margarete selbst.

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Exponat: Margarete Windthorst

Fortsetzung

Sie wuchs im Haus Hesseln auf, dem Erbhof ihrer evangelischen Mutter Eugenie Hülbrock. Ihr katholischer Vater August Windthorst hatte dort eingeheiratet. Eine Ehe zwischen den Konfessionen war damals äußerst selten und deren Widerstreit beschäftigte Margarete sehr. Später sammelte sie Trachtenhauben evangelischer und katholischer Frauen und vereinte diese an der Nähmaschine zu einem kunstvollen Wandteppich.
Die drei Schwestern wurden von einer Hauslehrerin unterrichtet. Ein Semester an der Universität Münster erlebte Margarete als sehr inspirierend. 1911 erschienen ihre ersten Gedichte. Doch ihr Alltag sollte sich eher nüchtern gestalteten:
Als Jüngste war sie „Anerbin“ auf Haus Hesseln und übernahm 1921, nach dem Tod ihrer Mutter, den Gutshof. Eine Heirat hatte sich nicht ergeben und so führte sie selbst mehr als 20 Jahre lang den Hof. Ihre Schwester Ada lebte bei ihr und gab Klavierunterricht, Maria war als junge Mutter gestorben.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde spürbar, dass durch den Fortschritt auch etwas verloren ging. Das Vertraute zu bewahren, hatten sich nicht nur nationalistische Gruppierungen zur Aufgabe gemacht. Auch Margarete fand ihre innere Heimat in der vorindustriellen Zeit. Das spiegelte sich in Novellen und Romanen, die sie neben der Hofarbeit schrieb. 1946 erhielt sie für ihr umfangreiches Werk den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis. Margarete Windthorst, die „kleine Tulifant“, starb 1958 und wurde nahe Haus Hesseln beigesetzt.

Katja Kosubek